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Körper- und Atemarbeit in der Schwangerschaft

Schwangere in Wehen © Jyn - Fotolia.com

Über tausende von Jahren haben wir Menschen uns über unseren Körper definiert. Wir waren Jäger, Sammler, Bauern, Krieger usw.

Und in nur rund 25 Jahren wurden aus überwiegend sesshaften Menschen Sitzende … mit Folgen!

”You can change your life in a dance class!”

… sagt (Royston Maldoom) im Film „Rythm Is It.“ Der Film zeigt Maldooms Projekt-Arbeit mit Schülern aller Alterklassen und Gesellschaftsschichten bei den Proben zu einer Aufführung des Balletts Le Sacre du Printemps – aber es geht nur formal um Ballett.

Tatsächlich stehen die Schüler im Mittelpunkt und ihre Art, mit Ihrem Körper umzugehen, ihn zu verstehen, und darum eben durch Tanz zu einem größeren Vertrauen in sich selbst, in ihr Leben und zu mehr Kontrolle über dessen Richtung zu gelangen.

Mehr und mehr verbringen wir den größten Teil des Tages am Schreibtisch vor einem Bildschirm. Wir kommunizieren via Telefon, Skype oder mail – und (be)nutzen unseren Körper zum Halten des Telefonhörers, zum Tippen auf der Tastatur oder zum Bewegen der Maus. Dann noch ein bisschen beim Kochen und Aufräumen und im besten Falle noch im Fitness-Studio. Na ja, immerhin … 🙂

Für die Frau ist das größte Problem bei der Geburt die Wehe und die Frage ist, wie sie damit zurecht kommt. […] Deshalb ist die Atemarbeit das A & O. Atemarbeit wiederum kann ich aber nur auf Grundlage guter Körperarbeit machen.

(Hanna Fischer, Geburtsvorbereitung und Gebären)

Der Geburtsvorgang selbst ist hauptsächlich eine körperliche Aktion, und eine gute Geburtsvorbereitung hat damit zu tun, der Frau, wie Hanna Fischer es nennt, Werkzeuge an die Hand zu geben, mit den Wehen umzugehen und dazu braucht es

  • die Körperarbeit – um den Frauen eine Möglichkeit zu geben, ihren Körper zu erfahren (um ihm anschließend auch vertrauen zu können)
  • als auch die Atemarbeit.

Nicht wir müssen atmen, sondern der Körper atmet uns …

(Hanna Fischer, Geburtsvorbereitung und Gebären)

Ein interessanter Gedanke, nicht wahr?

Das würde bedeuten, dass nicht Sie das Kind bekommen, sondern Ihr Körper!

So gesehen ist das Bindeglied zwischen Ihnen und Ihrem Körper der Atem. Wir sind nicht der Körper, aber wir erfahren uns durch ihn. Das Problem ist, dass wir uns zwar über ihn erfahren, gleichzeitig aber immer weniger Erfahrung im Umgang mit ihm haben.

In der Folge verwechseln wir uns mit dem Zustand des Körpers, und statt die Kontrolle über den Körper auszuüben, werden wir zu einem Problem für ihn.

Das zeigt sich zum Beispiel bei einer Grippe. Da sagen Sie ja nicht: „Mein Körper ist krank,” da sagen Sie: „Ich bin krank …„ und vor allem während der Geburt ist diese Vorstellung absolut überflüssig und kontraproduktiv.

Wenn wir also den richtigen Gebrauch des Körpers entweder verlernt oder nie gelernt haben – vielleicht wäre es eine gute Idee, Geburtsvorbereitung als einen Tanzkurs zu verstehen, der Ihnen den Gebrauch des Körpers auf eine Weise näher bringt, die bei der Geburt Ihres Kindes dazu führt, Ihren Körper seine Arbeit machen zu lassen, während Sie sich selbst zurücklehnen, entspannen und die Geburt Ihres Kindes genießen … ein ungeheuerlicher Gedanke – finden Sie nicht? 🙂

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 1 comment… add one }
  • Schöner Beitrag!
    Die Aussage „Es atmet mich“ kannte ich schon vom Yoga. Ebenso die „Ich bin…“ Aussagen… „Ich bin ich!“ Sonst nichts. Alels andere sind Gefühle, Einstellungen, Zustände. Und die kann man ändern. Aber sie sind nicht meine Persönlichkeit. Klar sagen wir „ich bin krank“, denn wir stecken ja IN diesem Körper, aber richtiger wäre „ich fühle mich krank“.
    Naja, wie dem auch sei……. Der Körper meiner Tochter hat tolle Erkältungsviren mit nach Hause gebracht und mein Körper hat sie leider nun doch auch an sich gerissen und ist krank. Bäh!
    Darum heute nur ein paar Aufträge verpacken und verschicken und dann ab aufs Sofa mit meinem Buch und entspannen – wahrscheinlich schläft mein Körper dann auch gleich ein, denn er hatte eine unruhige Nacht mit seiner Schnupfennase und Kratzhals 🙁

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