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Unnötige Behandlungen?

Es gibt ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Schwangeren. Ich glaube, das besteht zu Recht!

Es gibt ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Schwangeren. Ich glaube, das besteht zu Recht!

Ein Vorwurf, den es immer wieder gibt lautet: Frauenärzte führen zu viele und vor allem unnötige Untersuchungen an Schwangeren durch, was zum einen lediglich das Ganze verteuert (sprich: den Geldbeutel des Arztes füllt) und zum anderen die Verunsicherung der Schwangeren selbst vergrößert.

Erstaunlicher Vorwurf! Bedeutet er doch, dass Ärzte Beutelschneider sind und weniger das Wohl ihrer Patienten im Auge haben. Wer oder was rechtfertigt eigentlich einen solchen Vorwurf? Ich halte ihn für falsch und unangemessen!

Als erstes setze ich persönlich mal darauf, dass es zwischen Arzt und Patientin, also in unserem Themenbereich der Schwangeren, ein tiefes Vertrauensverhältnis gibt. Welche Frau zieht sich schon aus, legt sich breitbeinig auf den Stuhl und lässt sich in ihrem intimsten Bereich herumfingern von jemandem, dem sie nicht vertraut?! Und, wer möchte soweit gehen, dass Ärzte – und hier steht ja ein wahlloser Plural! – dieses Vertrauensverhältnis derart missbrauchen, dass sie ihre Patientinnen aus den Augen verlieren und nur noch ihr Konto im Blickfeld haben? Wer kann schon sagen, aus welchen Gründen ein Arzt welche Untersuchung durchführt? Selbst zwei Ärzte können doch durchaus unterschiedlicher Meinung darüber sein, was man jetzt – und vielleicht später braucht, wie also kommt dann jemand dazu, der kein Mediziner ist, zu unterstellen, Untersuchungen seien überflüssig?

Der Zahler der ärztlichen Leistungen sind die Krankenkassen. Wollen wir jetzt ernsthaft unterstellen, dass Krankenkassen zu doof sind, überflüssige Leistungen nicht zu erkennen und zu bezweifeln? Immer mehr greifen die Kassen in die Entscheidungsfreiheiten von Ärzten ein, um die Kosten zu deckeln – und glaubt da irgendjemand wirklich, dass die Kassen da bei Leistungen für Schwangere Halt machen?!

Offen gestanden, ich mag solche pauschalen Verurteilungen nicht. Es ist das gleiche als würde ich sagen, alle Blondinen sind hohl im Kopf und Mann muss nur „Hallooho“ rufen und schon machen die sich nackig.

Können wir nicht einfach mehr Respekt für einander aufbringen und als erstes mal unterstellen, dass ein Arzt ebenso integer ist, wie die Patientin oder die Schwangere die zu ihm kommt?

Umgekehrt wird ein Schuh draus! Schwangere sollten sich selbst dazu anhalten, alles in Erfahrung darüber zu bringen, was während ihrer Schwangerschaft wichtig ist, was nicht so wichtig ist und was man weglassen kann und dann, mit ihrem ganzen Selbstvertrauen ihrem Arzt gegenübertreten und ihm sagen, was sie will und was nicht. Nur: wie soll sie das denn machen? Soll sie ein Medizinstudium machen? Soll sie eine Hebamme fragen, was ihr Arzt bei ihr untersuchen soll und was nicht?

Zu einem Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Schwangeren gehört auch ein bisschen Mut seitens der Schwangeren. Mut, ihren Arzt zu fragen, wozu diese oder jene Untersuchung notwendig ist. Aber, ehrlich mal, isses nicht eher umgekehrt? Isses nicht eher so, dass viele Schwangere gerne ihr Geldbeutelchen öffnen, um ein schickes 3-D-Ultraschallbild mitzunehmen? Sehr wichtig, kann ich Ihnen sagen, absolut notwendig … 😉

So manches mal hat mir ein Arzt gesagt, er führe gerne die ganze Palette an Untersuchungen durch – nicht weil alle davon wichtig oder notwendig wären. Aber immer wieder ist man froh, wenn sich im Laufe der Zeit etwas sonderbar darstellt und man die gemachten Untersuchungsberichte durchsehen kann, um auf diese Weise zu wichtigen Erkenntnissen zu kommen.

Bleiben Sie entspannt. Reden Sie mit Ihrem Arzt – er ist für Sie da und er gibt Ihnen gerne Antwort. Und wenn Sie den Eindruck haben, bei dem sei nicht alles koscher, dann frage ich mich allen Ernstes, was Sie bei dem machen …

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 3 comments… add one }
  • Bei meinem ersten Besuch beim FA, als ich wusste das ich schwanger bin, wurde mir eine Liste mit allen möglichen Untersuchungen vorgelegt, die man in der SS so durchführen kann.
    Ich selber hatte mich entschlossen nur die Ultraschalluntersuchungen beim FA machen zu lassen und die restliche Vorsorge bei meiner Hebamme.
    Als ich der Sprechstundenhilfe (denn diese und nicht der Arzt selbst hat die Palette von Leistungen mit mir besprochen) das mitgeteilt habe und auch das ich keine Nackenfaltenmessung u.ä. machen lassen wolle, war die etwas patzige Antwort:
    „Die Frau Doktor wird dann gleich noch mal mit Ihnen besprechen ob das sinnvoll ist“!
    Ich habe mich mit meiner Entscheidung, mich von meiner Hebamme betreuen zu lassen, die mich immer ermutigt hat auf mein Gefühl zu hören und mir zum Beispiel auch erklärt hat, dass man durch gesunde und gezielte Ernährung auf Nahrungsergänzungsmittel wie Folsäure und Eisenpräparate verzichten, sehr wohl gefühlt und würde das immer wieder so machen.
    Denn genau da hatte ich dieses wichtige Vertrauensverhältnis dass Raimund angesprochen hat!

  • dg-d

    Vielleicht noch ein Tipp: auch Hebammen dürfen die Schwangerschaftsvorsorge übernehmen.
    Meine Hebamme hat mich sehr objektiv beraten und Hand in Hand mit meiner Frauenärztin gearbeitet. Das war wunderbar!

    Und deine Anregung ist super Raimund: Bitte liebe Schwangere hinterfragt, was mit euch gemacht wird! Es ist Eure Schwangerschaft und Ihr habt eine Eigenverantwortung! Ergreift Sie!

  • Was mich total überrascht, ist, dass jetzt schon die Sprechstundenhilfen solche Leistungen „verkaufen“! Für mein persönliches Gefühl geht das zu weit!

    Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Gynäkologen/der Gynäkologin und der Schwangeren ist von großer Bedeutung und welches Maß dieses Vertrauen erreicht hat, zeigt sich in der Übernahme von Verantwortung. Verantwortung kann man nicht delegieren! Ein Frauenarzt muss, wenn er seiner Verantwortung gerecht werden will, selbst mit seiner Patientin darüber sprechen, welche Untersuchungen es gibt, worauf die abzielen, was davon in ihrem Fall tatsächlich wichtig und angezeigt ist. Wenn ein Frauenarzt das nicht macht und den „Verkauf möglicher Dienstleistungen“ an den Tresen seiner Sprechstundenhilfen schiebt, verlässt er eigentlich nicht nur das Vertrauensverhältnis und die Vertrauensgarantie, er verlässt sogar den Boden des Freiberuflers, der er eigentlich ist, und wird zum Dienstleister, zu einer Firma also … und das ist dann doch noch mal was anderes!

    Danke für den Kommentar! Sehr aufschlussreich!

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