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Lieber, lieber Papa

Neugeborenes, das Hochgehalten wird

Lieber Papa,
lieber, lieber Papa,

ich hab dir beim Schlafen zugeschaut. Wie du da lagst. Und träumtest.
Ich hab gesehen, wie deine Augen im Schlaf zuckten. Und deine Finger.
Und ich hab in deine Träume gesehen.
In deine Ängste.
Und in deine Freude.
Und in deine Liebe.
Für euch Erwachsene scheint das Leben manchmal furchtbar schwer,
weil ihr nicht wisst, was auf euch zukommt.
Oder was richtig ist.
Oder falsch.

Für Mama ist es ein bisschen anders, weil sie mich fühlt.
Jeden Tag. Jede Stunde. Jeden Augenblick.
Aber du denkst, du könntest mich noch nicht fühlen.
Weil ich nicht in deinem Bauch bin.
Aber das ist nicht der Grund. Es ist, weil du so denkst …

Papa,
lieber, lieber Papa,

ich freue ich mich so sehr darauf, mich in deine Arme zu kuscheln
und dein Herz dabei klopfen zu hören.
Und doch habe ich auch ein bisschen Angst.
Denn, wenn ich dir zuviel werde, kannst du weglaufen.
Ich nicht.
Ich kann dir nicht hinterher laufen.
Und wenn du weg bist, was kann ich dann noch für dich tun?
Wie kann ich dann noch für dich da sein?

Papa,
lieber, lieber Papa,

ich habe euch streiten hören.
Mama und dich.
Und ich habe Mama weinen sehen.
Und dich auch.
Ihr Erwachsene scheint es manchmal sehr schwer zu haben.
Miteinander.
Und mit der Welt.
Und mit uns Kleinen.

Dabei kann es so einfach sein.

Ihr denkt immer, ihr müsst für uns da sein.
Und das stimmt auch.
Aber manchmal denkt ihr auch zuviel.
Denn wir sind auch für euch da. Wir Kinder. Für euch Erwachsene.

Ihr müsst uns einfach nur im Arm halten. Ganz einfach. Und alles andere loslassen.
Nur bei uns sein. Für einen Augenblick. Für einen Moment.
Schaut uns in unsere Augen
und haltet uns ganz fest.
Und es wird sein, als würde die Erde still stehen.
Und der Mond, die Sonne und die Sterne.
Und alle Sorgen werden von euch abfallen.
Wie dicke Regentropfen von grünen Blättern.
Und es wird sein, als wäret ihr Kinder.
Und ohne Sorgen vor dem Morgen.

Papa,
lieber, lieber Papa,

Wenn du morgen aufwachen wirst,
wird alles, was ich dir jetzt ins Ohr geflüstert habe,
verflogen sein
und Platz gemacht haben für einen kurzen Augenblick des Friedens.
Denn du denkst ja, dass du mich noch nicht fühlen kannst …

Nicht mehr lange, bis ich geboren sein werde
nicht mehr lange, bis ich für euch da sein werde.
Für dich.

Ich freu mich so sehr auf dich … lieber, lieber Papa … 🙂

{ 2 comments… add one }
  • Sehr schön, kopiert und mitgenommen, natürlich mit Quellenangabe

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