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Atemkontrolle?

Schwangere, die sich mit Stethoskop selbst den Bauch abhört (Bildquelle: Fotolia.de)

Es gibt zwei Blickpunkte auf die Geburt, die im ersten Anschein eher kontrovers daherkommen – am Ende aber doch das gleiche meinen: Michel Odent ist der Ansicht, die Geburt sei etwas Archaisches, Urtümliches, Intuitives. Etwas, dass man voll und ganz der Intelligenz des Körpers überlassen muss. Geburtsvorbereitung braucht es da, falls überhaupt, nur, um zu „entlernen“, um der Geburt Entgegenstehendes zu überwinden oder zu umgehen.

Die Alexandertechnik geht davon aus, dass man den Körper nicht sich selbst überlassen darf, weil er von Gewohnheitsprogrammen immer wieder in falsche Bewegungen und Haltungen getrieben wird. Wichtig wäre hier tatsächlich das Erlernen des bewussten und richtigen Gebrauchs des Körpers – und in Bezug auf Schwangerschaft und Geburt stellt das in gewisser Weise eine Geburtsvorbereitung dar.

Eine Kontrolle des Atems lehnen Alexanderlehrer eher als kontraproduktiv ab, weil ein Eingriff in das natürliche Fließen des Atems dazu führt, den bewussten Gebrauch des Körpers aus der Hand zu geben:

Alexanders Blickpunkt war, dass jeder Versuch, sich die Kontrolle über den Atem anzueignen, prinzipiell schädlich sei. Das (richtige) Atmen ist ein weitgehend automatischer Vorgang, der sich von selbst ergibt, sobald sich eine entsprechende Nacken-Hals-Rücken-Beziehung eingestellt hat. Das wird aber häufig durch unsere Reaktionen auf Situationen gestört. Um ein Beispiel zu geben: Wenn wir über Gebühr ängstlich sind, kann der Reflex, der durch das Erschrecken ausgelöst wird, die Atmung beschleunigen, ohne dabei Luft zu schöpfen. Erzwungene Aufmerksamkeit auf eine Herausforderung führt fast immer dazu, die Luft anzuhalten.

Ganz generell ist es nicht ratsam, einem bestimmten Abschnitt der Geburt ein Atmungsmuster aufzuzwingen. Es wird völlig ausreichen, jederzeit so frei und losgelöst zu sein wie eben möglich, mit einem langen und weiten Rücken, und der Intelligenz des Körpers das Regulieren des Atemrythmus‘ zu überlassen.

Ilana Machover, Angela und Jonathan Drake
The Alexander Technique Birth Book.

M. Odents Vorstellung ist, dass sich über den Neokortex eine Art Sperre aufbaut, die den Körper während der Wehen daran hindert, das zu tun, was er gut kann und wofür er geschaffen wurde. Aus diesem Grunde favorisiert er dunkle und stille Räume, in denen sich Niederkommende sicher, geborgen und ungestört fühlen – und dadurch schläfrig und der Umgebung gegenüber gleichgültig werden. Das schläfert den Neokortex ein und lässt das Reptiliengehirn das Kommando übernehmen – und führt im günstigsten Fall zu dem, was Odent den Fötus-Ausstoß-Reflex nennt. Auch bei dieser Vorstellung ist es so, dass der Atem nicht im Fokus ist – wäre er es, wäre der Neokortex wach, um diese Aufgabe zu überwachen, was dem natürlichen Geburtserlebnis entgegenwirkt.

Ich finde beide Annäherungen an die Herausforderung Geburt sehr interessant.

Niemand kann vorhersagen, wie am Ende Ihre ganz persönliche Erfahrung bei der Geburt ausfallen wird. So oder so müssen Sie es nehmen, wie es kommt. Und doch ist es gut, sich Gedanken darüber zu machen, über welchen Weg am ehesten Ihrer ganz persönlichen Ansicht nach genau das Erlebnis erreicht werden kann, das man sowohl für Sie als auch für das Baby als optimal bezeichnen könnte.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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