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Echte und Pseudohermaphrodite

Was ein Hermaphrodit ist, wissen Sie, nicht wahr?

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Hermaphroditismus ( gr. von Hermes und Aphrodite) oder Zwittrigkeit bzw. Zwittertum bezeichnet in der Biologie das Vorkommen von doppelgeschlechtlichen Individuen, also Individuen mit männlicher und weiblicher Geschlechtsausprägung und die sowohl männliche als auch weibliche Keimzellen ausbilden, bei einer Art. […] Die Individuen selbst werden als Hermaphroditen oder Zwitter bezeichnet.

Ein Hermaphrodit ist also ein Zwitter, ein Intersexueller.

Nun gibt es aber echte und Pseudohermaphrodite. Echte Hermaphrodite besitzen sowohl Eierstöcke als auch einen Hoden – und sind selten. Pseudohermaphroditen haben entweder Eierstöcke oder einen Hoden, dafür aber unklare Genitalien. Hermaphroditen finden sich in etwa einmal unter tausend Neugeborenen. Also gar nicht so selten.

Männliche Intersexuelle haben ein Beutelchen – pardon: ein Skrotum, also einen Hodensack – aber keine Ovarien, also Eierstöcke. Die Chromosomeneigenschaften (Karyotyp 48,XY) sind männlich, die äußeren Genitalien aber sind unklar, also eher indifferent. Die biologischen Ursachen hängen mit dem Fehlen des Hormons DHT zusammen, das sich aus Testosteron bildet. Wenn es fehlt oder in zu geringen Mengen vorhanden ist, findet keine klare Differenzierung der Genitalien statt. Es kann aber auch sein, dass durch eine Störung des X-Chromosoms die Zielzellen keine Häkchen bilden (um es mal so zu sagen), an denen sich Androgene einhängen können. Androgene sind Sexualhormone, die für die Entwicklung männlicher Eigenschaften verantwortlich sind. Das führt dann später in der Pubertät dazu, dass sich Brüste bilden. Die Erscheinung des Menschen selbst (der Phänotyp) und seine psychische Entwicklung sind weiblich.

Bei den weiblichen Pseudohermaphroditen ist es spiegelverkehrt: Hier gibt es Eierstöcke und ein weibliches Chromosomenbild (Karyotyp 48,XX), aber auch hier sind die äußeren Genitalien indifferent, also nicht eindeutig. Hier gibt es zur Vagina auch ein Skrotum, das aber leer ist.

Die biologischen(!) Ursachen sind beim männlichen Hermaphrodismus eine Enzymstörung im männlichen Embryonalstadium und bei der weiblichen Form hormonelle Einflüsse infolge einer angeborenen Nebennierenproblematik oder ein Tumor in der Nebenniere der Mutter, oder eine Hormonbehandlung der Mutter, die beispielsweise noch nichts von ihrer Schwangerschaft weiß. In allen Fällen entscheidet sich ein Hermaphroditismus im dritten Schwangerschaftsmonats  – also schon sehr früh!

Nur der Vollständigkeit halber: Es gibt noch zwei weitere Ursachen von Intersexualität, zum einen das Turner-Syndrom, zum anderen das Klinefelter Syndrom. Beides zu erklären ist aber nicht so einfach und führt mich auch nicht dahin, wohin ich will … 🙂

Wie wollen wir einen Zwitter einordnen? Als Anomalie? Als Ausnahme? Als Krankheit? Oder als Zufall?

Finden Sie nicht auch, dass diese Art von Fragen den Menschen selbst und sein „Ich-Bild“ gänzlich außen vor lässt und ihn zu einer Sache macht, über die man dann philosophiert?

Während man bei männlichen Hermaphroditen häufig die Umweltveränderungen zur Ursache erklären kann (die umweltbedingten Faktoren haben sich in den letzten 30 Jahren etwa verdoppelt!), müsste man bei der weiblichen Form der Mutter die Schuld geben … und kann das Sinn des Ganzen sein?

Kann es nicht viel sinnvoller sein, zu unterstellen, dass das, was ist, normal ist – auch, wenn es vom Durchschnitt abweicht? Das jedes Kind mit genau den Bedingungen in diese Welt startet, die für es maßgeschneidert sind? Arm, reich, gesund, krank, intelligent, nicht so intelligent, in Afrika oder Amerika …?

Wäre das ein Problem für Sie, wenn Ihr Kind sowohl Sohn als auch Tochter wäre? Sie sollten vielleicht darüber nachdenken, denn Ärzte werden Ihnen im Falle des Falles nahelegen, schnell zu operieren, ehe das Kind sich seiner Sexualität bewusst wird … und immer wieder zeigt es sich, dass diese Operation eher Opfer schafft, denn eine Lösung darstellt …

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 1 comment… add one }
  • Ein toller Roman, in dem es um dieses Thema geht ist übrigens „Die Galerie der Lügen“ von Ralf Isau. Zwar mit so einigem Fantasy-drumrum, aber sehr gut und spannend zu lesen und was die Fakten angeht recht gut recherchiert.
    Hier gibt es die Buchbeschreibung auf der Site des Autors:
    http://www.isau.de/shop/luegengalerie.html

    Das Buch hat jetzt nix mit Schwangerschaft zu tun, aber die Gefühlswelt erwachsener Hermaphroditen wird ganz anschaulich (ich kann sie mir zumindest so vorstellen).

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