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Bunte Menschen – Wilderness BodyPainting Teil II

Projekt Sommerwiese, Rosel Grassmann, 1997

Projekt Sommerwiese, Rosel Grassmann, 1997

Menschen haben sich zu allen Zeiten bemalt. Es ist eine uralte Kultur – vielleicht sogar die ursprünglichste Kunstform. Sich seiner Umgebung anzupassen, sich zu tarnen, sind sicher zwei mögliche Beweggründe. Ich vermute allerdings sehr viel spirituellere Motive dahinter. Dem Embryo sagt man nach, es durchlaufe alle Stadien der Menschwerdung – vom Einzeller über Amphibien bis hin zur eigentlichen Menschenform. Und das Bemalen scheint mir auf genau das gleiche hinauszulaufen.

Wenn man sich durch die Geschichten in Rosel Grassmanns Buch Bunte Menschen liest, stößt man auf tatsächlich all diese Stadien der Menschwerdung: Eine Rankpflanze sein zu wollen, eine Schlange, ein Vogel. Und durch die Vorbereitung auf die Session, durch das Sammeln von Material und schließlich durch die Bemalung, durch Authentic Movements in der Tanzhalle ohne Musik, schlüpfen die Beteiligten tatsächlich in ihre Rollen und verkörpern sie im wahrsten Sinne des Wortes.

Was bewegt nun Schwangere dazu, sich zum einen den Bauch zu bemalen, oder, wie hier beim Wilderness BodyPainting Projekt sich bemalen zu lassen, zu tanzen, Orte aufzusuchen und sich fotografieren zu lassen?

Wie schon gesagt, es ist eine alte menschliche Kultur, sich zu bemalen. Sich den schwangeren Bauch zu bemalen ist immerhin eine lustige Angelegenheit, die Spaß macht. Das Ganze auf Fotos festzuhalten, ist sicher das Bedürfnis, Teile der Schwangerschaftserfahrung für die Zukunft zu konservieren – vielleicht sogar den Enkeln zu bewahren.

Die Teilnahme an einem Workshop, einem Seminar oder gar an einer Einzelbemalung bei Rosel Grassmann folgt sicher den gleichen Beweggründen – nur addieren sich hier noch das Bedürfnis nach einer umfangreicheren und tiefergehenden Erfahrung und natürlich nach professionelleren Fotos.

Andrea, die Sie hier auf dem Bild oben sehen, sagt dazu im Buch Bunte Menschen:

Ich beschäftige mich gern mit meinem Körper, wohne gern darin und versuche, ihn bewusst zu empfinden. Das Anmalprojekt war eine neue, spannende Möglichkeit, mich zu spüren und Zeit mit meinem Körper zu verbringen.

Zum Thema Sommerwiese hatte ich mich kurz vor unserem Termin entschlossen. Eine Sommerwiese hat so etwas Leichtes, ein Platz, an dem der Wind mit den farbenprächtigen Blumen spielt und die Sonne scheint.

Während der letzten Monate der Schwangerschaft fühlte ich mich durch den dicken Bauch oft schwerfällig, unflexibel und manchmal auch etwas träge. Durch die Bemalung wollte ich das Leichte, Bewegliche, Filigrane und Weiche in mir unterstreichen. Gleichzeitig wollte ich eine Erinnerung dieser schönen, bewusst durchlebten zweiten Schwangerschaft erhalten und einen symbolischen Abschluss eines Abschnittes in meinem Leben, der vermutlich nicht wiederkommt.

Ich hab mich sehr wohl gefühlt und vor allem das Nacktsein genossen, endlich ohne die lästigen Schwangerschaftskleider …

Morgen erzähle ich Ihnen, wie eine solche Session bei Rosel Grassmann üblicherweise abläuft. Bis dahin …

genießen Sie die Zeit … 🙂

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