Braucht es einen Geburtsvorbereitungskurs?

Ganz grundsätzlich braucht man keinen Geburtsvorbereitungskurs, denn „raus kommen sie immer,” wie Hebammen gelegentlich sagen. Man geht in die Klinik und bekommt sein Kind – technisch gesehen ist das schon alles. Aber es gibt auch gute Gründe, die für einen Kurs sprechen.

Die Frage ist, ob Sie glauben (können), dass Sie Einfluss auf das Geburtserlebnis haben – unabhängig davon, ob es Ihre erste oder schon die vierte Geburt ist.

Wenn Sie davon ausgehen, dass Geburten sind, wie sie eben sind, stellt sich die Frage nach einem Geburtsvorbereitungskurs gar nicht. Aber wenn Sie gerne eine schöne Geburt erleben wollen und das Gefühl haben, dass dabei einiges von Ihnen selbst abhängt und Sie dabei gerne etwas Hilfe wollen, dann, ja dann sieht das wieder ganz anders aus.

Ausgangssituation

Trotz all unserer Wissenschaft und Technik, trotz Aufklärung, Geburtsvorbereitungskursen und Entspannungstechniken: Immer noch scheint die Geburt kein wirklich hinreißend schönes Erlebnis zu sein.

Andererseits: Lässt sich das so ganz allgemein sagen? Hat denn wirklich schon mal jemand überprüft, wieviele Geburten als superschön erlebt wurden und wieviele als eher nicht so schön?

Ganz oft lässt man sich von dem, was man hört, beeinflussen. Oft zum eigenen Nachteil. Ohne es zu merken, hört man dadurch auf, für sich selbst zu denken und zu handeln.

Im Bild zu sehen ist mein e-Book Träumen in der Schwangerschaft. Es ist eingeblendet, weil ich der Meinung bin, dass Träume sehr viel mehr sein können, als Zellaktivitäten im Gehirn und daher, das zeige ich auch in meinem Buch, dass Träume durchaus die Zukunft ankündigen. Nicht immer präzise, aber doch sehr gut im Trend.

Niemand kann Ihnen mit Bestimmtheit vorhersagen, ob Sie Ihren Einfluss auf das Geburtsgeschehen – wenn es denn drauf ankommt – wirklich geltend machen können oder nicht. Niemand kann in die Zukunft schauen … außer vielleicht Sie selbst: Durch Ihre Träume … (⇒).

Sie sollten in sich selbst hineinschauen und Ihre Gefühle betrachten. Das ist der einzig vernünftige Ausgangspunkt Ihrer Überlegungen in Bezug auf eine Geburtsvorbereitung.

Emotionale Erlebnisse – und an vorderster Stelle die Geburt – sind ganz persönliche und damit höchst individuelle Erfahrungen. Darüber hinaus hat jeder Mensch eine ganz eigene Physiognomie, ein total individuelles Schmerzempfinden und natürlich eine ganz eigene Art, mit sich selbst unter Stress umzugehen. Wie wollen Sie da die eine Geburt mit irgend einer anderen vergleichen? Und warum sollten Sie also irgendwelche Rückschlüsse auf die Geburt Ihres Kindes ziehen?

Darüber hinaus erfahren Gebärende zwischen der Austrittsphase des Babys und der Nachgeburt einen manchmal unfassbaren hormonellen Höhepunkt. Da wird vieles aus der Zeit davor verdrängt, wenn nicht sogar gelöscht. Und auch diese hormonellen Peaks fallen wiederum sehr individuell aus …

Es kann also durchaus sein, dass jemand keine wirklich schwierige Geburt hatte, sie im Nachhinein aber so sieht. Ebenso kann es sein, dass jemand eine wirklich schwierige Geburt hatte, es aber im Nachhinein ganz anders sieht, weil Hormone diese Erinnerungen und Erlebnisse weitgehend ausgelöscht haben.

Wie auch immer Sie es drehen und wenden: Es gibt keine vernünftigen Beschreibung einer Geburt, die sich auf Ihre Situation zu 100% übertragen lässt. Und das kann durchaus eine Chance sein, sich auf welche Weise auch immer auf die Geburt vorzubereiten – und wenn es nur darum geht, ein gutes Gefühl zu haben, wenn die Geburt los geht.

Kann man also überhaupt allgemeingültig sagen, ob es einen Geburtsvorbereitungskurs braucht?

Ich denke, ja, das kann man – wenn auch nur in Grenzen.

Schwangere bei der Schwangerschaftsgymnastik

Contra Geburtsvorbereitungskurs

Schwache Pädagogik

Eine gute Hebamme ist noch lange kein guter Lehrer, der bestimmte Ideen oder Inhalte so vermitteln kann, dass es bei den Kursteilnehmern klickt.

Noch schwieriger ist es, wenn die Motivlage der Kursteilnehmer unklar ist, denn nur die allerwenigsten Frauen legen in Deutschland eigenes Geld zu dem Krankankassenbeitrag dazu, um sich besser auf die Geburt vorzubereiten.

Viele Schwangere gehen heute entweder gar nicht mehr zur Geburtsvorbereitung oder nur deshalb, weil sie sonst ein schlechtes Gewissen hätten und weil sie für den Kurs kein eigenes Geld bezahlen müssen – weil die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

Ganz offensichtlich wird also ein solcher Kurs nicht als so geil angesehen, dass man da um jeden Preis dabei sein will. Scheint sich also herumgesprochen zu haben, dass der Kurs „nix bringt” … obwohl es vielleicht ganz anders ist.

Schlechtes Timing

Auch ein Punkt, der immer mal wieder übersehen wird: Wann ist eigentlich der ideale Zeitpunkt für einen Geburtsvorbereitungskurs? Wie lange vor der Geburt und zu welcher Uhrzeit des Tages?

Man kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause, macht sich frisch, geht dann noch zur Geburtsvorbereitung und hat nach einer viertel Stunde ziemliche Mühe, die Augen offen zu halten. Dann sehnt man sich nur noch nach der „Traumreise” am Ende der Stunde, um zu einer schrägen Musik aus einem Ghetto-Blaster einzuschlafen. Das ist entweder Langeweile pur oder ganz einfach der falsche Zeitpunkt.

Darüber hinaus hört man immer wieder, dass Gebärende schlicht vergessen haben, was man ihnen beim Kurs beigebracht hat – was sicher auch damit zusammenhängt, dass zwischen Kurs und Geburt zu viel Zeit vergangen war.

Schwaches Coaching

Wie schafft man es, einer werdenden Mama die Angst vor der Geburt zu nehmen und es dann auch noch so zu machen, dass diese Angst so weit wie möglich auch weg bleibt?

Motivationstrainings sind schon nicht ganz einfach, wenn man nicht wirklich ein Talent dafür hat. Motivation aber so aufzubauen, dass sie möglichst lange hält, wird ohne Begleitung über einen bestimmten Zeitraum kaum funktionieren. Und was anderes sollte eine gute Geburtsvorbereitung sein, als ein Motivationstraining mit dem Ziel, dass sich die Gebärend auf die Geburt freut?

Was glauben Sie: Sind Hebammen dafür ausgebildet?

Wenn man also diese Punkte betrachtet, scheint es einen Geburtsvorbereitungskurs wirklich nicht zu brauchen.

Pro Geburtsvorbereitungskurs

Prinzipiell muss man, glaube ich, schon unterscheiden zwischen einer Geburtsvorbereitung und einem Geburtsvorbereitungskurs. Aber es spricht vieles dafür, das eine mit dem anderen zu verknüpfen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, oder ankommen könnte, ist Hilfe von jemandem, der Ahnung hat, ganz sicher eine gute Idee, denn selbst wenn Sie am Ende einen weniger guten Kurs erwischt haben, haben Sie doch einen Schritt weiter gemacht.

Mindestens haben Sie dann schon mal Atemtechniken geübt und Gebärpositionen besprochen. Darüber hinaus haben Sie sich dabei auch mit Entspannungstechniken beschäftigt. Das ist ein Anfang! Und das ist viel mehr, als nichts!

Selbst wenn Sie sich total gelangweilt oder furchtbar über die Kursleitung geärgert haben, haben Sie einen Ausgangspunkt, der Sie weiterbringen kann. Auf die eine oder andere Weise haben Sie danach genügend Inspiration und Motivation, auf eigene Faust weiter zu gehen.

Geburtsvorbereitung auf einen Kurs zu reduzieren, halte ich für wenig sinnvoll. Sich auf die Geburt vorzubereiten ist etwas, das man Tag für Tag macht und sollte Teil Ihres Alltags sein.

Es gibt also durchaus Gründe für die Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs. Schauen Sie in Ihr Herz – und entscheiden Sie dann.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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