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Annuntiatio domini

Bild Mariä Verkündung - von Leonardo Da Vinci (Bildquelle: Wikimedia.de)

Sie kennen das sicher: Sie erzählen jemandem etwas, der erzählt es einem anderen, und der andere wiederum einem anderen. Von Erzählung zu Erzählung ändert sich die Geschichte ein kleines bischen. Kann gut sein, dass der Kern erhalten bleibt, die Grundbotschaft aber, das Drumherum, kann sich dabei zum Teil dramatisch verändern.

In dieser Weihnachtswoche hab ich mir gedacht, mich ein bisschen mit spirituellen Aspekten der Schwangerschaft zu beschäftigen. Vor ein paar Tagen hatte ich hier Stephanie Skouras‘ Geburtserfahrung veröffentlicht. Sie erzählte von einer Energie, die sie hinter sich gespürt hatte, von Händen, die sie deutlich auf ihrer Schulter fühlen konnte und einer Stimme, die ihr sagte, sie müsse keine Angst haben, denn in fünf Minuten sei alles vorbei.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Gelegenheit der Veröffentlichung hatte – vor allem jetzt in dieser Zeit. Das eröffnet mir die Möglichkeit, auch mal über Engel oder (wie Stephanie es nannte) feinstofflichere Aspekte der Schwangerschaft zu erzählen.

Die Christen feiern i.d.R. am 25. März Annuntiatio domini – Mariä Verkündigung. In der Bibel heißt es, Maria erschien ein Engel und teilte ihr sowohl die Schwangerschaft mit, als auch, wie sie ihren Sohn nennen solle. Nehmen Sie jetzt einfach mal den Engel weg und konzentrieren sich nur auf die Erfahrung selbst: Ließe sich das nicht auch mit „die innere Stimme” umschreiben? Und ist es dann nicht dasselbe wie Stephanie es erlebt hat? Und viele andere Frauen auch?

Vor Jahren gingen vier Leute miteinander wandern. Zwei Männer, zwei Frauen. Sie kannten sich schon seit ihrer Schulzeit. Ihr Wanderweg führte sie an einem See vorbei in dem ein Storch badete. Störche sind in der Gegend, in der sie wanderten, eine wirkliche Seltenheit. Ohne Grund und Absicht drehte sich einer der beiden Männer um und sagte: „Oh, da ist wohl jemand schwanger …”. Dass er dabei einer der beiden Frauen direkt in die Augen sah, war weder seine Absicht, noch war ihm das bewusst, aber der Frau selbst, der er in die Augen schaute, durchfuhr es wie ein Blitz! Sie hatte sich ein paar Tage davor von ihrem Freund getrennt und nicht die leiseste Ahnung, dass sie schwanger war. Aber sie war es – wie der Test zeigte, den sie abends zur Sicherheit aus der Apotheke besorgte. In diesem Fall war es kein Engel, der „ihr die Schwangerschaft verkündete” – sondern ein Freund, der im Grunde gar nicht wusste, dass er das tat. Und ist das prinzipiell nicht auch dasselbe wie bei Mariä Verkündigung?!

Jetzt stellen Sie sich bitte einmal vor, direkt vor Ihren Augen erschiene ein Engel. So mit Flügel und so. Und der würde mit Ihnen sprechen … wem könnten Sie das erzählen? Müssten Sie nicht fürchten, in der Anstalt zu enden? Unter Dauermedikation?! Oder als Angeberin und Wichtigtuerin bezeichnet zu werden? Verstehen Sie, worauf ich hinaus will?

Die Schwangerschaft ist nicht nur in dem Sinne eine ganz besondere und wundervolle Zeit, als dass Sie halt ein Kind bekommen. Vielmehr ist sie auch eine Zeit voller Wunder! Dann jedenfalls, wenn es Ihnen gelingt, Ihr Herz dafür zu öffnen, dass es eine Menge gibt, das weit über das hinausgeht, was die Augen in Ihrem Kopf sehen können. Es ist nicht wichtig, ob Ihnen wirklich ein Engel eine Botschaft überbringt. Wichtig alleine ist, dass die Botschaft bei Ihnen ankommt – wie oder durch wen ist völlig gleichgültig! Und unter Botschaft lässt sich noch eine ganze Menge mehr verstehen, als „du bist schwanger …” 🙂

Wenn Sie mich fragen: Gott interessiert sich nur am Rande für Religionen – und wenn überhaupt, dann für alle im gleichen Maße. Viel wichtiger scheint mir zu sein, dass die Liebe, die von IHM/IHR ausgeht, bei Ihnen ankommt. Bei Ihnen und überall. Egal wie und egal durch wen. Darin liegt für mich die Botschaft und das eigentlich Zeitlose von Mariä Verkündigung.

Genießen Sie diese Zeit voller Wunder … 🙂

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