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Wehensingen

Schwangere mit aufgesetztem Kopfhörer beim Singen (Bildquelle: Fotolia.de)

Wehensingen: Ein interessantes Thema! Ich kenne Leute, die sich wegschmeißen, wenn sie nur dieses Wort hören, weil sie die Idee für absolut spinnert halten. Und ich kenne andere, die in regelrechte Verzückung geraten, wenn sie von der gleichen Idee hören.

Wenn Sie das Web zu diesem Thema ein bissel absurfen, werden sie unter vielen anderen Seiten auch Annas Geburtsbericht finden, dem Sie das folgende Zitat überschrieben hat:

„Wenn aber nur technisches Können am Werke ist, und nicht die Liebe, nicht tieferes Verständnis…“

Das Zitat stammt von F. Leboyer, der, wenn ich das recht überblicke, der erste war, der den Gedanken des Wehensingens in die westliche Hemisphäre getragen hat – und tatsächlich trifft es dieses Zitat überaus genau!

Man kann sich der Idee des Wehensingens von mehreren Seiten her nähern. Wenn Sie sich das Video oben rechts anschauen, dann ist hier diese Idee sehr wörtlich übersetzt: Eine Kreißende singt. Es hilft ihr ganz offensichtlich, ihre Aufmerksamkeit zu halten und offen zu bleiben für das, was kommt. Darüber hinaus kann sie gut singen. Und sie ist zu Hause. Das aber kann nicht jeder und nur selten kriegt man sein Kind zu Hause. Ganz abgesehen davon, dass man heute nicht mehr sehr geübt ist im Singen.

Von einer anderen Seite nähert man sich, wenn man übt, auf einen bestimmten Vokal auszuatmen – die Wehe also zu veratmen, wie man das so schön nennt. Das kann auch gut funktionieren … wenn man denn dran denkt … und sich traut. Der Kreißsaal ist aber kein heimisches Territorium und die Leute, die da umher schwirren, sind nicht wirklich die allernächsten Verwandte. Das wird so manche Gebärende irritieren und schon isses nix mehr mit singen …

Die eigentliche und viel tiefer gehende Idee des Wehensingens ist das Chanten (pardon: Singen) eines Mantras. Das vielleicht bekannteste ist wohl Om, ein anderes wäre HU, aber darauf kommt es nicht so sehr an, denn noch besser ist ein Mantra, dass ganz speziell für Sie ist – und von Ihnen! Mit ein bisschen Übung und, ja, vielleicht auch ein bisschen Geduld, finden Sie es in sich. Ein Mantra, das Sie selbst in sich finden, kann eine ungeheure Kraft bündeln und das Erlebnis der Geburt auf magische Weise verändern.

Hier kommt der Haken: Wenn die Idee eines Mantras nicht wirklich in Ihnen klingt, dann ist sie nichts für Sie. Es wird sich komisch anfühlen, ein (heiliges) Wort zu singen. Und es wird nutzlos sein – schon weil Sie es mit der ersten Wehe vergessen haben werden. Andererseits braucht es gar nicht ein Vokal oder ein Wort zu sein, denn ein Mantra ist etwas absolut Natürliches. Etwas Ursprüngliches. Wenn Sie in den Wehen sind, lassen Sie sich einfach los und schreien heraus, was auch immer heraus will – das ist dann das ursprünglichste Mantra und wird Ihnen auch helfen, auf Ihrem Atem über die Wehe zu reiten. Lassen Sie es einfach raus, denn genau dafür ist ein Kreißsaal da! Das Wort kreißen entstammt dem Mittelhochdeutschen krizen:  schreien, stöhnen – speziell: Wehen haben. Daraus wurde später auch kreischen. (Kluge, Etymologisches Wörterbuch).

Ein Mantra muss Sie tragen können – Sie müssen sich in es hineinlegen und von ihm wiegen lassen können. Dann ist es eine Art Tür in eine Trance. In einen Zustand, in dem Sie bei der Geburt Ihres Kindes Ihren Körper regelrecht verlassen und ihn sich selbst überlassen können. Das wäre dann im wahrsten Sinne des Wortes, eine spirituelle Geburt … die Ihres Kindes und Ihre eigene …

Genießen sie die Zeit … 🙂

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