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Eine Kostbarkeit!

Baby, auf dem Bauch schlafend (Bildquelle: Fotolia.de)

Wissen Sie eigentlich, was einer der ursprünglichen und wichtigsten Gedanken war, um das einzuführen, was man heute unter Elterngeld versteht? Es war der Gedanke, dass die wachsende Kriminalität in Deutschland ursächlich auch damit zusammenhängt, dass den Kindern in den ersten drei Jahren die Mutter fehlt.

Natürlich gab es auch andere Gedanken, aber dieser hat aus meiner Sicht den größten Charme. Ist es denn nicht so, dass die Gesellschaft mit der Geburt jedes einzelnen Kindes eine neue Gelegenheit erhält, sich dramatisch weiterzuentwickeln? Wer kann schon einem Kind ansehen, ob hier ein künftiger Albert Einstein oder Barack Obama angekommen ist? Man kann es nicht! Und liegt es da nicht auf der Hand, alles nur mögliche zu unternehmen, um wenigstens dafür zu sorgen, dass es kein Adolf Hitler oder Idi Amin wird?

Die Welt, in der wir heute leben, hat sich dramatisch zu der Welt verändert, in der meine Eltern lebten. Arbeitsplätze, also physische Plätze zu denen man geht, um dort zu arbeiten, verschwinden mehr und mehr und werden durch Notebooks und USB-Sticks ersetzt, die man in der Tasche mit sich trägt, oder durch Handys, die permanent mit dem Web verbunden sind. Der Riss, der Begabte und weniger Begabte dadurch voneinander trennt, wird größer und tiefer und die Herausforderungen, die damit auf die Gesellschaft als Ganzes zukommen, komplexer. Was es zunehmend braucht, ist ein persönliches Bedürfnis nach Miteinander – kein von oben verordnetes. Und beginnt die Erfahrung des Miteinanders und des Teilens nicht in der Familie? Was bringen wir Kindern bei, die wir aus Zeit- und Geldgründen in Krabbelgruppen, Vorschulkindergärten- und dann in Ganztagsschulen abschieben, weil sie dort besser betreut und versorgt sind? Dass Karriere und Business, Stress und Rolex, iPhone und Leasingkarren wichtiger sind, als Miteinander? Als Teilen und Füreinander-da-sein?

Bevor wir darüber ernsthaft diskutieren, ein Bürgergeld einzuführen, sollten wir darüber nachdenken, Schwangerschaften und Familienzeiten einen solchen Rahmen zu geben, der es sowohl den Frauen als auch den Familien ermöglicht, sich unbeschwert und ganz auf den Neuankömmling zu freuen. Wenn Geld dabei hilft,  nehmen wir Geld. Aber vielleicht würde es schon helfen, Minijobs zur Haushaltsunterstützung zu schaffen. Hebammen, die automatisch die Betreuung und Versorgung Schwangerer gewährleisten und helfen, Beruf und Privat besser miteinander zu verzahnen. Ich kann mir dutzende von kleinen Hilfen und Unterstützungen vorstellen, um einer Schwangerschaft einen Rahmen zu geben, den sie eigentlich verdient – und selbstverständlich ebenso der Zeit nach der Geburt.

Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, keine, die man den Unternehmen alleine aufbürden kann und darf. Jedes einzelne Kind stellt für die Gemeinschaft eine einzigartige Kostbarkeit dar, eine, die sich nicht mit Geld aufwiegen lässt! Vielleicht müssen wir gar nicht auf einen Messias warten. Vielleicht reicht es schon, alle unsere eigenen Kinder entsprechend freudig zu erwarten und ihnen miteinander einen Rahmen zu bieten, ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen. Einen Rahmen, der uns alle Möglichkeiten eröffnet, dass wir von ihnen und sie von uns lernen können. Das wäre für unsere Kinder gut und es wäre für uns als Gemeinschaft gut.

Ich kann die Idee der FDP in Deutschland nicht nachvollziehen, das Elterngeld abzuschaffen, weil es nichts gebracht habe …

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 2 comments… add one }
  • Super Beitrag. Mir fallen spontan 2 weitere Gründe ein, wo sich mir die Haare Sträuben. In den letzten Jahren wurden ja zahlreiche KiTas geschlossen und um jetzt einen KiTa-Platz zu bekommen, kann man sich Monate, teils sogar über einem Jahr, vorher anmelden, um auf die Warteliste zu kommen. Und was ist mit dem Stillen, das Fördert die Bindung zwischen Mutter und Kind. Schaffen wir das gleich mit ab.
    Ich stimme dir da zu, es müsste mehr ineinander greifen.

  • Danke für den sehr philosophischen Beitrag. Ich sehe das alles ähnlich. Ohne Elterngeld hätten auch wir uns nicht für ein Kind entschieden. Und wenn ich dann daran denke, dass ein KiTa-Platz in Hamburg mal schnell fast 500€ kostet! Na da wird mir doch schlecht!

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