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En passant

Kinderbild einer Kuh

Am häufigsten wird der Begriff „en passant” (beiläufig, im Vorbeigehen) wohl im Schach gebraucht, er trifft aber den Kern meines heutigen Beitrags punktgenau: Wachträume!

Wussten Sie, dass es im Arabischen kein Verb für träumen gibt? Dort heißt es, dass einem ein Traum zufällt. Genau so verhält es sich mit Wachträumen auch: Sie fallen einem zu während man wach ist (also nicht während des Schlafs) und erhellen, im Vorbeigehen gewissermaßen, ganz plötzlich einen anderen Zusammenhang.

Eine Bekannte von mir hatte zu Hause einen Schwangerschaftstest gemacht und während sie das Ergebnis abwartete, fing sie schon mal damit an, einen Kuchenteig zu machen. Sie stellte eine Schüssel für die Eier hin, klopfte eines auf – und staunte nicht schlecht, als statt einem, zwei Eigelbe heraus purzelten. Sie sah die beiden Eigelbe – und sofort wusste sie ohne jeden Zweifel, wie der Schwangerschaftstest ausfallen würde: Positiv!

Meine Schwägerin saß als Letzte beim Arzt im Wartezimmer als ihr plötzlich bewusst wurde, dass sowohl auf dem leeren Stuhl links, als auch rechts von ihr, Zeitschriften lagen, die mit Schwangerschaften zu tun hatte. Auf dem Titelbild der einen Zeitschrift war das Foto einer Prominenten und in großen Buchstaben daneben die Frage, ob sie wohl schwanger sei. Auf dem anderen Stuhl lag die Zeitschrift „Eltern”, dessen Titelbild einen schwangeren Bauch zeigte. Dann wurde ihr bewusst, dass sie – ganz in Gedanken – selbst ein Elternheft in der Hand hatte … und plötzlich durchfuhr sie wie ein heißer Blitz (ihre Formulierung) der Gedanke: „ich bin schwanger!” Was dann auch so war.

Wachträume sind gar nicht so selten – vielleicht übersieht man sie deshalb so leicht (wieder ein Grund mehr, immer eine Möglichkeit zu haben, Notizen festzuhalten – egal wie 🙂

Einer der wirklich wundersamen Aspekte von Wachträumen ist, dass sie sich bestellen lassen. Ähnlich wie man im Bereich Hypnose/Hypnobirthing Anker setzen kann, also Auslösemechanismen für ein bestimmtes Verhalten, lassen sich Symbole nutzen, um Ihnen einen Hinweis zu geben: Sie vereinbaren mit sich selbst das Auftauchen eines bestimmten Symbols, meinetwegen eine karierte Kuh, wenn Sie beunruhigt sind, aber alles in Ordnung ist.

Das genau hatte eine der Frauen gemacht, die ich vor ein oder zwei Jahren interviewt habe. Als bei ihr die Wehen eingesetzt hatten, machte Sie sich auf den Weg in die Klinik und kaum, dass sie im Auto saß, überkam Sie ein Gefühl von Panik. In der Klinik angekommen, meldete sie sich an und bemerkte, wie dieses unbestimmte Gefühl der Angst in ihr immer größer wurde. Schließlich bat Sie die Sekretärin um ein Glas Wasser – und während die das Wasser holen ging, fiel der Blick der Schwangeren auf eine Zeitschrift, die aufgeklappt auf dem Schreibtisch vor ihr lag (wenn auch aus ihrer Sicht auf dem Kopf stehend). Auf der einen Seite dieser Zeitschrift waren Fotos von Zierfliesen fürs Bad abgebildet – eine mit einer karierten Kuh drauf 🙂

Alles verlief ganz ohne Probleme – nicht immer sind die Gefühle, die man hat, die eigenen. Auch die Kleinen, die sich auf den Weg in diese Welt machen, haben manchmal Angst. Gut, wenn man eine Möglichkeit hat, das eine vom anderen zu unterscheiden.

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