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Braucht es einen Geburtsvorbereitungskurs?

Foto einer Schwangeren beim Yoga (Bildquelle: Fotolia.de)

Wie wichtig ist ein Geburtsvorbereitungskurs? Braucht man einen?

Nein, ganz grundsätzlich braucht man keinen Geburtsvorbereitungskurs, denn „raus kommen sie immer,” wie Hebammen gelegentlich sagen … man geht in die Klinik und kriegt sein Kind. Das ist alles.

Die Frage ist halt, was Sie von sich selbst und von der Geburt erwarten – wie Sie also die Geburt erleben wollen. Dann allerdings kann Ihnen der richtige Kurs viel bringen – wenn er denn gut ist.

Es scheint doch ganz offensichtlich so zu sein, dass trotz all unserer Wissenschaft und Technik, trotz Aufklärung, Geburtsvorbereitungskursen und Entspannungstechniken, immer noch viele Frauen keine wirklich hinreißend schöne Geburten erleben.

Aber … ist das wirklich so?

Wer hat denn wirklich gezählt, wieviele Geburten so und wieviele eben anders erlebt wurden? Und wer hat gezählt, wieviele derer, die keine schöne Geburtserfahrung machen konnten, überhaupt im Geburtsvorbereitungskurs gewesen waren?

Das sind alles subjektive Wahrnehmungen und hängt hauptsächlich davon ab, was der Betrachter oder die Betrachterin tief im Inneren wirklich über Geburten denkt.

Das ist wie wenn man schwanger geworden ist: plötzlich sieht man viel häufiger Schwangere als vorher – und hat man tief in sich die Vorstellung verankert, Geburten sind sehr unangenehm, sieht man viel häufiger Geburtsberichte, die das zu bestätigen scheinen.

Kann denn ein Geburtsvorbereitungskurs wirklich einen Unterschied machen?

Ich glaube, ja, das kann er, wenn er denn gut ist!

Minuspunkte für den Geburtsvorbereitungskurs

Es ist leider immer wieder so, dass die KursleiterInnen den Stoff nicht gut ‘rüber bringen (können).

Man kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause, macht sich frisch, geht dann noch zur Geburtsvorbereitung und hat nach einer viertel Stunde ziemliche Mühe, die Augen offen zu halten. Dann sehnt man sich nur noch nach der Traumreise am Ende der Stunde, um zu einer schrägen Musik aus einem Ghetto-Blaster einzuschlafen. Das ist Langeweile pur – und es ist sehr wahrscheinlich, dass eine solche Vorbereitung wirklich nicht allzu viel bringt.

Natürlich sind nicht alle Kurse so – natürlich nicht! Aber weiß man das vorher? Ist es da ein Wunder, wenn auf Partys oder wo auch immer das Thema Geburtsvorbereitung kommt, es immer wieder heißt:

„So einen Hechelkurs? Den brauchste doch ned!”

Allerdings, das sollte man auch noch sagen, kann nach der Geburt niemand wirklich und definitiv feststellen, ob der Geburtsvorbereitungskurs tatstächlich etwas oder tatsächlich nichts gebracht hat. Was immer man hinterher glaubt, sind subjektive Meinungen. Niemand kann beweisen, dass die Geburt wirklich anders verlaufen wäre, wenn …

Schwangere bei der Schwangerschaftsgymnastik

Pluspunkte für einen Geburtsvorbereitungskurs

Und dennoch bin ich persönlich davon überzeugt, dass ein wirklich guter Geburtsvorbereitungskurs doch etwas bringen kann. Ja, ich würde sogar sagen, dass selbst ein schlechter Geburtsvorbereitungskurs besser ist, als keiner.

Ja, das ist auch eine subjektive Wahrnehmung – aber es ist eben meine Meinung.

Die Frage, um die es eigentlich geht, ist folgende:

Was ist Ihr Ziel?

Haben Sie denn Ziele in Bezug auf die Geburt? Gibt es etwas, was Ihnen wichtig wäre?

Wenn Sie glauben, dass Geburten sind, wie sie eben sind und alles, was man tun kann, ist, sie über sich ergehen zu lassen, müssen wir hier nicht weiter argumentieren.

Aber wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie die Geburt wenigstens mitgestalten können, dann sieht das schon anders aus, denn jetzt haben Sie eine bestimmte Erwartung an eben die Geburtsvorbereitung.

Nur mal angenommen, Sie sagen sich, dass die Geburt nicht so entsetzlich lange dauern soll und sich darüber hinaus auch fragen, ob es nicht auch mit ein bissel weniger Schmerz geht, dann haben Sie doch einen Ausgangspunkt für den Geburtsvorbereitungskurs. Dann wissen Sie, was er Ihnen bringen soll.

Schwangere bei der Schwangerschaftsgymnastik im Wasser

Auf was es bei der Geburt ankommt

Es gibt im Grunde drei wesentliche Faktoren, die das Geburtserlebnis bestimmen:

  1. die Umstände, in denen die Geburt stattfindet,
  2. Ihr körperlicher Zustand und
  3. Ihre Fähigkeit, das was geschieht, anzunehmen und zu verarbeiten.

Auf die äußeren Umstände, in denen Sie Ihr Kind bekommen, haben Sie keinen Einfluss. Wenn die Wehen einsetzen und gleichzeitig ein Erdbeben Ihre Umgebung erschüttert oder wenn mitten in den Wehen die Hebamme einen Herzinfarkt bekommt und für einen Moment lang Tumult im Kreißsaal herrscht, dann ist das eben so – das können Sie nicht beeinflussen.

Aber was Ihren Körper anbelangt und was Ihre emotionale und mentale Belastbarkeit anbelangt, darauf haben Sie sogar einen ganz erheblichen Einfluss.

Körperliche und seelische Faktoren bei der Geburt

Dr. Grantly Dick-Read, der Urvater der Geburtsvorbereitung, war zu der Erkenntnis gekommen,

[…] dass Angst und Unwissenheit die schlimmsten Feinde der natürlichen Entbindung sind. Frauen dürften nicht als passives Opfer in ein ihr unbekanntes Geschehen hineinstolpern sondern sollten in allen Phasen der Geburt zu aktiver Mitarbeit herangezogen werden.

Nach seiner Auffassung ist die Geburt nicht Schmerz sondern Arbeit (Anm.: Im Englischen liegt frau nicht in den Wehen, sondern ist bei der Arbeit).

Frauen sollten also ihre Arbeit kennen, die Absichten der Natur verstehen und nutzen, denn bei einer normalen Geburt beeinflusst nicht der Wehenschmerz den Gemütszustand der Frau, sondern umgekehrt sei es der Gemütszustand, der erst den Schmerz auslöse.

Wikipedia.de

Wenn Ihnen der Geburtsvorbereitungskurs das vermitteln kann, was bei der Geburt Ihre Arbeit ist und Sie sich, umgekehrt, auch darauf einstellen, dann bringt Ihnen ein Geburtsvorbereitungskurs auf jeden Fall etwas – selbst dann, wenn die Kursleitung nicht wirklich optimal ist.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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