Geister

„Ideen können Gefühle nicht ändern. Nur Gefühle können das. Diese offensichtlich simple Bemerkung ist dennoch sehr tiefgreifend, denn wenn wir unser eigentliches Menschsein zurückgewinnen wollen, müssen wir unser Fühlen zurückgewinnen – das geht nicht alleine über die Welt der Ideen!”

Dr. Arthur Janov, The Biology of Love

Trauen Sie Ihrer eigenen inneren Wahrnehmung? Ihren Gefühlen?

Sich selbst und eigenen Wahrnehmungen zu vertrauen, klingt viel einfacher als es ist!

Stellen Sie sich vor, Sie sind bei Ihrer Vorsorgeuntersuchung. Plötzlich bemerken Sie, dass Ihr(e) freundlicher Frauenarzt oder -ärztin eine sorgenvolle Miene macht. Welche Gefühle wird das in Ihnen auslösen?

Oft überträgt sich das, was man zu sehen glaubt, auf Grund der Spiegelneuronen auf einen selbst. Eine sorgenvolle Miene des Frauenarztes oder der -ärztin stößt oft ein ungutes Gefühl in der Schwangeren an.

Das ist jetzt nur ein einfaches Beispiel und nicht wirklich gewichtig, aber die Frage, um die es eigentlich geht, ist, ob Sie Ihren Gefühlen wirklich trauen … können.

Alles in Ordnung?

Es könnte es sein, dass man den Gesichtsausdruck falsch deutet. Vielleicht ist man selbst gerade nicht so gut drauf. Dann hat man plötzlich ein ungutes Gefühl – und zwar ganz ohne Grund.

Ebenso gut könnte es sein, dass der Gesichtsausdruck tatsächliche Sorgen widerspiegelt. Vielleicht weil der Arzt oder die Ärztin selbst gerade große Probleme zu bewältigen hat. Er oder sie denkt vielleicht gerade darüber nach, ob es nicht besser wäre, für heute Schluss zu machen, um ein Problem zu Hause lösen zu können. Aber ohne darüber nachzudenken und meistens ganz spontan übernehmen Schwangere ein solches Gefühl, beziehen es aber auf Ihre Schwangerschaft – wieder ganz ohne Grund.

Noch viel problematischer wird es, wenn es vielleicht heißt:

Schwangerschaft abbrechen!

… denn die sorgenvolle Miene der Frauenärztin kann sich tatsächlich auf die Schwangerschaft und das ungeborene Baby beziehen.

In unserer weitläufigen Familie war eine Schwangere genau mit so einer Aussage konfrontiert. Man teilte ihr mit, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein missgebildetes, vermutlich auch nicht lebensfähiges Kind in sich trage und legte ihr nahe, die Schwangerschaft abzubrechen. Auch ein zweiter Frauenarzt bestätigte die Diagnose.

Was aber tun Sie, wenn Ihnen Ihr Gefühl etwas anderes sagt? Wem trauen Sie dann? Ihrem Gefühl, von dem wir gerade gesehen haben, wie leicht es chaotisch werden kann? Oder der Meinung der Fachleute?

Glauben Sie, dass es unter diesen Bedingungen einfach ist, den eigenen Gefühlen zu (ver-)trauen? Mit der Angst im Nacken, falsch zu entscheiden? Und glauben Sie, in einer solchen Situation nur ein einziges Gefühl zu haben? Nur eine einzige Wahrnehmung?

Geister

Und glauben Sie, dass es unter diesen Voraussetzungen einfach ist, die eigenen Gefühle von denen anderer um Sie herum abzugrenzen?

Gerade fremde Vorstellungen, Gefühle und Erlebnisse nisten sich rasend schnell wie Geister in unserem eigenen Inneren ein und fangen dann an, sehr real in uns herumzuspuken – als wären es unsere eigenen Erlebnisse!

Es gibt ein spirituelles Gesetz, das man Gesetz der Faksimile nennt. Die schon genannten Spiegelneuronen bauen auf diesem Prinzip auf. Dieses Gesetz sorgt dafür, dass wir – fast immer völlig unbewusst – fremde Erlebnisse nach einer Weile für unsere eigenen halten. Die Frage ist also immer auch: Sind das wirklich meine Gefühle und meine Erlebnisse, die ich gerade in diese Augenblick so sehr für wahr halte?

Während der Geburt kann das eine sehr große Rolle spielen – zum Guten und zum weniger Guten.

Das gehört zu den großen Schwächen unserer Kultur: Gefühle lieber zu analysieren, statt zu kultivieren. Aber Gedanken über Angst zu haben ist denken, nicht fühlen – womit wir wieder bei Arthur Janov angekommen sind: Nur Gefühle können Gefühle verändern …

Angst vor der Geburt

Es ist nicht möglich – und auch nicht sinnvoll – alle Gefühle, die uns unglücklich machen, zu elimieren. Viel mehr geht es darum, die Zeit, die wir in solchen Gefühl verbringen, zu minimieren.

Wenn Sie also Angst vor der Geburt haben, dann ist das erst einmal gut! Tatsächlich ist das ein perfekter Ausgangspunkt für Ihre ganz persönliche Vorbereitung auf die Geburt.

Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Gefühle. Nehmen Sie sie bewusst(er) wahr. Ihre Aufgabe ist es, Ihnen etwas über sich selbst und Ihre Bedürfnisse zu erzählen – wenn Sie denn zuhören.

Nehmen Sie also diese feine Stimme Ihrer ganz individuellen Bedürfnisse ganz bewusst wahr und entwerfen dann einen Plan, wie Sie mit Ihren Bedürfnissen in Sachen Schwangerschaft und Geburt umgehen wollen.

Das ist der erste Schritt, sich von Ihren Ängsten zu lösen.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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