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Sturzgeburten?

Neugeborenes und seine Mutter © namamax - Fotolia.com

Zwei Begriffe, die man sich vielleicht merken sollte, wenn es um die Dauer von Geburtsentwicklungen geht:

Der erste Begriff, Sturzgeburt, ist eigentlich ein Begriff aus der Juristerei und ziemlich wörtlich zu verstehen. Beispiel: Ein Baby kam zur Welt und stürzte dabei so aus dem Geburtskanal, dass es sich verletzte (oder schlimmer).

Die Frage, um die es den Juristen hinterher geht – natürlich – ist die Frage nach der Verantwortlichkeit: Hätte man diese Verletzungen vermeiden können und wäre das, was dazu notwendig gewesen wäre, den verantwortlichen Personen zumutbar gewesen, oder, schlimmer, ist das nur deshalb passiert, weil die verantwortlichen Personen pflichtwidrig (nicht) gehandelt haben.

Nehmen wir an, eine Schwangere hat sich in die Klinik begeben, um dort ihr Kind zu bekommen. Sie muss zur Toilette. Dort kommt es zur Sturzgeburt. Das Kind stürzt dabei in die Toilette und verletzt sich. Hätte man das verhindern können und wenn ja, wie? Das ist die Frage, die sich dann hinterher die Juristen stellen.

Der zweite Begriff bezeichnet, was mich eigentlich viel mehr interessiert: Die überstürzte Geburt. Wikipedia definiert das so:

eine zeitliche Abweichung vom normalen Geburtsverlauf, also eine besonders schnell (< 2 Stunden) verlaufende, ansonsten aber normale Geburt[…]

Setzen Sie sich das mal kurz im Kopf zusammen: Die durchschnittliche Geburtsentwicklung bei der ersten Niederkunft dauert etwa dreizehn Stunden, eine überstürzte Geburt weniger als zwei …

Ja, in Verbindung mit überstürzten Geburten kommt es oft zu Verletzungen wie beispielsweise dem Abriss der Nabelschnur oder es kommt zu größeren Rissen im Scheidenbereich, der für die Passage noch nicht elastisch genug war. Auch kommt es nach überstürzten Geburten immer wieder zu psychischen Problemen.

Aber das ist ja auch, was der Begriff von Haus aus erzählt: Stürzen stammt von steif – also unelastisch sein. Überstürzt meint folglich viel zu steif (zum Beispiel für die Geburt) zu sein.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine überstürzte Geburt im gerade genannten Sinne die Folge eines Abstimmungsproblems zwischen der sehr schnellen Kommunikation des Nervensystems und dem deutlich langsamer verlaufenden und wirkenden Hormon-Kommunikationssystem ist – und das hat weniger mit der Geburt selbst zu tun, sondern mit dem inneren Zustand der Gebärenden, denn keineswegs alle überstürzten Geburten haben gesundheitliche oder psychische Folgen …

Wichtig ist, festzustellen, dass es keine wirkliche Notwendigkeit für sich stundenlang hinziehende Geburtsentwicklungen gibt. Ich werde nicht müde werden, immer wieder auf genau diesen Punkt hinzuweisen …

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