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Geborgenheit und Sicherheit während der Geburt

Steine in Balance (Bildquelle: Fotolia.de)

Ich hatte grade ein wirklich bemerkenswertes Erlebnis: Während ich mich durch die Regelkreise der Hormonausschüttungen bei der Geburt kämpfe und überlege, wie sich das am besten so bescheiben lässt, dass auch einfachere Gemüter eine Chance haben, zu verstehen, worauf es ankommt, nervt meine kleine Katze. Sie miaut und miaut und lässt mir keine Ruhe. Eigentlich ist sie um diese Zeit müde, aber heute will sie einfach keine Ruhe geben. Irgendwann sitze ich auf der Couch, denke nach, und meine kleine Katze kommt, taucht unter meinem Arm durch und legt sich eng an mein Bein auf die Seite, so dass meine Hand auf ihrer anderen Seite liegt – und während ich sie kraule, schläft sie unter meinem Arm, unter meiner Hand, ein. Ein Zeit lang zuckt noch ihre Schwanzspitze, bis da endlich auch alles ruhig wird. Dann, wieder nach einer kleinen Weile, die letzten Muskelzuckungen, die schon ein bisschen davon erzählen, dass sie angefangen hat, zu träumen … oder, wenn man so will, dass sich die Nervenbahnen entladen und in Ruhestellung fahren.

Ich glaube, das ist der Schlüssel bei der Frage: Soll jemand, soll mein Partner oder wer auch immer, mit mir in den Kreißsaal gehen, oder geh ich lieber alleine. Es ist eine Frage, die Sie sehr klug und mit Bedacht entscheiden sollten – und schon gar nicht überstürzt. Bei meiner kleinen Katze war es heute offensichtlich so, dass sie Sicherheit und Geborgenheit suchte, um einschlafen zu können und sie fand sie direkt neben mir unter meinem Arm. Wenn Ihnen eine Person, wer auch immer das sein mag, Ihnen dieses Gefühl der Geborgenheit während der Geburt geben kann, dann ist diese Person für Sie Gold wert! Dann wird Ihnen diese Gegenwart enorm helfen können. Wenn nicht – was soll dann diese Person im Kreißsaal?

Die Geburtsentwicklung, ich schrieb das gestern schon, wird auf der körperlichen Ebene dramatisch von den Hormonen gesteuert. Über ein sehr komplexes System, bei denen Reize eine große Rolle spielen, Zeit, und die ganz persönlichen, oft tief verborgenen Ängste und Vorstellungen der niederkommenden Frau. Die beiden Hormone Adrenalin und Noradrenalin spielen beide eine Rolle – und welche Rolle sie spielen, hängt davon ab, in welchem Verhältnis sie mengenmäßig zueinander stehen. Es ist eine sehr feine Balance – sowie fast das ganze Hormonsystem eher so ausgelegt ist, dass mehr Hormone im Umlauf sind, als eigentlich gebraucht werden, aber in einem solchen Verhältnis, dass sich deren Wirkungen gegenseitig aufheben. Das ist eine Art Sicherheitsmechanismus für den gesamten Organismus, so dass die Wirkung, wenn sie denn eintritt, sehr schnell und überall eintritt, wo sich Zellen finden, die für die jeweiligen Hormone empfänglich sind.

Adrenalin, um ein Beispiel zu geben, dämpft u.a. die Schmerzempfindung und wird deshalb gebraucht. Gleichzeitig aber blockiert es die Gebursentwicklung, um im Falle eines Falles kämpfen oder fliehen zu können. Was nun gerade der Fall ist, also eher Schmerzlinderung oder Kampf/Flucht-Reflex, hängt u.a. davon ab, in welchem Verhältnis es zu Noradrenalin steht, denn dieses wiederum hat eher die Aufgabe, die Geburtsentwicklung voran zu treiben. Es sind im Grund ziemlich geringe Mengen, die den Organismus, und damit Ihr Geburtserlebnis in die eine oder andere Richtung kippen lassen.

Wenn Sie bei der Geburt jemanden dabei haben, der Ihnen dieses starke Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit geben kann, wird das Adrenalin ganz von selbst in einem Verhältnis zu Noradrenalin stabilisiert, das die Geburtsentwicklung voranschreiten lässt, ohne dabei die Schmerzen zu groß werden zu lassen, denn am Ende will der Körper den Fötus ausstoßen – und das sogar, wenn möglich, sehr schnell. Geht Ihnen aber während der Geburtsentwicklung irgend etwas Störendes durch den Kopf, vielleicht weil Ihr Partner Ihnen auf die Nerven geht, steigt der Adrenalinwert im Verhältnis zu Noradrenalin an und die Geburtsentwicklung gerät ins Stocken. Sie dauert länger, ist erschöpfender und kann auch schmerzhafter sein, weil sich ja das Noradrenalin wieder neu einpegeln muss.

Natürlich ist das eine sehr vereinfachte Darstellung eines sehr komplexen Regelkreislaufs, aber im Grunde läuft es auf solche Mechanismen hinaus. Immer mehr gewinne ich persönlich die Einsicht, es kann viel wichtiger und besser sein, niemanden mit zur Geburt in den Kreißsaal zu nehmen und lieber draußen warten zu lassen, wenn nicht wirklich sehr gute Gründe für die Anwesenheit Ihres Partners oder wem auch immer sprechen. Nochmal: Wählen Sie sorgfältig und mit Bedacht … und …

genießen Sie die Zeit … 🙂

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