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Schatz, es ist so weit …

Für uns Männer ist es schon merkwürdig, nichts "tun" zu können, außer eben da zu sein.

Für uns Männer ist es schon merkwürdig, nichts "tun" zu können, außer eben da zu sein.

Genau wie sich eine Schwangere um den errechneten Geburtstermin herum fragt, wann es denn nun endlich losgeht, fragt sich das auch so mancher werdender Vater – nur halt: Was mach‘ ich, wenn sie sagt: „Schatz, es ist so weit …!”

Andererseits … vielleicht auch nicht 🙂

Manchmal lässt man das Problem besser dort, wo es ist!

Manchmal hat man sich vorher abgesprochen, wer was macht, wenn es losgeht, manchmal nicht. Das hängt sicher zum einen vom Alter der werdenden Eltern ab, aber auch davon, ob man sich miteinander auf die Geburt vorbereitet hat. Vielleicht gar nicht mal bei einem gemeinsamen Besuch eines Kurses, sondern bei einem Gespräch, weil man sich eben doch Gedanken macht …

Unser Sohn kam im August zur Welt – mitten in meiner Hochsaison.

Ganz ehrlich, ich hatte keine Ahnung, wann denn der Geburtstermin anstand. Meine Frau hatte mir das sicher gesagt, aber in der Hauptsaison hatte ich damals 16 bis 18 Stunden Tage und alles, was ich an dem einen Tag nicht erledigen konnte, musste am nächsten mit obendrauf … oder um es anders zu sagen: Wenn ein Tag schief ging, war das eine echte Katastrophe. Eigentlich nicht mehr gutzumachen.

Als ich dann eines morgens die magischen Worte hörte: „Schatz, es ist so weit …!” musste ich kurz nachdenken, wie ich damit jetzt umgehen konnte. Meine Lieferliste war glücklicherweise nicht ganz so tragisch, also legte ich meiner Sekretärin einen Zettel auf den Schreibtisch, welche Kunden an einem anderen Tag beliefert werden würden. Dann fuhr ich meine Frau in die Klinik.

Als Mann sitzt man bei der Aufnahme-Untersuchung ziemlich dämlich rum und weiß wirklich nicht genau, wo man hin, oder wohin man besser nicht schaut … und während der ganzen Zeit tickte eine sehr laute Uhr in meinem Kopf. Es war sehr schnell zehn Uhr geworden und die Zeit flog immer schneller davon!

„Kann ich dich ein bisschen alleine lassen?“ frage ich meine Frau,  und als sie nickte, machte ich mich an meine Arbeit. So oft es eben irgend ging, unterbrach ich meine Tour und kurvte zurück in die Klinik, wo dann irgendwann eine Wehenpause eingetreten war. Hmm …!

Es wurde 16 Uhr, 18 Uhr, 20 Uhr und irgendwann war ich mit meiner Tour durch, so dass ich endlich loslassen und mich ganz auf das Wunder Geburt einlassen konnte.

Wenn man sich schon ziemlich dämlich bei den Untersuchungen fühlt, dann ist das noch gar nix im Vergleich zu den Wehen. Meine Frau ist ziemlich tough, die, wenn irgend möglich, keine Schmerzen zeigt, aber wenn sie denn welche zeigt, greift man üblicherweise in ein Päckchen, das man aus der Apotheke geholt hat, aber genau das kann man ja nicht machen, während der Geburt.

Alles was ich tun konnte – damals – war … nix! Super!

Nun bin ich, andererseits, kein Nervenbündel. Ich versuchte also, meiner Frau Nähe zu geben, ohne sie in irgend einer Weise zu bedrängen. Nicht weil ich so furchtbar schlau bin, sondern weil ich auch meine Ruhe haben will, wenn’s mir nicht so gut geht. Ich dachte mir, sie würde sich schon gegen mich lehnen, wenn sie das denn wollte. Und das tat sie dann auch. Sie saß auf dem Fußboden vor mir, gegen den Peziball gelehnt auf dem ich saß und ließ irgendwann einfach los.

Ich glaube, es hätte alles viel leichter gehen können, meinte meine Frau später, wenn ich denn nicht so eine große Angst gehabt hätte …

Sie lehnte sich rücklings gegen mich, ließ sich in die Arme nehmen und wie ein Kind von mir wiegen. Ich fing an, zu summen, was auch immer mir gerade einfiel. Ich dachte, es würde ihr gut tun – und es tat ihr gut, so dass sie sich zunehmend entspannte.

Niemals zuvor hatte ich ein solches wunderbares Gefühl intimer Zweisamkeit!

Wir Männer haben, glaube ich, immer das Gefühl, man müsse etwas heldenhaftes machen. Irgend etwas, das alles sofort beendet. Aber das funktioniert bei der Geburt nicht, denn, es ist ihre Zeit, die Zeit der Frau.

Gut, wenn man eine Geburtsvorbereitung hatte, die dem Mann konkret zeigte, was seine Aufgabe im Kreißsaal ist (oder wo auch immer die Frau ihr Kind bekommt), wie er ganz konkret helfen kann und das er helfen kann.

Ich hatte das damals nicht …

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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