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Von der Flugangst zur Urmutter

Schwangere beim Yoga (Bildquelle: Fotolia.de)

Drei Kinder geboren – alle drei zu Hause auf der Wohnzimmer-Couch. Nur sie, ihr Mann und die Hebamme. Eine der drei Geburten tat scheiß weh – aber das spielte keine Rolle, weil Sie etwas Bedeutendes entdeckt hatte.

Dieser Tage hatte ich ein langes Telefonat mit einer mittlerweile sehr liebgewonnen guten Bekannten. Wir sind uns nie persönlich begegnet, haben aber schon viele Stunden am Telefon verplaudert. Eine außergewöhnlich intellektuelle Frau, Mutter dreier Kinder und immer aufgeschlossen und auf eine sympathische Weise herausfordernd – wir haben einen guten Draht, um es mal so zu formulieren …

Sie hat Flugangst. Auf einem ihrer Langstreckenflüge geriet die Maschine, in starke Turbulenzen und begann, immer heftiger zu rütteln und zu vibrieren. Und da meine Bekannte fürchtete, von ihrer Flugangst übermannt zu werden und in Panik zu geraten, musste sie schnell irgend etwas unternehmen, um ihren Verstand zu beschäftigen.

Einer ganz spontanen Eingebung folgend, dehnte sie sich in ihrer Vorstellung aus – bis sie selbst das Flugzeug war, dass durch die Wolken flog. Sie spürte den rasenden Wind, der jetzt unmittelbar ihre Haut vibrieren ließ – und nahm alles noch viel intensiver wahr, als vorher im Sitz des Fliegers. Jetzt aber da sie selbst es war, die flog – nicht in einer Maschine, sondern als Selbst – hing sie nicht mehr von der Maschine oder den Piloten ab. Sie erlebte diesen Augenblick auf eine ganz andere Weise, und ließ alles andere um sie herum im Flugzeug los.

Ich bin geflogen! Nicht die Maschine!”

… sagte sie und beschrieb mir, wie sie dadurch die Kontrolle über ihren gegenwärtigen Moment zurück erobert hatte – ohne den Moment selbst oder das, was aus diesem Moment hervorgehen würde, bestimmen zu wollen.

Und ist das nicht genau das, worum es bei der Geburt geht? Die Kontrolle über den Augenblick zu behalten, in dem man ihn loslässt und sich der Erfahrung des Gebärens hingibt?

Ich habe mit vielen Frauen gesprochen, die ein wunderbares Geburtserlebnis gehabt hatten. Dabei hörte ich immer wieder in etwa diese Beschreibung:

„Schmerzen? Ja, kann sein – ich weiß es nicht mehr, wenn ich ehrlich bin. Ich weiß nur, dass es intensiv war. Außergewöhnlich. Unbeschreiblich. Dass alles irgendwie stimmig war. Und zusammengehörte. Etwas, bei dem ich keinen Zweifel haben musste oder hatte. Es war einfach alles irgendwie gut …”

Meine Bekannte hat alle ihre drei Kinder zu Hause auf Ihrer Wohnzimmer-Couch zur Welt gebracht. Nur sie, ihr Mann und ihre Hebamme, mit der sie bis heute sehr eng befreundet ist.

Dieses Erlebnis im Flugzeug, bei dem sie sich in ihrer Vorstellung ausdehnte, bis sie über das Flugzeug hinausgegangen war und selbst durch die Luft flog, führte dazu, bei den Geburten über ihre sinnlichen Wahrnehmungen auf der Couch in ihrem Wohnzimmer hinauszugehen. Sie kam dabei an den Punkt, die Urmutter zu sein – was immer das bedeuten mag. Sie sagte, sie sah sich als die Urmutter, die neues Leben hervor brachte und nicht darauf achtete, ob es weh tat oder nicht – und bei einer der drei Geburten tat es scheiß weh:

Aber es spielte keine Rolle, sagte sie. Es ging nicht darum, wie es sich anfühlte, sondern darum, ein neues Leben auf die Welt zu bringen. Das war viel größer als irgend eine Empfindung. Es war bedeutend! Die Vorstellung, die Urmutter zu sein, änderte für mich alles.

Ich finde, wenn Sie sich auf die Geburt Ihres Kindes vorbereiten, sollten Sie der Welt Ihrer Vorstellungen besondere Aufmerksamkeit schenken, denn es sind Ihre Vorstellungen, die maßgeblich bestimmen, wie Sie den gegenwärtigen Augenblick erleben … jetzt und bei der Geburt.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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