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Anonyme Geburt? Ja! Babyklappe? Ja!

Neugeborenes mit zwinkerndem Auge (Bildquelle: Fotolia.de)

Ich hab mich jetzt mal zwei Tage lang mit dem Thema anonyme Geburt und Babyklappe auseinandergesetzt. Das ist, rechtlich betrachtet, sehr komplex.

Juristen können in ihrem Bemühen um Klarheit und Genauigkeit sehr genau sein – oder wären Sie auf die Idee gekommen, zu definieren, wer die Mutter eines Kindes ist? Aber genau das ist definiert:

»Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.«

§ 1591 BGB

Auf den ersten Blick mag das überflüssig scheinen, aber was, wenn die Frau, die das Kind zur Welt gebracht hat, eigentlich Leihmutter ist und ihr die befruchtete Eizelle einer anderen nur zum Austragen eingesetzt wurde? Dann ist das nach unserem deutschen Recht trotzdem eine klare Sache: Die, die das Kind geboren hat, ist die Mutter. Punkt. Aber Leihmutterschaft ist ein anderes Thema …

Beim Thema anonyme Geburt und Babyklappe geht es einerseits darum, welche Rechte und Pflichten eine Mutter hat. Ein Baby anonym zu gebären oder es (heimlich) zu Hause zur Welt und dann zu einer Babyklappe zu bringen, verstößt gleich gegen mehrere Rechtsverordnungen und stellt beispielsweise eine Verletzung der Unterhaltspflicht dar.

Andererseits steht auch zur Debatte, inwieweit das Kind selbst ein Recht auf das Wissen um seine Herkunft und seine Abstammung hat.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat entschieden, dass dies eine Frage ist, die die jeweiligen Staaten für sich entscheiden müssen, da sich keine über alle Nationalstaaten hinweg gleiche Regelung finden lässt – und hat die Klage einer Französin abgewiesen, die gegen Frankreich auf Herausgabe der Identitätsdaten der Mutter geklagt hatte. In Frankreich ist die anonyme Geburt erlaubt.

Auch Rechte und Pflichten des Vaters sind bei einer anonymen Geburt oder bei der Hinterlegung eines Babys in der Babyklappe berührt.

Alles hängt davon ab, inwieweit der Staat, die Gemeinschaft der Bürger also, einer Mutter unumgängliche Pflichten auferlegt und auferlegen kann – und warum.

Eine für mich außerordentlich bemerkenswerte Sache liegt für mich im Umstand, dass man eigentlich die anonyme Geburt und die Babyklappe als (geduldetes?) Angebot sieht, um das Aussetzen oder gar Töten von Neugeborenen zu verhindern. Die Praxis aber zeigt, dass genau das nicht passiert! Neugeborene wurden selbst in Gebieten ausgesetzt, in denen es eine Babyklappe gibt. Ob es an der Unkenntnis der Kindsaussetzer lag? Babyklappen werden in der Regel nicht beworben

Anonyme Geburt und/bzw. oder Babyklappe ist eine Frage, die jeder für sich entscheiden muss – und genau deshalb plädiere ich uneingeschränkt für die Möglichkeit, ein Kind anonym und in Würde in einer Klinik zur Welt bringen zu können. Ebenso bin ich für das Bereitstellen von Babyklappen, so dass auch die Mütter, die ihr Kind schon bei sich zu Hause zur Welt gebracht haben, dem Kind selbst die Möglichkeit geben können, am Leben bleiben und in Geborgenheit aufwachsen zu können.

Denn tatsächlich, rein von den Fallzahlen her, sind, gemessen an den Gesamtgeburtszahlen, anonyme Geburten und Kindsabgaben via Babyklappen so selten, dass wir uns das als Gesellschaft leisten können. Wir müssen nicht komplizierte juristische und rechtsphilosophische Betrachtungen wälzen, um einfach sagen zu können:

Du willst oder du kannst nicht zu deiner Schwangerschaft oder zu deinem Kind stehen? Gut, dann kannst du dein Kind entweder anonym aber sicher und unter fachlicher Betreuung zur Welt bringen, oder aber, wenn du es schon zur Welt gebracht hast, dann kannst du dein Kind über die Babyklappe in sichere Obhut geben.

Sind wir ehrlich: Wenn eine Frau eine dieser beiden Möglichkeiten wählt, bringt sie damit doch zum Ausdruck, dass ihr etwas am Wohlergehen des Kindes liegt, oder nicht? Und dem Kind, und vor allem dem späteren Erwachsenen muss man aufbürden können, mit sich selbst klar kommen zu können, auch wenn er/sie nicht weiß, wer ihn/sie zur Welt gebracht hat. Das ist jedenfalls meine Meinung …

Alles wird gut … genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 1 comment… add one }
  • Ich bin auf jeden Fall dafür, dass die anonyme Geburt erleichtert wird. So wie ich das bisher mitbekommen habe, haben die Frauen einfach Angst, dass ihre Anonymität doch aufgedeckt wird. Entweder durch verdeckte Beobachtung der Babyklappe oder dadurch, dass sie im Krankenhaus Menschen ausgeliefert sind, die sie doch noch zwingen könnten, ihre Identität preiszugeben. Es müsste einfach mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden, dass es diese sicheren Möglichkeiten gibt.

    Systemisch (also vom System der Familienstellung her) denke ich, dass es für Mutter und Kind Probleme geben wird. Das Kind wird im Unterbewusstsein immer wissen, dass es an einem Platz ist, an den es eigentlich nicht gehört. Ich finde es wichtig, dass Mutter und Kind sich irgendwann treffen und das zwischen sich klären. Wichtig ist auch, dass das Kind frühzeitig weiß, dass es adoptiert ist. So eine Erkenntnis im späteren Alter kann vieles aus der Bahn werfen, da es aus der Sicht des Kindes so aussieht, als habe es sein bisheriges Leben auf „Lügen und Täuschung“ aufgebaut.

    Aber das ist ein sehr komplexes Thema und kann nicht in wenigen Sätzen abgehandelt werden. Um zum eigentlichen Punkt dieses Beitrages zurückzukommen: ja, unbedingt Möglichkeiten zur anonymen Geburt schaffen, damit Leben neugeborener Kinder retten und den Müttern einen sicheren Rahmen geben.

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