≡ Menu

Hormonsystem und Geburt

Schwangere Frauen bei der Schwangerschaftsgymnastik (Bildquelle: Fotolia.de)

Ich hatte vorgestern ein sehr interessantes Gespräch mit einer Geburtsvorbereiterin, die mir erzählte, dass es einige Hebammen gibt, die im Grunde mit all dem Hormonkram in Bezug auf die Geburtsentwicklung nix anzufangen wissen und auch nicht für wichtig halten, schon auch, weil es ja noch als unbewiesen gilt. Kann ich verstehen. Die Hebammen. Auch wenn ich das für eine sehr bedauerliche Fehleinschätzung halte, denn fast unser gesamtes Menschsein wird über das Hormonsystem gesteuert. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendwer in Frage stellen könnte …

Das Hormonsystem ist ein unglaublich komplexes und kompliziertes Thema. Eines, das eine Schwangere im Grunde gar nicht verstehen muss. Vielleicht auch gar nicht will. Sie will ihr Kind bekommen. Und das möglichst gesund. Und wenn das halt weh tut, dann ist das halt so. Das ist seit tausenden von Jahren so, warum sollte sich das ändern?

Der Fötus-Ausstoß-Reflex

Dr. Michel Odent, einer der bekanntesten Gynäkologen unserer Zeit, spricht im Zusammenhang mit den hormonalen Prozessen während der Geburtsentwicklung von dem Fötus-Ausstoß-Reflex:

Very few people can understand what a fetus ejection reflex is because it is more often than not transformed into a second stage of labor with voluntary movements. It does not occur if there are several persons around. It does not occur if there is a birth attendant who behaves like a guide, or a ‚coach,‘ or a support person. It does not occur if somebody wants to ‚take care of the perineum.‘ It does not occur in the presence of the baby’s father. The best situation I know for a fetus ejection reflex is nobody around, but an experienced, low-profile, motherly, and silent midwife… a midwife able to remain silent even when the mother-to-be says silly words, such as, for example, „kill me,“ „let me die,“ etc… a midwife who will just make sure that the baby will not fall down on the floor.

Recht anschaulich, wie ich finde, beschreibt Odent in seinem Buch the functions of the orgasms die paradoxen Situationen, in denen Frauen mit sehr schnell aufeinander folgenden, unwiderstehlichen Wehen in sehr kurzer Zeit ihr Kind bekommen haben. Das kann unter Angst gewesen sein. Oder in Stille, Abgeschiedenheit und Dunkelheit. Es gibt kein einheitliches Schema – eher große Unwahrscheinlichkeiten, unter welchen Voraussetzungen dieser Fötus-Ausstoß-Reflex eben nicht zustande kommt. Es hängt davon ab, an welchem Punkt der Geburtsentwicklung welche Situation besteht – so jedenfalls Odent.

Ich persönlich glaube, dass Geburten ein Gesamtkonzert sind und abhängen von der Umgebung im Zusammenspiel mit den physiognomischen, emotionalen und mentalen Disposition der Gebärenden. Hormone vermitteln dazwischen. Das Interessante dabei ist, dass die Gebärende einen ganz erheblichen Einfluss auf die jeweilige hormonale Situation nehmen, und damit der Geburtsentwicklung eine Richtung geben kann.

Womit wir wieder bei einem meiner Lieblingsthemen angekommen wären: Geburtsvorbereitung – denn wo sonst kann man lernen, sich nicht nur auf die Geburt einzulassen, sondern während der Geburt bei sich zu bleiben und den Körper machen zu lassen?

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

Passwort aendern
Bitte Deine Email-Adresse eingeben. Ein neues Passwort wird Dir per Email zugeschickt.