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Hormone, Bonding und Zeit zum Ankommen

Mama mit Neugeborenen im Arm (Bildquelle: Fotolia.de)

Wussten Sie, dass eine Schwangere während der Geburt in einem Ozean von Hormonen schwimmt? Natürlich wussten Sie das, und wussten Sie, dass der Höhepunkt dieser Hormonorgie nach der Geburt erklommen wird? Interessant, nicht wahr? Und doch folgerichtig, denn ein Teil der Hormone muss zum einen dafür sorgen, dass der Mutterkuchen ausgestoßen wird und ein anderer Teil (und mit dem ersten Teil zusammen) muss für das Überleben der jungen Mutter sorgen, in dem es die Blutung stillt, die entsteht, wenn sich der Mutterkuchen von der Gebärmutter ablöst.

Zellwachstum wird zu einem sehr beträchtlichen Teil über Hormone gesteuert – auch das Ihres Babys nach der Geburt. Und da Sie bis zur Abnabelung mit Ihrem Baby über die Nabelschnur verbunden sind, ist es so wichtig, sich mit dem Abnabeln bis zum Ausbluten Zeit zu lassen. Ihr Baby braucht eine Art Anschubfinanzierung, wenn man so will, eine Art Startversorgung mit Hormonen, die ausreicht, bis das eigene System stabil funktioniert. Und dass Sie da auch Klarheit haben: Es ist egal, ob Sie einen Jungen oder ein Mädchen bekommen haben und mit Hormonen versorgen:

Generell finden wir auch beim Mann alle Hormon-Arten die bei der Frau vorkommen – selbst Wehenhormone, Milchbildungshormone, Gelbkörperhormon, alle Östrogenarten, usw. Was ihn (Anm.: den Mann) wesentlich von der Frau unterscheidet, sind Rhythmus und Dosierung der Hormonausschüttung. (Elisabeth Buchner, Wenn Körper und Gefühle Achterbahn spielen …)

Es hat lange gedauert, bis die Frauenheilkunde damit begonnen hat, zu verstehen, wie wichtig es ist, ein Bonding nicht nur zuzulassen, sondern sogar zu fördern und eben nicht schnell abzunabeln, sauber zu machen und dann erst das Baby zurück zur Mutter zu bringen. Und erstaunlicherweise, jedenfalls für mich, ist, dass das keineswegs Allgemeinwissen zu sein scheint, denn noch immer wird (wahrscheinlich) in den meisten Kliniken schnell abgenabelt.

Es gibt einen weiteren Punkt: Die Nabelschnur verbindet ja nicht nur die beiden Versorgungsströme von Mutter und Kind, es sorgt auch dafür, dass die Menge der Hormone über diese beiden Organismen verteilt werden – was auf jeden Fall den Vorteil hat, dass durch das Ausbluten der Nabelschnur, was ja sehr sanft geschieht, die Hormondosis im Blutkreislauf der Frau sanft zur Deregulierung übergeht – statt hammerhart duch das abrupte Abnabeln. Die Zeit des Bondings führt eben auch dazu, dass der Körper der Frau sich sanfter anpassen kann.

Wenn Sie in der Klinik entbinden wollen, was ja mit Abstand die meisten Frauen tun, dann nehmen Sie sich die Zeit, und schauen sich vorher die verschiedenen Angebote an. Fragen Sie unbedingt danach, in Ihrem ureigensten Interesse, ob man Ihnen, Ihrem Baby (und Ihrem Mann) die Zeit fürs Bonding lassen wird.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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