Wunschgeburt oder Wunschdenken?

Für so manche Frau ist die Schwangerschaft eine seltsame Zeit. Irgendwie aufregend. Und zumindest beim ersten Kind auch immer wieder irritierend. Vielleicht weil man nicht wirklich wissen kann, was auf einen zukommt.

Aber vielleicht auch, weil frau einen stärkeren Zugang zu ihrer inneren Welt hat, denn durch das Baby erlebt die Intuition der Frau eine Renaissance und plötzlich sieht man das Leben aus einem ganz neuen Blickwinkel.

So gesehen bietet die Schwangerschaft vielen Frauen eine Chance, sich ganz neu zu erfinden.

Und doch verschwindet die Welt nicht, in der frau lebt.

Verpflichtungen bleiben Verpflichtungen. Rechnungen müssen bezahlt und Geld muss verdient werden, Termine müssen eingehalten werden … alles das bleibt. Dazu kommen Ausgaben für Windeln und Babynahrung … mit Kind wird es also nicht unbedingt einfacher!

Machen Kinder unglücklich?

Oder anders gefragt: Sieht man die Zukunft während der Schwangerschaft zu rosarot?

Viele werdende Eltern können sich noch in der Schwangerschaft mit dem ersten Kind gut vorstellen, gleich danach ans zweite zu gehen. Das ändert sich allerdings schnell, wenn das erste dann mal tatsächlich auf der Welt ist und die rosarote Brille gegen die Realität ausgetauscht wurde.

Livia Görner, Hebamme in Hamburg sagte in einem Interview mit der FAZ

„Das Hochjubeln des Stillens, die Frage nach der absoluten Wunschgeburt und dem schönsten Kreißsaal sind Diskurse, die nichts mit der Lebenswirklichkeit zu tun haben.“

Livia Görner, Hebamme

Eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung in Rostock ergab, dass rund 2000 in Deutschland befragte, frisch gebackene Eltern ihre Zufriedenheit mit ihrem Leben in den ersten zwei Jahren nach der Erstgeburt um 1,4 Punkte schlechter bewerten als im Vergleich zur kinderlosen Zeit.

Dafür wurden hauptsächlich 3 Gründe genannt:

  1. gesundheitliche Komplikationen bei den Müttern,
  2. sehr schmerzhafte Geburtserlebnisse,
  3. und hauptsächlich Stress während der ersten Monate der Elternschaft:
    • Schlafentzug,
    • Beziehungsprobleme und
    • häusliche Vereinsamung!

Stress nach der Geburt?

Foto einer Schwangeren mit Kind auf dem Arm und zwischen Schulter und Ohr eingeklemmtem Telefon beim kochen.

Zunächst mal hängt vieles davon ab, wie die frisch gebackene Mama aus der Geburt und danach aus dem Wochenbett kommt: Frisch und unternehmungslustig, oder erschöpft und gefühlsmäßig überfordert … oder irgendwo dazwischen.

Die Hormonumstellung wird ebenfalls Energien rauben und dann, natürlich, die Anpassung an das neue Leben:

  • den Rhythmus des Babys,
  • stillen,
  • viele Nächte lang nicht mehr durchschlafen,
  • schmutzige Windeln und
  • ein Partner, der morgens zur Arbeit geht und abends nicht nach Hause kommt, um Sie abzulösen, sondern erst mal seine Ruhe haben will nach dem Motto: Du warst doch den ganzen Tag zu Hause, aber ich war arbeiten …
  • und so manches andere mehr;

Dazu kommen natürlich Fragen nach der Zukunft:

  • Schnell wieder in den Beruf? Und ab wann?
  • Halbtags oder Ganztagjob?
  • Gibt es freie KiTa-Plätze … und wenn ja, wo? Und ab wann?
  • Und was, wenn nicht?

Da kommt schnell den Frauen die Frage in den Sinn: Was ist jetzt eigentlich mit mir? Bin ich jetzt Haus- und Putzfrau? Hab ich dafür ein Kind bekommen?

Sie werden Ihr Kind lieben wie verrückt, das ist klar, aber wenn Sie nicht aufpassen, rutschen Sie da sehr schnell in eine Opferrolle

… und niemand wird darauf Rücksicht nehmen!

Schwangere betrachten heute die Arbeit einer Hausfrau viel eher als eine Durchgangszeit , denn eine Lebensaufgabe.

Ihr größter Gegner dabei ist der Alltag. Die Tretmühle, die sie gefangen nehmen wird. Der entscheidende Punkt für Sie ist, dass Sie dann, wenn das Kind erst mal da ist, kaum Zeit oder Energie haben werden, diese Tretmühle zu verlassen – und das ist gar nicht gut!

Mittlerweile werden mehr als zwei Drittel der Ehen in Großstadtgebieten geschieden und ich glaube, das Verlorengehen in der Tretmühle des Mutter- und Hausfrauseins ist mit einer der Hauptgründe dafür.

Jetzt, in der Schwangerschaft, haben Sie die Gelegenheit – vielleicht die letzte für eine lange Zeit – die Weichen neu zu stellen. Sie sollten Sie nutzen!

Die Frage nach der Wunschgeburt …

… sollte meiner Meinung nach vor allem anderen die Frage danach sein, in welche Welt Sie hineingeboren werden wollen – und zwar als welche Art von Mama und als welche Art von Frau!

Fragen Sie sich doch einfach, wieviel Sie Ihrem Baby (noch) zu geben haben, wenn Sie müde und abgekämpft sind und zunehmend an Ihrem Leben hadern? Und fragen Sie sich, wieviel Kraft und Energie Sie für sich selbst (noch) übrig haben, um Ihr Leben und Ihre Talente zu entfalten.

Glauben Sie mir, diese Fragen können Sie gar nicht überschätzen!

Es geht dabei aber nicht darum, Ihre Bedürfnisse gegen die Ihres Babys und die Ihrer Familie auszuspielen! Es geht darum, wie Sie sich selbst entfalten können und dabei alles andere gleich mit. So gut es eben geht.

Ganz prinzipiell geht es aber um die Frage, wie Sie sich auf Ihre Geburt vorbereiten und gleichzeitig auf die Geburt Ihres Babys!

Es ist möglich, sowohl eine schöne Geburt zu haben als auch nach der Geburt die Tür zu einem völlig neuen und schöneren, besseren Leben aufzuschlagen – aber Sie müssen jetzt die Initiative ergreifen.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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