Teil 2: Geburt und Selbstvertrauen

by rk-f

"Creating Your Birth Plan", englisch, Amazon ab ca € 3,95 zzgl. Versand

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In meinem vorangegangenen Artikel hatte ich die folgende Übersetzung schon angekündigt, die Wagners Kapitel “Den angemessenen Einsatz von Medikamenten und Kräutern sicherstellen” eröffnet.

Für mein Gefühl zeigt dieser Bericht einer sechsfachen Mutter sehr anschaulich, was es bedeutet, Selbstvertrauen zu haben und aus diesem Selbstvertrauen heraus Entscheidungen treffen zu können – und deshalb habe ich mich dafür entschieden, diesen Bericht, auch wenn er etwas länger ist als meine üblichen Artikel, hier abzubilden.

Nun fußt das Selbstvertrauen dieser Frau auf ihrer Ausbildung als Geburtsbegleiterin, aber soweit muss man gar nicht gehen. Eine vernünftige Geburtsvorbereitung ist schon mal eine ganz ordentliche Grundlage. Vielleicht gibt es auch andere Voraussetzungen, vielleicht muss es gar keine konkrete Geburtsvorbereitung sein. Es ist nur so, dass sich die Klagen der Hebammen in den Kliniken häufen, die Gebärenden seien völlig unvorbereitet, verkrampft und in so manchem völlig hilflos …

Hier also ein Auszug aus Dr. Marsden Wagners Buch “Creating your Birth Plan“:

Leslie ist ausgebildete Geburtsbegleiterin und Mutter von sechs Kindern, die sie über den Zeitraum von 3 Dekaden auf die unterschiedlichste Weise zur Welt brachte. Immer gebar sie mit Hilfe einer Hebamme, obwohl die Geburten selbst an verschiedenen Orten über die Bühne gingen: Zu Hause, in einem Geburtshaus und in der Klinik. Ihr erstes Kind brachte Sie zu Hause zur Welt, als sie etwas über zwanzig Jahre war. Ihre beiden letzten Kinder bekam sie in ihren Vierzigern in der Klinik. Obwohl ihre vorletzte Geburt unproblematisch gewesen war, entschied sie sich für die zur Zuhilfename von medizinischen Mitteln. Mit ihren eigenen Worten:

“Ich erhielt eine angemessene und angenehme Dosis Pitocin zusammen mit einer Epiduralanästhesie, was ich mir nie hätte vorstellen können, wenn ich nicht schon in diesem Alter gewesen wäre. Die Durchführung geschah sehr liebevoll und führte zu einem wundervollen Ergebnis. Aber wenn Ihnen jemand erzählt, es sei dasselbe wie eine normale Geburt, erzählt er Ihnen Quatsch. Sie fühlen sich abgekoppelt. Es ist etwas medizinisches – und deshalb fühlt es sich auch anders an.”

Leslie entschied sich, ihr Kind in einem Geburtshaus zu bekommen, in New England, ihrer Heimatstadt, nur über die Straße von einer Klinik. Sie wollte Ihr Kind mit einer Hebamme zur Welt bringen, und da sie während ihrer Schwangerschaft ein wenig anämisch wurde, wollte sie doch auch in der Nähe einer Klinik sein, so dass sie schnell Hilfe bekommen könnte, wenn das nötig sein sollte. Sie wusste, dass die Hebammen im Geburtshaus einen guten Draht zur Klink hatten, so dass sie nicht Gefahr lief, im Ernstfall Opfer eines Kompetenzstreits zu werden.

Leslies Blasensprung war um Mitternacht. Darauf hin ging sie ins Geburtshaus. Sie hatte eine einzige große Wehe und das wars dann auch schon. Sie besprach sich mit der Hebamme und sie beschlossen beide, erst mal einfach nichts zu tun und zu warten.

“Als es schließlich 8 Uhr am Morgen war,” sagte Leslie, “hatte ich das Gefühl, jetzt etwas unternehmen zu müssen. Als erfahrene Mutter war mir klar, wie erschöpft ich mich fühlte und wie träge mein Muttermund war. Meine Hebamme war großartig: ‘Was willst du machen?’ fragte sie. ‘Wir machen, was immer du willst: Du kannst Kräutertee haben, wir können deine Warzen stimulieren oder kannst herum laufen – was immer du willst, um die Wehen in Gang zu setzen, machen wir.‘ Jeder überließ mir die Entscheidung. Wenn jeder dir die Entscheidung überlässt, wenn du selbst entscheiden kannst, macht das einen riesigen Unterschied! Es stärkt dein Selbstvertrauen. Ich hörte auf meine innere Stimme und sagte dann: Ich will Pitocin und eine Epi – und ich war sicher, das eine nicht ohne das andere zu wollen.”

Leslie hatte reichlich Erfahrungen mit Nachgeburtsberatungen mit vielen anderen Müttern, deren Geburt aus irgendeinem Grund schiefgelaufen war. Aus diesen Gesprächen hatte sie gelernt, dass das größte Problem oft darin bestanden hatte, keine Entscheidungsmöglichkeit gehabt zu haben, als es darum gegangen war, möglicherweise das Baby zu verlieren. Es war der Faktor, der bei diesen Frauen die größten emotionalen Probleme verursachte und auch zu Schwierigkeiten führte, mit dem Baby ein Bonding einzugehen. Leslie wusste also, dass eine Frau tun muss, was sie eben tun muss! Wenn es dazu kam, dass sie würde Hilfe in Anspruch nehmen müssen, wollte sie das nicht als Niederlage, sondern als Erfolg betrachten. Das Ziel war die Stärkung des Selbstvertrauens. Und dazu sagte sie:

“Das Paradoxe daran ist, dass, um zu mehr Selbstvertrauen zu kommen, man manchmal loslassen und vom eigenen Willen loskommen muss, um das Wohlergehen des Babys im Auge zu behalten.

Ich traf für mich die richtige Entscheidung. Die Risiken, auf Grund des weit zurückliegenden Blasensprungs bei meinem Baby eine Infektion zu verursachen und dazu noch meine Anämie machten mir klar, dass das Baby jetzt kommen muss! Vier mal war ich schon durch diesen Prozess gegangen – ich konnte also beurteilen, ob es in diesem frühen Stadium der Wehen zu sein einen Unterschied gab. Zwei Stunden später riefen wir den Anästhesisten an. Ich ging über die Straße in die Klinik, bekam die Epi und das Pitocin und eineinhalb Stunden später war das Baby da. Jeder einzelne Schritt, den ich machte, war angemessen, beruhte auf meinem Wissen und meinem Verständnis sowohl meines Körpers als auch des Ablaufs. Das Baby war gesund und ich war nicht müde. Er war beschützt und ich war es, denn die Wehen dauerten nicht lange oder zogen sich hin. Für mich war es wichtig, selbst die Entscheidung getroffen zu haben.

Leslie führte weiter aus:

“Nach einer Epiduralanästhesie denken sich viele Frauen: ‘warum habe ich denn keine natürliche Geburt gehabt?’ Die Wahrheit ist, zwischen Schmerzen zu überleben und sie zu ertragen liegt das Gold! Man kann es auch anderweitig finden, vielleicht beim Schreiben eines Buches oder beim Dienst in der Armee. Eine natürliche Geburt ist wohl der tiefgehendste Weg zu der goldenen Erfahrung des eigenen Selbst, schon weil die Geburt seit langer Zeit der Kontrolle der Frauen entzogen war. Ich glaube nicht, dass man etwas intensiveres erleben kann. Wenn man da einmal durch gegangen ist, erkennt man, dass man sein Schicksal in den eigenen Händen hält. Wenn man fast schutzlos ist und vielleicht unter unerträglichen Schmerzen trotzdem eine Wahl ausüben kann, während ein anderes Wesen aus Ihnen heraus platzen will, dann wissen Sie, dass Sie stark sind und in Ihrer Mitte, ganz gleich was um Sie herum ist.”

Genießen Sie die Zeit …

Dieser Artikel stammt von ...

– Autor von 572 Artikeln auf Das Schwangerschafts-Erlebnis.

Meine wichtigsten Themen sind Spiritualität im Alltag, spirituelle Freiheit und persönliche Entfaltung. Schwangerschaften sind für mich schon deshalb von besonderem Interesse, weil sich für die Dauer der Schwangerschaft zwei Wesen einen Körper teilen. Daraus ergeben sich immer wieder sehr spannende Erlebnisse, die den Schwangeren selbst oft gar nicht wirklich bewusst sind.

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