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Eigene Regeln

Schwangere im Klinikbett und Blick aufs CT (Bildquelle: Fotolia.de)

Ist schon lange her als es an unserer Tür klingelte und drei nette alte Damen mich fragten, ob ich an einem Gespräch über Gott interessiert wäre. Ich antwortete mit ja – was die Damen sichtlich erschreckte. Ich glaube, sie hatten mit etwas anderem gerechnet. Wie auch immer, sie nahmen meine Telefonnummer auf und ein paar Tage später rief jemand an, um einen Termin mit mir auszumachen.

Ein junger Mann samt seiner Frau, beide Zeugen Jehovas, kamen mich schließlich besuchen. Wir setzten uns ins Wohnzimmer, ich stellte Kaffee auf den Tisch, schaute die beiden an und sagte: „Jetzt zu den Spielregeln.”

Auf ihr Stirnrunzeln hin sagte ich: „Schau’n Sie, ich bin sicher, dass Sie die Bibel auswendig kennen und ich dagegen fast nichts von ihr weiß. Können wir uns darauf verständigen, dass wir das Thema Bibel weglassen und tatsächlich über Gott sprechen? Einfach was Sie denken und ich? Ginge das?” Wir hatten ein wunderbares Gespräch!

Wenn Sie zum Entbinden in die Klinik gehen, unterwerfen Sie sich bei der Aufnahme mit der Unterschrift unter den Behandlungsvertrag den Spielregeln dieser Klinik. Das ist nun mal so. Aber es bedeutet nicht, dass Sie sich selbst aufgeben und keinerlei Verantwortung mehr für sich haben. Ganz im Gegenteil! Spielen Sie Ihr eigenes Spiel und nehmen Sie Einfluss auf die Regeln. Oft geht es nur darum, wie man etwas sagt, um zu bekommen, was man will …

Wenn Sie z.B. keinen Wehentropf wollen und man Sie an einen anhängen möchte, könnten Sie sagen: „Im Augenblick fühle ich mich ganz wohl und ich glaube, die Wehen entwickeln sich ganz prächtig. Ist es ein Problem, wenn ich noch für eine Weile auf den Tropf verzichte? Das lässt sich sicher später auch noch erledigen, nicht wahr?”

Sie müssen keine Angst haben, wenn Sie das sagen. Es ist im Grunde eine Frage, auf die sich nur schlecht nein sagen lässt – denn es geht ja zunächst mal darum, dass Sie sich wohl fühlen. Es ist Ihr Körper, Ihr Baby im Bauch, Ihr Wohlbefinden. Also sagen Sie es bestimmt und ruhig und lassen Sie keinen Zweifel daran, dass Sie es genau so wollen und auch genau wissen, was Sie wollen. Sie werden sehen, es funktioniert.

Wenn man Ihnen eine PDA anbietet und Sie wollen das nicht, könnten Sie sagen: „Oh, das ist eine gute Idee – aber ich glaube, ich möchte noch damit warten. Es ist so ein überwältigender Moment und ich möchte ihn solange wir möglich und so wach und aufmerksam wie möglich erleben … vielleicht später … ist das ein Problem?”

Umgekehrt ist es aber schon so, dass Sie nur dann so klar und selbstbestimmt auftreten können, wenn Sie sich im Vorhinein gut darüber informiert haben, was bei der Geburt auf Sie zukommen kann und wie die jeweilige Klinik i.d.R. arbeitet – und das besprechen Sie am besten mit Ihrer Hebamme. Sie wissen, dass Sie in der Schwangerschaft Anspruch auf die Hilfe einer Hebamme haben? Nehmen Sie diese Hilfe in Anspruch. Beraten Sie sich mit ihr, was auf Sie zukommen könnte und wie Sie am besten aktiv bleiben und eigene Regeln bestimmten. Mit ein bisschen Übung und Mut haben Sie einen viel größeren Rahmen, Ihr Geburtserlebnis zu gestalten, als Sie vielleicht ahnen …

Genießen Sie die Zeit …

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