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Ernährung – nicht nur für Schwangere der Wahnsinn!

Schwangere beim Pizzabelegen (Bildquelle: Fotolia.de)

Ich sage Ihnen, was meine Erkenntnis ist: Wenn Sie etwas über Ernährung wissen wollen, dann kaufen Sie sich ein Buch. Wenn Sie den Überblick verlieren wollen, kaufen Sie ein zweites …

Es ist ein Irrsinn, wieviel sich drastisch Widersprechendes veröffentlicht ist. Und gerade für Schwangere kann Unsicherheit eher negativere Folgen haben, als „das Falsche zu essen“! Hier mal ein paar Beispiele:

Im Büchlein 9 Monate (Amazon, 95 €cent), herausgegeben von Nestle Baby-Service (unter wissenschaftlichem Beirat u.a. von Prof. Dr. med. Dudenhausen) heißt es:

Also am besten bei Milch, Käse und Wurst zu fettarmen Sorten greifen oder einfach weniger davon essen […]

und der Gedanke, der dahinter steckt, lautet, dass in diesen fettarmen Milchprodukten weniger Fett aber die gleiche Nährstoffmenge enthalten ist.

Dr. Nicolai Worm hingegen meint, bei Quark lieber zur Vollfettstufe zu greifen, weil der eine wahre Calcium-Bombe ist und der höhere Fettanteil kein wirkliches Problem darstellt … und ich muss Ihnen nicht erklären, wie wichtig genügend Calcium für Sie und ihr heranwachsendes Baby ist.

Es gibt aber ebenso eine Fraktion von Naturheil(köstl)ern und Ernährungsberatern, die darauf hinweisen, dass die mit den tierischen Fetten mitgelieferten Phosphate nicht nur die Calciumaufnahme im Darm erschweren, sondern sogar ganz verhindern. Dieser Tage habe ich in einem der Foren gelesen, man könne (und solle) sich tierische Produkte ganz schenken, weil die nicht wirklich verwertbares Calcium liefern. Vor ein paar Jahren stolperte ich, um dem ganzen gleich noch die Krone aufzusetzen, über eine Studie, die einen Zusammenhang herstellte zwischen dem Verzehr von Milchprodukten und auftretender Osteoporose, der auf genau dem gleichen, schon geschilderten Gedanken aufbaute, tierische Milch würde die Calciumaufnahme blockieren und deshalb dazu führen, dass sich der Körper das so wichtige Calcium aus den Knochen holt.

Ebenfalls geistert ein Kalorienwert durch die Gegend: Schwangere hätten einen Mehrbedarf von ca. 200 Kalorien im Verhältnis zu Nichtschwangeren. Das ist nicht falsch, aber es ist auch nicht richtig – und schon mal gar nicht klar! Gelten diese zweihundert Kcal für alle Schwangere? Egal ob berufstätig oder nicht? Egal ob erstgebärend oder schon Mutter? Auch bei Mehrlingsschwangerschaften? Auch während größerere Anspannungen? Oder während des Urlaubs? Bleibt dieser Wert gleich während der Schwangerschaft? Also am Anfang genauso viel mehr, wie kurz vor der Geburt?

Eine andere, sehr häufig anzutreffende Weisheit lautet:

„In Meeresfrüchten steckt viel Eiweiß. Langusten, Shrimps oder Muscheln sollten in der Schwangerschaft jedoch nicht roh gegessen werden.“

Wie schlau ist das denn?! Ha’m Sie schon mal irgendwo rohe Shrimps angeboten bekommen? Die werden unmittelbar nach dem Fang und noch auf dem Schiff gekocht. Und wer käme auf die Idee, schwanger oder nicht, rohe Langusten zu essen? Muscheln werden frisch angeboten – aber von Austern abgesehen, welche davon würden Sie denn roh essen? Wäre es nicht viel einfacher zu sagen: Meiden Sie Austern und rohen Fisch …? … denn in Sushi ist gerne roher Fisch …

Wissen Sie, was ich glaube? Ein bisschen Maß halten, wenn Sie hemmungslose Essgelüste überkommen, egal ob schwanger oder nicht, hat noch nie geschadet. Gelegentlich dem Nachzugeben, auch nicht! Das wichtigste überhaupt, so scheint mir jedenfalls, ist, mit großem Appetit und Genuss zu essen. Wenn Sie sich selbst was zu essen machen, ist es großartig, wenn Ihnen bei der Vorfreude auf den gleich kommenden Genuss das Wasser im Mund zusammen läuft. Nichts ist für eine gute Verwertung besser als das. Die hoffentlich anzutreffende Vernunft wird Ihnen schon sagen, dass diese eine Rippe Schokolade absolut ok war, der Rest der Tafel morgen aber auch noch schmeckt …

Und wenn Sie ein bissel mehr zugenommen haben, als gedacht – na und? Ist das jetzt falsch? Oder richtig? Oder egal? Wer kann das sagen? Ein Arzt vielleicht, der eine Statistik sieht und nicht sie? Bleiben Sie entspannt, essen Sie mit Genuss, bleiben Sie ein bissel Vernünftig und Sie werden Ihr Baby genauso gut bekommen, wie Milliarden anderer Frauen vor Ihnen auch … 🙂

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 3 comments… add one }
  • Ich denk auch, dass man sich weder mästen noch abhungern sollte. Wer sich darauf achtet was er isst und auf seinen Körper hört kann doch garnicht falsch liegen.

  • Noch verrückter wird es, wenn man engischsprachige Bücher dazu nimmt. Einen Bestseller aus den USA vielleicht, oder aus Großbritannien. Davon hätte ich hier 5-6 Ratgeber anzubieten. In England gilt ein Gläschen Alkohol zum Essen noch als akzeptabel, von Leberwurst wird in UK wegen des dort höheren Vitamin A Gehalt abgeraten, rohe Wurst und viele Käsesorten gehen auch nicht. Die Liste der Do’s und Don’ts ist lang und am Ende bleibt mehr Unsicherheit als vor dem Lesen des Ratgebers. Leider alles nicht so einfach, die Kalorien sind da noch das geringste Problem.

  • Ich halte auch nicht so viel von all den „Regeln“ oder DOs and DONTs… Ich insgesamt esse vernünftig, aber es ist auch mal ein roher Hering/Lachs oder ein Stück Camembert dabei. Und abends mal ein Stück Schokolade (ehrlich gesagt dann meistens ehr die ganze Tafel) finde ich auch nicht verwerflich, solange es nicht völlig unkontolliert ausartet 🙂
    Ich möchte diesen „Ausnahmezustand“ doch genießen – und mich nicht kasteien!

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