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Es geht auch sanft!

Schwangeres Bäuchlein (Bildquelle: Fotolia.de)

Ganz unbeabsichtigt hatte ich einen Tag nach meinem Facebook-Posting (siehe gestern ->) mit Urs Camenzind ein längeres Telefonat, in dem wir über die Reaktionen auf die Frage diskutierten, ob denn eine Geburt interventions- und schmerzfrei verlaufen könne. Urs betreibt mit seiner Frau Heidi in der Schweiz Geburtsvorbereitung (für Paare). Er hat ein spezielles Verfahren aus dem ursprünglichen Hypnobirthing abgeleitet, das er Sanfte Geburt® nennt und hat sich diese Marke europaweit hat schützen lassen.

Urs sagte mir:

„Weißt du, ich hab das jetzt langsam satt, diese sture Behauptung, eine Geburt müsse weh tun […] Zwischenzeitlich haben wir über 1300 Paare entsprechend auf die Geburt vorbereitet und erhalten über 90% positive Rückmeldung.”

Es gibt eine Reihe von Ideen über die Notwendigkeit des Wehenschmerzes. Eine davon lautet, der Wehenschmerz sei als Startsignal für die Ausschüttung einer Kaskade von Geburtshormonen notwendig, die ihrerseits bei ungestörter Geburtsentwicklung dazu führten, dass die Frau ein wunderbares Geburtserlebnis haben wird. Das würde aber bedeuten, dass ein Ausbleiben dieses ersten Wehenschmerzes zu einem Ausbleiben dieser Hormonkaskade führen würde. Dem ist aber nicht so! Die Steuerungsmechanismen des menschlichen Körpers sind viel zu komplex, als dass sie von diesem einen Signal abhängen würden.

Tatsächlich ist es so, dass die neuronalen Netzwerke ein Feuerwerk an Signalen ans Gehirn schicken, wenn sich beispielsweise der Muttermund zu weiten beginnt, um das Baby langsam aber sicher raus zu lassen, aber erst im Gehirn werden aus diesen Signalen Programme – und eines dieser Programme heißt Schmerz und nur wenn dieses Programm gestartet wird, ist es einer – nicht weil es sich um einen Schmerz handelt, sondern weil das Programm startet!

Das Starten dieses Programmes ist zum einen abhängig von der persönlichen Veranlagung des jeweiligen Menschen, zum anderen lässt sich das beeinflussen. Das Programm ließe sich auch rein über entsprechende Imagination starten, obwohl tatsächlich gar nichts passiert – und, umgekehrt, lässt sich mit den gleichen Mitteln ein Start verhindern. Gestern schon hatte ich ja erzählt, dass es dem Gehirn gleichgültig ist, ob es sich um einen tatsächlich vorhandenen oder einen eingebildeteten Schmerz handelt …

Wenn man einmal von persönlichen Pathologien absieht, ist das größte Problem bei jeder Geburt, die Imagination!

Und wie eigentlich immer, ist das größte Problem gleichzeitig auch der größte Segen … aber darüber reden wir morgen 😉

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