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König oder Diener?

Schwangere ganz entspannt // pregnant mom to be © Violetstar - Fotolia.com

Hat man also erst mal Selbstvertrauen gelernt, ist es wohl schon einfacher, den Körper los- und machen zu lassen. Aber – mal ganz konkret: Wie lässt man den Körper los? Wie gibt man sich der Geburt hin?

Die Idee meines Artikels Sein oder tun war, auf etwas Offensichtliches hinzuweisen, das, gerade weil es so offensichtlich ist, gerne übersehen wird. Übersehen u.a. weil beides prinzipiell das gleiche ist, und doch die sich ergebenden Wirkungen absolut verschieden ausfallen!

Konkret: Sie sind schwanger und bekommen ein Baby. Der Unterschied zwischen Sein und Tun liegt in der Frage, ob Sie es sind, die das Kind zur Welt bringt, oder ihr Körper (zusammen mit dem Baby). Das ist eine zutiefst spirituelle Frage, denn sie meint nichts anderes als:

Sind Sie ein Körper oder haben Sie einen?

Die Folge? Wenn Sie der Körper sind, unterwerfen Sie sich dem Regiment Ihres Gehirns, dann ist das Gehirn der König. Wenn Sie aber einen Körper haben, ist dessen Gehirn Ihr Diener … und je nach dem, wofür Sie sich entscheiden, führt entweder der Neocortex das Zepter oder das limbische System – und je nachdem fallen sowohl Geburtsentwicklung als auch Geburtserlebnis ganz anders aus.

Die Geburt selbst, der rein körperliche Teil jedenfalls, hat aber weder mit dem einen noch dem anderen Hirnteil zu tun, sondern könnte (so man ihn denn ließe) mit dem ältesten der drei Hirnteile vorzüglich bewerkstelligt werden: Dem Stammhirn.

Stammhirn und Geburtsentwicklung

Auf der untersten Ebene besitzt der Körper eine ihm eigene Intelligenz, die ihn erhält und bewegt, alles miteinander koordiniert und in jedem Augenblick genau weiß, was wo in ihm vorgeht. Das Aktionszentrum dieser Intelligenz liegt weitgehend im Stammhirn (das ist zwar nicht hunderprozentig korrekt, aber genau genug).

Auf die Geburt bezogen kann man sagen:

Der Körper weiß genau, was wann und wie zu tun ist, um das Baby sanft und zügig nach draußen zu bekommen.

Michel Odin nennt das den Fötus-Ausstoß-Reflex.

Sanft und zügig

Entscheidend für den Körper (und nicht nur für den) sind die beiden Aspekte sanft und zügig.

Überlegen Sie: Die Fähigkeit zur Selbst-Koordination der Zellen ist für Lebewesen entstanden, die in einer Welt leben, in der eigentlich jedes auf dem Speisenplan eines anderen steht und in jedem Augenblick gefressen werden könnte … Glauben Sie, dass für solche Lebewesen eine sich lang hinziehende Geburt sinnvoll ist? Eben …

Jede einzelne Zelle bringt von Haus aus die Fähigkeit mit, sich mit anderen Zellen zu verständigen und abzustimmen – zum einen direkt mit der unmittelbaren Zellnachbarschaft, zum anderen indirekt mit allen anderen Zellen des ganzen Körpers über das Stammhirn … und zwar in Hochgeschwindigkeit!

Daher weiß der Körper genau, wie und in welcher Geschwindigkeit er den Muttermund öffnen muss, ohne ihn zu beschädigen. Er weiß, wie und in welcher Haltung er die Hüften bewegen, oder beispielsweise den Oberkörper nach vorn beugen oder wieder aufrichten muss, um das Baby ohne Schaden aber zügig durchs Becken gleiten zu lassen. Er weiß, wann es Zeit für eine Pause ist, um den Gesamtzustand des Körpers wieder aufzulockern und einzelne Bereiche mit frischer Energie zu versorgen. Er weiß, ob jetzt eine gute Gelegenheit wäre, ins Wasser zu gehen oder am Seil zu ziehen, das von der Decke des Geburtszimmers herunter baumelt. Er weiß es einfach, weil im Grunde jede einzelne Zelle weiß, wie es jeder anderen Zelle in diesem Augenblick geht!

Wenn man also sagt, der weibliche Körper sei bestens für eine Geburt geschaffen, dann meint es genau das: Lass das Stammhirn machen und alles ist gut!

Aber wie lässt man denn nun den Körper los und machen? Was ist denn das Problem?

Na ja, das Stammhirn hat zwei Chefs: Das limbische System und den Präfrontalen Cortex … aber davon mehr beim nächsten Mal 🙂




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