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Bonding vs Bindung

Mutter hält Baby fest umschlossen und küsst es auf den Kopf (Bildquelle: Fotolia.de)

Sie wissen, was Bonding ist? In der Entwicklungspsychologie bezeichnet es den ersten, Bindung stiftenden Kontakt zwischen Mutter und Neugeborenem.

Aus dieser Sicht ist zum einen schon die Zeit der Schwangerschaft entscheidend für den Beziehungsaufbau zwischen Eltern und Kind – genauer gesagt zwischen Eltern und ungeborenem Kind. Zum anderen ist es vor allem die erste Stunde nach der Geburt, in der man Mutter, Baby und Vater, so er denn dabei ist, miteinander ankommen lässt, so dass sich von Beginn an eine tiefe Beziehung zwischen ihnen entwickeln kann.

Ich persönlich halte sowohl eine frühzeitige Kommunikation mit dem ungeborenen Baby und diese erste Stunde nach der Geburt ebenfalls für unerhört wichtig und fruchtbar – wenn auch nicht unbedingt aus den gleichen Gründen – vielleicht einfach, weil ich zu sehr Psychologie-Skeptiker bin und zu tief mit meiner Nase in spirituellen Sichtweisen stecke … 🙂

Wenn man Bindung aus spiritueller Sicht betrachtet, dann geht es um die Schwäche, etwas nicht loslassen, nicht ohne etwas Bestimmtes leben zu können. Einem ähnlichen Gedanken folgt die Entwicklungspsychologie:

Arietta Slade, eine US–amerikanische Psychoanalytikerin, Bindungsforscherin sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, fasste diese Ansicht zusammen:

(a) Das Kind hat eine angeborene Prädisposition, sich an seine Bezugsperson zu binden.
(b) Das Kind wird sein Verhalten und Denken so organisieren, dass diese Bindungsbeziehung, die den Schlüssel zu seinem psychologischen und physischen Überleben bildet, aufrechterhalten bleibt.
(c) Häufig wird das Kind solche Beziehungen um den hohen Preis eigener Funktionsstörungen aufrechterhalten.
(d) Die Verzerrungen im Fühlen und Denken, die einer frühen Bindungsstörung entstammen, entstehen meistens als Antworten des Kindes auf die Unfähigkeit der Eltern, seinen Bedürfnissen nach Wohlbefinden, Sicherheit und emotionaler Beruhigung Rechnung zu tragen.

Wikipedia.de ->

Ich glaube schon nicht, dass Kinder, wenn sie in diese Welt kommen, ihr Verhalten und Denken so organisieren, dass sie diese Bindungsbeziehung um jeden Preis aufrecht erhalten wollen. Ich will nicht sagen, dass es diese Fälle nicht gibt, aber ich glaube nicht, dass das irgend ein relevantes Maß ist.

Sie können zwei Möglichkeiten in Betracht ziehen, wann unser Leben beginnt: Beginnt es bei der Befruchtung der Eizelle, egal ob im Reagenzglas oder im Körper, dann hat ein Baby zum Zeitpunkt der Geburt überhaupt keine kognitiven Möglichkeiten, zu verstehen, welche Bindungsperson für sein Überleben notwendig ist und warum. Bleibt also nur Darwins Überlegung, dass uns Menschen solches Verhalten in die Wiege gelegt sei – folglich ein Automatismus. Das hätte aber den entscheidenden Nachteil, dass sich in der Folge der menschlichen Entwicklung Automatismus an Automatismus reiht und zunehmend vernetzt – weder würden wir denken noch wären wir gedacht. Wir handelten und folgten lediglich neuronalen Impulsen.

Oder aber, unser Leben beginnt nicht mit der Befruchtung der Eizelle. Lediglich der Körper, den wir nach der Geburt beziehen, beginnt an diesem Punkt seine Entstehung. Wenn dem so ist, wenn wir also nicht aus dem Bauch unserer Mutter kommen, sondern aus einer anderen Ebene der Existenz, dann gibt es keinen Grund für eine Furcht, nicht überleben zu können … gar keinen! Wozu also unser Denken und Verhalten so organisieren, wie es die Entwicklungspsychologie unterstellt?

Mein Blickwinkel ist der, dass sich bei der Geburt nur selten Unbekannte treffen. Die Beziehung zwischen allen Beteiligten ist von dem Augenblick klar, an dem die Schwangerschaft beginnt und manifestiert sich mit der Geburt.

Und doch birgt diese eine Stunde nach der Geburt große Magie – es ist, als würde vor allem der Mutter eine Gelegenheit geboten, eine ganz besondere und einmalige Gelegenheit geboten, all ihre Liebe zu bündeln und fließen zu lassen. Alles loszulassen und zu genießen. Es ist der Augenblick, in dem sich entscheidet, auf welche Weise diese neue Beziehung ihren Anfang nimmt: Mechanisch und unbewusst, mit dem Aufrechnen alter Schulden, oder mit der Bereitschaft, mit was immer gewesen sein mag Frieden zu schließen und sich neu zu orientieren. Manchmal geschieht das ganz bewusst. Manchmal wissen beide, Mama und Kind, was sie voneinander wollen. Meistens geschieht es unbewusst. Dann kommt es darauf an, wie schon gesagt, zu genießen. Diese Stunde, diese Magie restlos auszukosten, so dass sich dieses Gefühl der Liebe und Hingabe bis ganz nach innen fortsetzen kann, denn die Entscheidung, was wird, trifft man nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen.

Es ist diese eine Stunde in der sich entscheidet, ob eine karmische Bindung greift und ein Schicksal seinen Lauf nimmt, oder ob aus einer karmischen Bindung eine neue Chance wird, zu leben und zu lieben – auf welche Weise auch immer.

Nur eines noch: Wie auch immer Sie sich entscheiden, es gilt nur für Sie, nicht für Ihr Kind, denn Ihr Kind mag einen kleinen Körper haben, aber es weiß, was es will …

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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