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Risiko, Wahrscheinlichkeit und Wahrheit

Schwangeres Bäuchlein mit umgebundener blauer Geschenkschleife (Bildquelle: Fotolia.de)

Ich hab mir letzte Woche spontan ein paar Tage Auszeit genommen – um nachzudenken. Manchmal ist man so vertieft in die Dinge, die man macht, dass man völlig vergisst, anzuhalten und mal aus der Entfernung zu betrachten, was man da eigentlich macht und ob man noch auf Kurs ist … 🙂

Und zum Ausklang dieser Auszeit gingen meine Familie und ich gestern zum Minigolfen in den Wald. Vor uns war ebenfalls eine kleine Familie auf der Bahn: Mama, Papa und kleine Tochter – die Tochter vielleicht drei oder vier und die Eltern auch schon um die vierzig. Ganz offensichtlich: Die Frau war eine sogenannte Spätgebärende gewesen.

Wussten Sie, dass das Risiko für Kinder, später im Leben an Depressionen zu erkranken, deutlich mit dem Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt ihres Kindes zunimmt?

Genau dieses Statistik fiel mir ein, als ich den dreien beim Spielen zuschaute: Die Sonne verstreute ihre Strahlen zwischen den Blättern des Waldes, in dem es wunderbar kühl und schattig war, die Vögel zwitscherten, die Minigolfer waren entspannt und spielten losgelöst von Raum und Zeit und dieser kleinen Familie vor uns zuzuschauen war einfach wunderbar. Und dieses Kind, das kaum größer als der Minigolfschläger war, soll später einmal (mehr oder weniger wahrscheinlich) an Depressionen leiden? Wieso steigt das Risiko für Kinder, später an Depressionen zu erkranken, wenn die Mutter Ihr Kind in reiferem Alter bekommt?

Die Antwort ist offensichtlich: Es sind nur Zahlen – mehr nicht! Und sie bedeuten gar nichts!

Ob Ihr Kind später einmal depressiv wird oder nicht, hängt davon ab, was es aus seinem Leben macht (oder nicht macht), aber nicht davon, wie alt Sie zum Zeitpunkt seiner Geburt sind! Da wir in unserer heutigen, IT-getriebenen Zeit über massenhafte Computerpower und (fast immer unzureichende und alte) Daten verfügen, lässt man die Datensau über die Daten rennen und nach Mustern schnüffeln – und manchmal findet man eben so etwas wie eine Häufung bei Patienten mit Depressionen, deren Eltern zum Zeitpunkt ihrer Geburt älter als XYZ waren. Einen Zusammenhang erklären kann man aus dieser Datenlage nicht – und noch viel weniger kann man sagen, es sei ein Risiko. Auch weiß man nicht, ob das in zwanzig Jahren immer noch so sein wird.

Anders ist es beispielsweise bei Alkoholkonsum während der Schwangerschaft. Hier lässt sich sehr deutlich und klar ein Zusammenhang zwischen Missbildungen des Babys und dem Alkoholkonsum feststellen und auch erklären: Zum einen ist Alkohol schlicht ein Gift für den Körper, bei dem allein die Konzentration und die Abbaugeschwindigkeit das Problem reduziert und dadurch unter Umständen für so manchen zu einem Genuss macht. Zum anderen haben Föten noch keine wirksamen Abbaumechanismen und Organe, um Alkohol aus dem eigenen Blutkreislauf herauszufiltern. Deshalb rennt Alkohol, der über den Blutkreislauf der Mutter und die Plazenta in den Fötus gelangt, eine halbe Ewigkeit in dessen Blutkreislauf herum – was um so schädlicher ist, da hier ja alles erst noch im Entstehen und Werden ist.

Wenn Sie Risiken betrachten, die aus Statistiken abgeleitet sind, müssen Sie schon wirklich sehr genau hinschauen, ob das Risiko nicht eher ein Scheinrisiko ist. Bei der Beurteilung, ob etwas nützlich, schädlich oder neutral ist, hilft meistens schon der gesunde Menschenverstand.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

 

{ 2 comments… add one }
  • su

    wiedermal ein sehr guter artikel… das mit dem alkohol ist wirklich so eine sache…. es wird den frauen gesagt alkohol ist schlecht und soll nicht getrunken werden aber leider wird ihnen nicht der grund dafür genannt… ich hab vor einigen jahren eine pädagogische ausbildung (dipl. behindertenpäd.) gemacht und dort im medizinunterrricht dies erfahren was du geschildert hast…. das baby ist leider ganze lange zeit betrunken im bauch, weil ihm dieses abbauchorgan fehlt….

    wenn ich dies in meinem bekannten kreis erzähle dann meinen viele das ich viel zu eingenommen bin weil ich ja mit behinderte arbeite… aber ich glaub es ist wirklich so…. viele meinen auch… schau meinem kind geht es gut und ich hab manchmal ein schluck sekt oder bier getrunken…. kann alles sein… das ist ja auch beim rauchen so… kann schon sein das viele mütter rauchen und dem kind nichts fehlt auch drogen nehmen…. wie acuh immer …. alkohol zu trinken in der schwangerschaft find ich nicht gut….und ich denke man kann doch diese zeit super drauf verzichten oder?

  • Manuela

    Hallo , du bloggst ja wieder, wenn ich zeit finde lese ich mal hier weiter..;-)Schöner Artikel…grüße von manu

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