Palastrevolution

Fortsetzung von Seite 3

Die Angst ist im Spiel

Natürlich ist es nicht so, dass Ihr Neokortex in aller Ruhe und mit großem Abstand die eigene Erlebnis- und Wissensdatenbanken durchsucht. Die einkommenden Nachrichten von außen in Verbindung mit der Färbung dieser Nachrichten, die das limbische System verursacht hat, setzt einen Kontext und Kontext verändert alles!

Stellen Sie sich vor, sie sitzen im Kino und auf der Leinwand zielt ein Mann mit einer Pistole in Ihre Richtung.

Stellen Sie sich jetzt das gleiche noch einmal vor: Wieder zielt ein Mann mit einer Pistole in Ihre Richtung – nur dass Sie jetzt nicht im Kino sondern in Ihrem Auto sitzen …

Beziehen Sie das auf die Geburtsentwicklung: Die erste Wehe ist gerade durch, Ihr System war für einen Moment in hellem Aufruhr, ist aber wieder ‚runtergefahren – bis auf einen kleinen Rest von Beunruhigung. Angst hat sich für einen Moment lang wie ein Schatten über Sie ausgebreitet. Ihr Neokortex hat erst mal Stop! gerufen und durchsucht jetzt Ihre inneren Datenbanken. Dabei stößt er in Ihren Erinnerungen auf eine Filmszene, die Sie irgendwann mal gesehen haben: Eine Frau, die ganz entsetzlich schrie, als Sie ihr Baby bekam. Als Sie damals dieses Szene gesehen hatten, hatten Sie gelacht und das als völlig unsinnig abgetan. Ist es ja auch, aber: Wird Ihr Neokortex diese Szene jetzt, im Schatten dieser Angst, immer noch als harmlosen Quatsch werten?!

Angst verzerrt alle Informationen! Selbst manches was vorher noch eher beruhigend wirkte, wird plötzlich zu einem Problem.

Wie weiter oben schon erwähnt, wenn Sie Ihr zweites Kind erwarten, wird der Neokortex einkommende Informationen und Erinnerungen anders bewerten und entscheiden, und der Geburtsentwicklung eher ihren Lauf lassen. Laut Wikipedia dauert die durchschnittliche Geburt beim ersten Kind etwa 13 Stunden, bei Folgekindern nur etwa 8 Stunden – und das bedeutet:

Im Schnitt fünf Stunden! Soviel macht alleine die Angst vor dem Unbekannten aus: Fünf Stunden verlängerte Geburtsentwicklung, fünf Stunden länger Wehen, fünf Stunden mehr Erschöpfung und Stress für Sie und Ihr Baby …

Und noch mehr Probleme

Es gibt noch ein paar weitere generelle Problemkandidaten, die alle einen Beitrag leisten, die natürliche Geburtsentwicklung aufzuhalten.

Die Klinik

Auch die Klinik macht auf Ihren Neokortex Eindruck. Sie wird Ihnen einerseits das Gefühl vermitteln, in Sicherheit zu sein – aber Sie fühlen gleichzeitig die Abhängigkeit vom dortigen Personal, dem Sie sich ausliefern müssen. Die geballte Kompetenz und der Einsatz von Medizintechnik wird Ihnen Vertrauen entlocken, aber Ihnen das Gefühl geben, es braucht diese Technik, weil „oft” etwas schief geht … Ihr Neokortex fährt rauf und runter, rauf und runter, rauf und runter …

Epigenetik

Worüber wir noch gar nicht gesprochen haben, ist ebenfalls ein Problem, das nicht so einfach zu handhaben ist: Epigenetik! Zellen haben ein Gedächtnis und stellen so ebenfalls einen Teil Ihrer inneren Wissensdatenbanken dar. Wenn Sie die Gene Ihrer Mutter geerbt haben, sind hier deren Erinnerungen an die Geburt(en) gespeichert … Was also müssen Sie tun, um Ihr eigenes Geburtserlebnis zu haben und nicht das Ihrer Mutter oder Großmutter zu wiederholen?

Das könnte ich jetzt noch eine Weile fortsetzen, aber ich denke, es ist klar geworden, was alles die Geburt verzögert, verkompliziert, und Ihnen ein wunderbares Geburtserlebnis vermiesen kann.

Die Palastrevolution innerhalb Ihres Körpersystems ist nichts anderes, als dass die einzelnen Teile nicht mehr miteinander arbeiten, sondern gegeneinander: Die perfekte Voraussetzung für eine sich lang hinziehende, problematische Geburtsentwicklung!

Wer ist also der König? Sie oder Ihr Gehirn? Lesen Sie weiter auf Seite 5. Dort finden Sie auch ein Video mit Michel Odin zum Thema Liebeshormon-Cocktail bei der Geburt

2 comments add yours

  1. Nachdem ich Ihre Seite jetzt schon seit einer Weile mit Interesse lese (bei uns ist nämlich bald soweit), kann ich nach diesen 5 Seiten nur sagen, schwere Kost. Ich werde mir Ihre Kommentare jedenfalls zu Herzen nehmen, und freue mich schon sehr darauf, wie König oder Diener weiter geht – auch wenn ich nicht mehr als eine Artikelseite am Stück lesen kann….

    Weiter so!

  2. Hi Tina,

    danke für den Kommentar 🙂 … Hej, das ist ja schon bald soweit! Ich halte ganz fest die Daumen, dass es ein ganz wundervolles Geburtserlebnis werden wird!

    Da hab ich jetzt fast ein schlechtes Gewissen – dass ich so schwere Kost eingestellt habe. Gedacht waren, bzw. sind diese Teile für einen Videovortrag, aber da ich mir ohnehin ein Konzept machen musste, schien es mir die einfachste Sache zu sein, die Teile als Text vorab ins Blog zu stellen. Ich denke, Ende der Woche sollte der Beitrag fertig sein, dann stelle ich ihn hier ins Netz. Ich glaube, wenn man sich das anhört, ist es einfacher 🙂

    Nächste Woche werde ich wieder eine Serie starten, dann geht es um die Frage, wie es ist, wenn man König ist … 🙂

    Ganz herzlichen Dank für Ihr Interesse! Ich hoffe, es bringt was 🙂

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