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Erst-Trimester-Screening, Triple-Test, etc.

Verzweifelte Frau vor einem positiven Schwangerschaftstestergebnis (Bildquelle: Fotolia.de)

Heute Vormittag hatte ich Gelegenheit, mir die Informationsbroschüre einer Kooperation zwischen einer Gynäkologischen Praxis und einer freien Hebammenpraxis zu studieren – und fragte auf der Facebook-Page nach einer Meinung zu den in der Broschüre aufgeführten freiwilligen Tests: „Findet ihr die gut oder eher angstmachend?

Die Antworten auf meine Frage finde ich durchweg beeindruckend!

Ich betrachte diese Untersuchungsangebote immer mit gemischten Gefühlen – und, wenn möglich, mit Distanz.

Zum einen finde ich es einfach gut, dass es Untersuchungen wie den Triple-Test gibt und auch, dass sie ständig weiterentwickelt werden.

Zum anderen ist aber auch unübersehbar, dass die Ergebnisse dieser Tests eins ums andere mal eine Katastrophe sind. Sicher, es sind i.d.R. prozentuale Werte, die man erhält – aber wer kann schon einen prozentualen Wert einordnen? Ist eine Wahrscheinlichkeit von 1:114 gut oder schlecht? Worauf beruht die Wahrscheinlichkeit? Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Stefanis Erlebnis, das sie vor zwei oder drei Monaten in Facebook berichtet hatte: Die Testergebnisse in ihrem Fall sagten Fehlbildungen ziemlich sicher voraus. So sicher, dass man ihr von Seiten der Ärzte dringend einen Schwangerschaftsabbruch nahelegte – einen Abbruch, den sie dann aber nicht wollte. Und das Ergebnis war ein ganz normales, völlig gesundes Kind. Ein bisschen groß, ja, aber alles im Lot – und viele Tage voller Unsicherheit, um es ein bisschen nett zu formulieren.

Wollen nicht alle Mütter das Gefühl haben, alles getan zu haben, was in ihrer Macht steht, so wie Tanja das bei Facebook formulierte?

Schwangerschaften sind ein Teil des Lebens und daher auf gewisse Weise so, dass man nichts wirklich voraussagen kann und mit dem umgehen muss, was ist – und es ist nur natürlich, dass sich die einen bereit fühlen, mit dieser Unwägbarkeit umzugehen und die anderen nicht.

Eine Vorsorgeuntersuchung, die ohne Befund ist, bedeutet, wenn man es genau nimmt, nichts. Und ein auffälliges Screening bedeutet auch nichts. Und das Ergebnis eines genaueren Tests nach einem Screening ist auch nicht immer definitv.

Mirja schrieb in ihrem Kommentar: „Wir Frauen haben verlernt, auf unsere eigene Kraft zu vertrauen“ … ich weiß nicht, ob Frauen, ob Menschen insgesamt, je ihrer Kraft vertraut haben. Das im Besonderen macht für mich als Beobachter den Reiz einer Schwangerschaft aus: Zu beobachten was geschieht, wenn Menschen, in diesem Fall Frauen, auf etwas geworfen sind, was sie im Grunde nur ganz alleine schaffen können.

Wenn Kinder durch ihre Kinderkrankheiten gehen, genauer gesagt: Wenn sie durch ihre ganz persönlichen Entwicklungsstufen gehen, dann kann man, außer für sie da zu sein, nichts tun, um ihnen zu helfen. Als unser Junge einmal eine Woche lang schwer fieberte und wir ganz oft nicht wirklich wussten, ob er fantasierte oder tatsächlich wach war und uns wahrnahm, wir ihn also ganz sich selbst überlassen mussten, stellten wir, als er wieder gesund war, fest, dass sich sein Blick verändert hatte. Er hatte einen Teil seiner Kindheit, obwohl er noch so klein war, hinter sich gelassen und hatte sich entwickelt. Das war einerseits erschreckend, weil es so schnell und radikal gegangen war. Andererseits war es wunderbar, zu sehen, wieviel ihm das gegeben hatte – an Kraft und Selbstvertrauen.

Wenn Frauen ihre erste Geburt hinter sich gebracht haben, so heißt es manchmal, haben sie oft das Mädchen hinter sich gelassen und sind zu einer Tigerin geworden, die bereit ist, ihr Junges zu verteiden und großzuziehen. Klingt vielleicht ein bisschen melodramatisch, aber da ist was dran. Schwangerschaft und Geburt haben sie mit etwas konfrontiert, was sie, ganz gleich wieviel Hilfe sie auch immer gehabt haben mögen, nur ganz alleine haben bewältigen können – und das gilt ganz selbstverständlich auch für eine Kaiserschnittgeburt.

Vielleicht lassen sich diese ganzen freiwilligen Vorsorge-Screenings und missverständliche Ergebnisse etc. auch so betrachten, als sie eben auch einen Beitrag dabei leisten, einer Schwangeren (immer wieder) Mut abzuverlangen sich Unwägbarkeiten stellen und Entscheidungen treffen zu müssen … um dann mit dem Ergebnis ihrer Entscheidung umzugehen …

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 1 comment… add one }
  • Sooo schön geschrieben – und wieder mal so wahr. Meiner Auffassung nach fragen sich dann zu wenig Frauen: Was mache ich mit der Nachricht – egal wie sie aussieht?

    Ich habe keine der besonderen Untersuchungen machen lassen. Ich wollte auf Gott vertrauen und darauf, dass er mir das Kind schenkt, dass gut ist für mich, für uns und dass es das Kind ist, dem es gut tut, bei uns zu sein, auch wenn das natürlich die Möglichkeit bedeutet, ein behindertes Kind zu haben. Aber ein Abbruch käme für mich nie in Frage, es ist ein Kind, das entstehen soll, dass mir geschenkt wird, mir kleinem Licht in dieser großen Welt. Und Sicherheit hat man doch nie, egal, wieviel man tut. Das sollte man sich von Anfang an bewusst machen. Oder, wie Becky Freeman schreibt: Man sollte sich bewusst machen, dass der Ausspruch „Mit einem Kind entscheidet man sich dazu, sein Herz künftig außerhalb des eigenen Körpers herumlaufen zu lassen“ einfach nur sehr wahr ist und dass man ab dem Moment der Geburt bereit sein muss, dieses Leben zu begleiten und dabei „werden“ zu lassen. Dazu gehört auch, dass man nicht alles kontrollieren, sein Kind nie vor allem beschützen kann. Oder, wie Dori, die Freundin von Malin, Nemos Vater meinte: Du kannst ihm doch nicht versprechen, dass ihm nie etwas passiert – dann passiert ihm ja nie etwas!

    Ich glaube auch, dass die Kinderkrankheiten Entwicklungsschübe darstellen. Selbst kleinere Sachen, wie ein Dreitagefieber oder eine 2wöchige Erkältung sind solche Schübe. Wie oft habe ich danach festgestellt: Meine Jungs können wieder was neues, haben sich verändert, sind gereift.

    Einfach mal ein bisschen mehr Gottvertrauen, die richtige Dosis aus Vorsicht, Liebe, Mut und Vertrauen, die machts aus.
    Viele Grüße,
    Miriam

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