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Schwanger? Zahnarzt!

Grafik eines Zahns (Bildquelle: Fotolia.de)

Sie wissen, was Gingivitis ist? Zahnfleischbluten. Zwischen 40% und 80% aller Schwangeren haben das. Und einer Umfrage aus dem Jahr 2005 zufolge, schickt nur jeder zweite Gynäkologe eine frischgebackene Schwangere zum Zahnarzt oder informiert sie über die Notwendigkeit, einen Zahnarzt aufzusuchen.

Finde ich erstaunlich!

Ich will Ihnen mal auf die Schnelle aufzeigen, warum Sie unbedingt zum Zahnarzt gehen sollten, wenn Sie schwanger geworden sind – selbst, wenn Sie bisher schon immer regelmäßig zum Zahnarzt gegangen sind.

Zum einen ist es der Umstand, dass durch den veränderten Hormonhaushalt ihr Zahnfleisch weicher, und durch die Schwangerschaft stärker durchblutet wird. Dadurch schwillt es leicht an und blutet schnell(er) beim Zähneputzen oder bei kleinen Verletzungen im Mund. Durch diese anderen Umstände im Mund können sich Mikroorganismen mit ihren Giftstoffen leichter einnisten und Paradontose oder Karies verursachen – zumindest begünstigen.

Als zweites kommt dazu, dass sich im Laufe der Schwangerschaft der Speichelfluss von Monat zu Monat verringert, was die Spülfunktion des Speichels im Mund vermindert. Aber auch der ph-Wert des Speichels sinkt, was die Zähne einer stärkeren Säurekraft aussetzt.

Darüber hinaus wird der Speichel proteinreicher und erhält dadurch eine höhere Viskosität, was die Plaquebildung fördert. Mehr Plaque auf den Zähnen und an den Zahnhälsen – mehr Entzündungsherde.

Häufiges Erbrechen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten führt ebenso zu einem Anstieg der Säurewerte des Speichels und kann den Zähnen arg zusetzen.

Schließlich tendieren Schwangere eher zu süß oder sauer, zu Fruchtsäften und Zitrusfrüchten – was auch wieder Konsequenzen für die Zähne hat.

Übrigens – ein kleiner Tipp noch an dieser Stelle: Wenn Sie Saures gegessen, oder sich übergeben haben, ist es besser, den Mund mit einer Lösung zu spülen, um die Säuren zu neutralisieren, statt die Zähne zu putzen – auch etwas, was Sie Ihren Zahnarzt fragen könnten … Nach dem Genuss von Süßem, ist Zähneputzen besser.

Eine wirklich gute Mundhygiene und (Re-)Mineralisierung Ihrer Zähne wird dazu führen, dass Sie weder durch die Schwangerschaft einen Zahn verlieren, noch dass Ihre Zähne unter der Schwangerschaft leiden.

Die Fluoridierung der Zähne von Schwangeren scheint umstritten zu sein – wahrscheinlich, weil ein dauerhaftes Zuviel eben auch schädlich ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt aber eine tägliche Zufuhr von 1 mg Fluor und ab dem fünften Schwangerschaftsmonat von 1,2 mg Fluor – und Deutschland gilt als Fluormangelland.

Jetzt kommt der Haken: Man kann flächendeckend eben nicht sagen, wieviel Fluor man supplementieren sollte, oder ob überhaupt! Die Fluorwerte im Trinkwasser sind regional unterschiedlich. Darüber hinaus sind viele Zahncremes extra mit Fluor angereichert. Auch bestimmte Mineralwässer haben einen höheren Fluoranteil als andere. Und schließlich nehmen Schwarzteetrinkerinnen mehr Fluor auf, als Kaffeetrinkerinnen … Sie sehen, es ist einfach nicht möglich, einen pauschalen Wert zu gebeben – aber Ihr Zahnarzt kann konkret bei Ihnen bestimmen, was nötig ist!

Und bis jetzt haben wir nur über Ihre Zähne gesprochen – und noch gar nicht über die Auswirkungen von Zahnkranheiten auf das Embryo! Die gibt es nämlich auch. Sowohl Paradontalerkrankungen als auch Karies erhöhen Ihr Fehlgeburtsrisiko sofort. Alle Infektionskrankheiten bringen ein Fehlgeburtsrisiko mit sich.

Bei Karies ist es aber gleich nochmal fieser: Wenn Sie Karies haben – und nochmal: Karies ist eine Infektionskrankheit!! – dann können Sie Ihr Baby damit auch noch nach der Geburt anstecken: Durch Küsschen, durch das Prüfen des Saugers mit dem Mund und durch viele andere Kontakte mehr! Das wollen Sie nicht – deshalb sollten Sie unbedingt gleich zu Beginn Ihrer Schwangerschaft Ihren Zahnarzt aufsuchen und alles weitere dort besprechen. 🙂

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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