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Nichts tun

Foto einer im Gras auf dem Rücken liegenden Schwangeren (Bildquelle: Fotolia.de)

Wenn man sich klar darüber ist, dass man ganz grundsätzlich keine Geburtsvorbereitung braucht, weil Geburt ein Teil der weiblichen Sexualität ist, erhebt sich automatisch die Frage: Wozu dann Geburtsvorbereitung?

Na ja, zum einen um vor allem Erstgebärenden durch Aufklärung ein wenig die Angst vor der Geburt zu nehmen. Zum anderen hilft eine Geburtsvorbereitung ja auch dabei, sich selbst sowohl einzustimmen, als auch zu sehen, welchen Beitrag man selbst leisten kann, um die Geburt angenehmer zu machen. Schließlich kommt noch der Aspekt dazu, die Schwangerschaft selbst zu bereichern, andere Schwangere kennenzulernen, neue Kontakte zu knüpfen und so insgesamt für eine angenehmere und schönere Schwangerschaft zu sorgen und Körper und Geist auf die Geburt einzustimmen. Und ein schöneres Geburtserlebnis kommt nicht zuletzt auch dem Kleinen zu Gute.

Freitagsübung: Körperentspannung

Mit der heutigen Freitagsübung soll ein kurzer Blick auf das Entspannen des Körpers geworfen werden, denn vor allem in den letzten Wochen der Schwangerschaft gibt es oft Rückenprobleme. Dafür kann es mehrere Ursachen geben. Während durchaus auch das, was Sie essen und trinken zu Rückenschmerzen führen kann, ist es wohl meistens die veränderte Körperhaltung: Die Bauchkugel und das veränderte Gewicht verändern Körperschwerpunkt und Beweglichkeit.

Die meisten Schwangeren reagieren auf das sich vorwölbende Schwangerschaftsbäuchlein, in dem Sie Kopf und Schultern zurück nehmen und dadurch einen hohlen Rücken verursachen, was wiederum dazu führt, dass die Bandscheiben sich gegeneinander stellen und schmerzen. Hier kann eine wirklich sehr einfache Übung für ziemliche Abhilfe sorgen: Nichts tun!

Die folgende Übung können Sie auch alleine hinbekommen, besser ist es aber, wenn Sie Ihren Partner um Hilfe bitten:

  • Legen Sie sich flach auf den Rücken. Am besten direkt auf den Teppich(boden).
  • Schultern einfach fallen lassen, die Arme liegen seitlich entlang des Körpers.
  • Winkeln Sie die Beine an und stellen Sie Ihre Füße so auf, so dass die Knie zur Decke zeigen.
  • Die Füße sind etwa hüftbreit auseinander. Lassen Sie die Knie nicht auseinander oder ineinander fallen. Manchmal hilft es schon, wenn Sie die Fersen ein bisschen nach außen stellen, so dass Ihre Beine einen festeren Halt haben.

Jetzt kommt Ihr Partner ins Spiel: Es geht darum, Ihren Kopf so auszurichten, dass die Wirbelsäule bis hinauf zum Atlas möglichst gerade ausgerichtet ist. Dazu legt er am besten ein Buch unter den Kopf . gerade so, dass Ihr Hinterkopf aufliegt, der Nacken aber frei bleibt. Wenn ein Buch schon ausreicht, um die Wirbelsäule gerade zu haben, gut. Wenn nicht, dann halt noch ein Buch drunter – das kann heute ein Buch sein, morgen sind es vielleicht ein Buch und ein schmales dazu. Das ist nicht immer gleich. Wie auch immer, wenn also der Minibücherstapel unter Ihrem Kopf ausreichend ist, bitten Sie Ihren Partner, Ihren Kopf ganz behutsam und nur ganz ganz wenig aus der Schulter zu ziehen. Am besten, in dem er Ihren Kopf so in die Hände nimmt, dass seine/ihre Zeige- und Ringfinger entlang Ihres Halses liegen. Ganz behutsam. Es soll einfach nur so sein, dass sich Ihre Wirbelsäule wirklich in ihrer ganzen Länge ausruhen kann.

Wenn der Kopf schön zur Ruhe gekommen ist, fehlt noch das Becken. Am besten setzt sich Ihr Partner an ihr Fußende. Dann nimmt er mit beiden Händen Ihr Becken, hebt ein bisschen Ihr Gesäß an und zieht ganz sanft Ihr Becken zu sich, so dass sich die Wirbelsäule auch nach unten ganz ausdehnen und ausrichten kann.

Das wars schon. Wenn alles richtig ist, werden Sie ein wohliges, völlig entspanntes Gefühl in Ihrem Rücken haben, weil sich vielleicht zum ersten mal seit langer Zeit Ihr Rücken völlig entspannt. Bleiben Sie so, so lange Sie mögen.

Bewegung oder Entspannung

Aus Sicht der Alexandertechnik ist alles Bewegung, was nicht Entspannung ist:

Um dem Körper eine Möglichkeit zu geben, sich tatsächlich ausruhen und regenerieren zu können, müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

  1. Die Reaktion auf die Schwerkraft darf nicht ausgelöst werden
  2. Das Gewicht muss von der Wirbelsäule genommen werden
  3. Die Wirbelsäule muss in ihrer ganzen Länge ruhen können

Das erreicht man durch das Liegen auf den Büchern. (–>)

… sagt Jan Pullmann, Alexanderlehrer in Hamburg.

Noch besser: Wenn Sie nicht jeden Euro umdrehen müssen, gönnen Sie sich ein paar Stunden Alexandertechnik! Am besten schon von Beginn der Schwangerschaft an. Stöbern Sie ein bisschen im Web. Sie werden sicher einen Alexanderlehrer in Ihrer Nähe finden.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 2 comments… add one }
  • Neben nichts tun und Entspannung darf es auch etwas Schwangerschaftsgymnastik sein. Sie kann unter anderem den Rücken stärken, Müdigkeit bekämpfen, Wassereinlagerungen reduzieren und sich positiv auf den Kreislauf auswirken. Wichtig ist, dass sich die werdende Mutter bei den Übungen wohl fühlt und auf ihren Bauch hört. Und wenn sie sich mit Sport nicht wohl fühlt oder der Arzt vom Sport abrät, kann nichts tun eben auch gut tun.

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