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Die Männer sind auch schwanger – nur anders

Rennender Vater mit Kinderwagen vor sich (Bildquelle: Fotolia.de)

Schon klar, dass es die Frauen sind, die die Kinder gebären – es sind aber schon Mama und Papa, die das Kind bekommen, nicht wahr? Und ist es da verwunderlich, dass Männer auch schwanger werden, nur eben anders? Und wer wäre jetzt überrascht zu hören, dass Männer auf solche Nachrichten wie „Du Schatz, ich bin schwanger” in ihrem Inneren, unsichtbar also, durchaus  gänzlich anders reagieren, als die werdende Mama?

Natürlich ist es schwierig oder gar unmöglich, eine Zustandsbeschreibung für alle Männer abzugeben, aber es braucht nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, dass sie es schwerer haben mit durchschlagendem (Tor-)Jubel auf etwas zu reagieren, das man weder sofort fahren, noch anfassen oder wenigstens in einem Katalog betrachten kann.

Darüber hinaus haben Männer immer auch die (stets unbekannte) Erwartungshaltung ihrer Partnerin im Auge:

  • Will Sie das Kind überhaupt und darf ich mich jetzt freuen?
  • Will sie es vielleicht gar nicht und setze ich sie mit dem Jubel unter Druck? – Jetzt nur keinen Fehler machen …

Es ist also auch eine Frage, unter welchen Umständen und auf welche Weise ein Mann von seiner gerade begonnenen Vaterschaft erfährt.

Schließlich müssen Sie noch die Grundkonstellation des Mannes bedenken, die zu ganz spontanen und durchaus brachialen Gedanken führen können, von denen die Herren der Schöpfung auch instinktiv wissen, dass jetzt ein ganz schlechter Zeitpunkt wäre, sie (auch so) zu formulieren – etwa wie:

  • Von mir?!
  • Jetzt? Wieso jetzt?
  • Das auch noch! Und was kann ich jetzt dagegen machen?
  • Die verarscht mich doch, oder? Ne jetzt, oder doch?
  • Endlich!

Nehmen Sie alleine den letzten Gedanken – Endlich! – der eigentlich große Freude zum Ausdruck bringt. Sagt er das jetzt aber so, so ohne gut durchdachte Betonung, klingt es wie ein Vorwurf … sehr gefährlich! Und wenn jemand in seinem Inneren den Gedanken empfängt von mir?! dann kann das völlig verschiedene Bedeutung haben. Es kann meinen, er hat Zweifel, der Vater zu sein, es kann bedeuten, dass er voller Stolz meint „Ha! Von mir! Jawoll!” … und es kann auch absolut gar nichts bedeuten … Versuchen Sie mal, solche Gedanken in aller Eile und dieser Situation sauber rauszubringen  … 🙂

Und das ist ja nur der Anfang – die erste Klippe, wenn Sie so wollen. Danach folgt ja die ganz lange Zeit, während der die Masterminds tief in ihrem Innersten außerordentlich schwierige Großbaustellen in Angriff nehmen. Die einen (über-)stürzen sich in Schutzgesten und -handlungen und lassen ihre schwangeren Frauen nur noch ungern alleine zur Toilette oder machen Ihnen größte Vorwürfe, weil Sie die Karotten ohne fremde Hilfe vom Kühlschrank ins Wohnzimmer geholt haben. Oder sie überlegen, wo sie auf die Schnelle ein neues Haus her kriegen und was – um Gottes Willen! – jetzt aus ihrem Sport-Cabriolet werden soll. Oder, ja leider auch, wie sie jetzt auf die Schnelle hier weg kommen, was das alles für sie bedeutet, was es sie kosten wird und ob damit ihre Freiheit für alle Zeit beendet ist … Und das alles findet, wie schon gesagt, tief im Inneren der Männer statt, die auf dem Weg zum Papa sind. Das tragen sie nicht auf der Zunge spazieren.

Für Männer ist sowohl Ihre wie ihre Schwangerschaft immer wieder auch eine schwierige Zeit, ob Sie das nun glauben oder nicht. Es ist ein bissel, wie bei einem Fußballspiel im Fernsehen. Vielleicht hat die eigene Mannschaft grade ein Tor gekriegt. Das schmerzt zwar, aber das Spiel läuft ja noch – es kann sich also in jedem Augenblick wieder alles ändern. Der Situation entsprechend wandern also die Augen ständig zwischen Uhr und Spiel hin und her. Will heißen: Ok, wir sind schwanger – und jetzt? Man sieht ja immer noch nix? Männer sind ja eher auf Tempo fixiert. Können Sie sich vorstellen, was es da bedeutet, schon eine ganze Woche nach der Meldung immer noch kein Kind zu haben?!! Und nach zwei Wochen auch noch nicht! Das ist, als ob alles gar nicht wahr wäre …

Und können Sie sich vorstellen, wie das für einen Mann ist, einem Zustand ausgesetzt zu sein, den er so gar nicht beeinflussen kann?!

Männer brauchen ihre Zeit, sich mit der werdenden Vaterschaft vertraut zu machen. Und das mag für sie vielleicht sogar schwieriger sein, als für Frauen, weil in ihnen eben keine hormonale Veränderung stattfindet! Alles, was sich in ihnen ändern muss, müssen sie selbst machen.  Und es muss sich einiges verändern. Da drängt sich neues Leben unaufhaltsam zwischen sie und ihre Partnerinnen – und sie können nichts dagegen tun. Da ist Verantwortung für ein neues Leben entstanden, das sie im Augenblick weder anfassen noch beeinflussen können. Und sie müssen sich darauf einstellen, dass sich ihr Lebensstil ändert, ohne genau abschätzen zu können, wie. Vielleicht klingt das witzig, ist es vielleicht sogar auch – aber es ist nicht Ohne! Das geht ganz ganz tief.

Vielleicht braucht auch Ihr Partner es jetzt öfter mal, in die Arme genommen zu werden, oder zärtliches Geflüster, wie froh Sie sind, dass er da ist … Vielleicht müssen Sie ihn auch ein bissel in Ruhe lassen, so dass er sich in sich klären kann.

Machen Sie sich einfach klar, dass viele Ihrer veränderten Gefühle und Gedanken vor allem von Hormonen gesteuert sind – bei Ihrem Mann aber nicht … 🙂

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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