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Sanftes Gleiten

Grafik eines Embryos in der Fruchtblase (Bildquelle: Fotolia.de)

Eine Schwangerschaft ist etwas außerordentlich Erstaunliches, denn prinzipiell sind Embryonalzellen für den Mutterkörper fremde Eindringlinge, da sie ja auch Gene des Vaters, und damit also Körperfremdes in sich tragen. Erst seit einigen Jahren weiß man, dass es vor allem das vom Embryo reichlich gebildete Antigen HLA-G ist, dass die Tötung und Abstoßung der Embryonalzellen verhindert, so dass aus dem anfangs winzigen Zellhäufchen ein richtiges Baby werden kann.

Aber auch Hormone, hier vor allem Progesteron, sorgen für einen etwa 9-monatigen Frieden, in dem sie das Flüstern der Engel an die Zellen der Mutter weiterleiten, erst mal abzuwarten und zu sehen, ob es nicht doch etwas Wunderbares ist, was sich da in der Gebärmutter eingenistet hat.

Richtig dramatisch wird es dann bei der Geburt, denn, Hormone hin, Antigene her: Irgendwann muss das Baby nach draußen, sonst überlebt keiner: Weder Mutter noch Baby!

Was genau die erste Wehe auslöst, weiß man nicht, wohl aber dass es die Plazenta ist, die den Startschuß gibt, in dem sie den ACTH-Wert nach oben treibt … und das ist eine außerordentlich interessante Entwicklung, denn zum einen fällt dadurch die Maske, hinter der sich der Fötus so lange verstecken und glauben machen konnte: „Alles in Ordnung, kein Fremdkörper an Bord.”

Es ist absolut in Ordnung, die Geburt als eine natürliche Abstoßungsreaktion des Mutterkörpers zu verstehen …

Die Fähigkeiten, sich selbst miteinander koordinierenden und organisierenden Zellen sind geradezu unglaublich. Vielleicht haben Sie sich schon einmal einen kleinen Spreißel in die Hand gerammt und konnten ihn nicht herausziehen. In aller Regel organisiert das der Körper dann von selbst und schiebt ihn Stück für Stück wieder raus. Selbst von Kindern verschluckte Glas- oder scharfkantige Keramiksplitter wandern, wenn sie während der Passage von Mund in die Speiseröhre, am Knick, keinen Schaden angerichtet haben, regelmäßig durch Magen und Darm wieder nach draußen, ohne dass etwas passiert. Der Körper kann das! Man muss es ihm nicht beibringen!

Und genau so – elegant und harmonisch wie bei einem Tanz – kann der Körper der Mutter das Baby sanft nach draußen gleiten lassen … wenn man ihn lässt!

Nun ist zwar ein ausgereiftes Baby kein Spreißel in der Hand, klar, aber ganz prinzipiell funktioniert eine Geburt genau so – allerdings und zugegeben mit Hilfe einer ausgeklügelten körpereigenen Vorbereitung.

Schon während der Schwangerschaft haben Estrogen und Progesteron, um nur mal zwei zu nennen, ganze Arbeit geleistet. Das Gewebe ist bis zur Geburt weicher und nachgiebiger geworden, die Sehnen flexibler, selbst die Knochen sind biegsamer geworden. Es ist also alles für die Geburt vorbereitet … oder sagen wir: Fast alles!

Keine zwei Körper sind identisch und folglich sind weder zwei Föten, noch zwei Mütter gleich. Das alleine schon macht eine Geburt zu einem höchst individuellen Ereignis. Was also noch für eine perfekte Geburt fehlt, ist die Notwendigkeit, den Körper der Mutter der Geburtsentwicklung folgen zu lassen … auf seine absolut einzigartige Weise. Niemand weiß vorher, wie diese Bewegungen sein werden, denn das entscheidet sich im jeweiligen Moment und von Augenblick zu Augenblick! Und das ist ein echtes Problem!

… aber darüber reden wir morgen … 🙂

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