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Geht so schnell

Werdende Eltern, die Hände beider auf dem schwangeren Bäuchlein (Bildquelle: Fotolia.de)

Ich stand heute mittag am Küchenfenster und beobachtete einen Papa mit seiner kleinen Tochter auf dem Weg nach Hause vom Kindergarten. Sie hatte ihre kleine Hand in seine gelegt, trug ihr Kindergartentäschlein an einem Riemen quer über der Schulter und plapperte munter vor sich hin. Ich weiß nicht, ob er ihr zuhörte oder in Gedanken schon wieder im Büro war, oder am Telefon … ich wünsche ihm, dass er ihr zuhörte.

Als ich unseren Jungen zum ersten mal auf dem Arm hatte, dachte ich, ein Blitz habe mich getroffen. Er war in ein warmes Tuch gewickelt und sein Köpfchen war so schwer, dass er es gar nicht hochhalten konnte und ihn gegen meine Brust lehnte. Seine Äuglein waren noch so müde, er konnte sie kaum aufhalten. Und als ob nur eine Woche vergangen sei, so schnell kam der Tag, an dem ich ihn zum ersten mal in den Kindergarten brachte – und es mir das Herz brach, ihn zurücklassen zu müssen … ich fühlte mich … entsetzlich – tue es noch, wenn ich mich daran erinnere!

Und noch viel schneller kam der Tag, an dem ich ihn zur Schule brachte. Zu seinem ersten Schultag. Und immer noch an meiner Hand. Seine kleine Hand in meiner. Sein ganzes Herz, sein ganzes Vertrauen, alles das lag mit seiner kleinen Hand in meiner – und so sehr ich wünschte, fest zudrücken zu können, einfach weil es manchmal so überwältigend war, so wenig ging das natürlich – weil so zart …

Und dann kam der Tag, an dem es ihm zum ersten Mal peinlich war, als einer seiner Schulkumpels sah, dass er noch an meiner Hand ging – und er sie schnell zurück zog und alleine weiter ging … nur noch ein schnelles Tschüss über die Schulter … und ein verstohlener Blick …

Sie werden so schnell groß – und wir kriegen so wenig davon mit! Die Welt in der wir leben ist so schnelllebig geworden, so hektisch. So laut und vereinnahmend. Wir sind ungeduldig. Bestellen overnight. Reklamieren. Brauchen Geld.

Als mein Vater starb, er wurde 49, war er so erschöpft vom Leben. Meine Mutter hatte ein paar Jahre mehr, aber als sie starb, war sie nicht minder erschöpft – von Sorgen und vom Kämpfen um ein paar Markfünfzig. Nach einem Schlaganfall verbrachte sie die letzten drei Jahre ihres Lebens im Pflegeheim und nachdem sie gestorben war, passten all ihre verbliebenen Habseligkeiten in einen Koffer, den ich dem Pflegeheim schenkte.

Wenn Sie gerade schwanger sind, vielleicht zum ersten Mal, werden Sie mir nicht glauben können, wie schnell Ihr Leben davon ziehen kann – aber es kann! Der Augenblick, der Moment, wenn Sie Ihr Baby zum ersten mal im Arm haben werden, so klein, so zart, Haut auf Haut – kann gut sein, dass Sie glauben werden, dass es sie zerfetzt. Aber es werden noch größere Momente kommen, noch größere Augenblicke, die alles wert sein werden. Alles!

Geben Sie auf sich Acht! Auf sich und Ihre Familie! Dieses Leben kann so unglaublich schön sein – ganz gleich, wieviel Geld Sie haben oder wieviel Geld Ihnen fehlen mag. Wissen Sie, was ich so erstaunlich finde? Es ist die Tatsache, dass unsere Kinder zwar so in die Welt kommen, dass Sie gänzlich von unserer Pflege und Aufmerksamkeit abhängig sind, dass sie so zart und zerbrechlich sind, so verletzlich und so ausgeliefert, sie dabei aber doch uns in jedem Augenblick mit so viel Glück und Liebe auffüllen können, das wir am Ende die Beschenkten sind.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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