≡ Menu

Ein bissel schwanger?

Grafik einer Eizelle, die gerade befruchtet wird

Sie kennen wahrscheinlich die Redensart: „Ein bissel schwanger gibts ned!” Aber das wirft, wie ich finde, eine interessante Frage auf: Ab wann ist Frau eigentlich schwanger? Gut, fragen wir Frau Wikipedia:

Die Schwangerschaft […] bezeichnet den Zeitraum, in dem eine befruchtete Eizelle im Körper einer werdenden Mutter zu einem Kind heranreift.

Gilt ned, gilt ned,” ruft u.a. die Kirche. Für die ist die Schwangerschaft selbst erst mal nicht so wichtig. Vielmehr interessiert sie der Beginn des Lebens und das ist für sie der Augenblick, an dem die Eizelle befruchtet ist – egal, ob im Körper einer Frau oder außerhalb. Auch der Gesetzgeber schützt zuerst das Embryo und stellt das Selbstbestimmungsrecht einer Frau hinten an.

Im § 4 des Embryonenschutzgesetz (ESchG) heißt es:

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer […] es unternimmt, eine Eizelle künstlich zu befruchten, ohne daß die Frau, deren Eizelle befruchtet wird, und der Mann, dessen Samenzelle für die Befruchtung verwendet wird, eingewilligt haben

Eine in Vitro Fertilisation, eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas also, ändert am Status des Embryo gar nichts. Für Kirche und Gesetzgeber sind humane Embryonen in der Präimplantationsphase Menschen … und keine Zellen. Kann man dann sagen, dass die Schwangerschaft also schon im Reagenzglas beginnt? Denn, wie gesagt, eine Befruchtung ohne Zustimmung und Wissen der Eltern ist nicht zulässig. Rechtlich gesehen ist es so, als hätte die Befruchtung im Mutterleib stattgefunden. Eine Schwangerschaft ohne Schwangere … irgendwie … Man könnte sagen, dass der Gesetzgeber den Eileiter virtuell ins Reagenzglas verlegt hat.

Aber vielleicht geht es Ihnen da eher wie mir: Weder kann, noch will ich mir eine Schwangerschaft ohne Schwangere vorstellen – womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären: Ab wann ist eine Frau eigentlich schwanger?

Während im Reagenzglas befruchtete Eizellen direkt in die Gebärmutter eingesetzt werden, muss die im Mutterleib befruchtete Eizelle den Eileiter hin zur Gebärmutter durchwandern und sich dann dort einnisten. Das gelingt ihr aber keineswegs immer. In immerhin 1-2 bis zwei Prozent der Schwangerschaften kommt es zu einer Eileiterschwangerschaft: Ein befruchtetes Ei, das sich in der Schleimhaut des Eileiters einnistet und dort wächst … was für die Schwangere lebensbedrohlich sein kann, wenn man das nicht rechtzeitig entdeckt:

Nicht rechtzeitig erkannt wird diese in vielen Fällen lebensbedrohlich für die werdende Mutter, da der Eileiter wenig dehnbar ist und irgendwann platzt (rupturiert). Dies hat umfangreiche innere Blutungen im Bauch der Mutter zur Folge und kann zu Kreislaufversagen und zum Schock führen. Die statistische Wahrscheinlichkeit einer Eileiterschwangerschaft gegenüber einer regulären Schwangerschaft liegt bei ca. 1–2 Prozent.

Ich persönlich stelle mir vor, dass eine Schwangerschaft in dem Augenblick beginnt, da sich die Eizelle an der Gebärmutter angedockt hat, um sich einzunisten. Bis dahin ist eine Frau gewissermaßen ein bissel schwanger … 🙂

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

Passwort aendern
Bitte Deine Email-Adresse eingeben. Ein neues Passwort wird Dir per Email zugeschickt.