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Geburtsentwicklung – 2: Zeit!

Wenn man Frauen natürlich und ohne Eingriffe entbinden lässt, wählen sie sich intuitiv eine Gebärposition, die für sie richtig ist - und die ist nie in Rückenlage ...!

Wenn man Frauen natürlich und ohne Eingriffe entbinden lässt, wählen sie sich intuitiv eine Gebärposition, die für sie richtig ist - und die ist nie in Rückenlage ...!

Die vielleicht wichtigste Zutat in Sachen Geburtsentwicklung ist Zeit und wie es scheint, ist es das, was man am wenigsten geben will! Mit der zunehmenden Vermedizinerung von Schwangerschaft und Geburt, fanden immer mehr statistische Erhebungen und Grundannahmen den Weg in den gemanagten Geburtsentwicklungsprozess – die es vor dieser Zeit nie brauchte! Wenn Sie sich beispielsweise in den Entwicklungsländern Afrikas oder des Vorderen Orients umschauen, werden Sie feststellen, dass man dort zum einen schon mal gar keinen Arzt hat und zum anderen, dass die Geburt mit Ritualen und Orten verbunden ist – in denen Zeit keine Rolle spielt! Die höhere Baby- und Müttersterblichkeit ist vor allem deutlich schlechteren Hygienestandards geschuldet!

Während der ganzen Geburtsentwicklung gibt es einen intensiven Datenaustausch zwischen Gehirn und den an der Geburt beteiligten Organen. Das Gehirn steuert dabei u.a. sehr feinfühlig die verschiedenen Hormonausschüttungen, die einen ganz wesentlichen Beitrag dazu leisten können, Ihnen ein wunderschönes, einmaliges Geburtserlebnis zu bescheren. Diese natürliche Steuerung braucht ihre Zeit und ihre Reize – hier zu beschleunigen oder einzugreifen, beeinträchtigt nicht unerheblich das Geburtserlebnis.

Ein weiterer Faktor für ein befriedigendes Geburtserlebnis ist das Finden der für Sie richtigen Gebärposition, was immer intuitiv und erst während der Geburtsentwicklung geschieht … und daher Zeit braucht! Kreißende gehen umher, sind mit sich, ihrem Körper, den Wehen beschäftigt, lehnen sich an ihren Mann an und sind doch irgendwie immer auf der Suche. Dr. Marsden Wagner berichtet, dass, wenn man Frauen natürlich und ohne Eingriffe gebären lässt, sie zu einem bestimmten Zeitpunkt urplötzlich einen Urschrei ausstoßen und dann eine bestimmte Position einnehmen, um das Kind auszutreiben – und diese Position ist nie in der Rückenlage …

Sobald das Baby sich durch den Muttermund in die Beckenöffnung senkt, beginnt, grob gesagt, die Phase II der Geburtsentwicklung – prinzipiell also, wenn sich der Muttermund vollständig geöffnet und das Baby sich auf den Weg nach draußen gemacht hat. Phase II endet, wenn das Baby ganz draußen ist aber noch nicht abgenabelt wurde.

Noch immer gibt es Entbindungsstationen, in denen man zwei Stunden für einen Richtwert hält, die man der Phase II der Geburtsentwicklung zugesteht. Die Begründung ist historisch bedingt. Früher ging man davon aus, dass das Baby in eine Sauerstoffnot gerät, wenn diese Phase länger als zwei Stunden dauert. Heute weiß man eigentlich, dass, so lange bei Mutter und Kind alles in Ordnung ist, diese zwei Stundenbarriere sinnlos ist. Es ist viel besser, sich die Geburt natürlich entfalten zu lassen – wie gesagt, der ganze Körper der Gebärenden muss sich weit öffnen. Je mehr Zeit man dem gibt, desto geringer beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für einen Dammriss. Der kann auch kommen, wenn man sich Zeit lässt, aber er wird dann weniger schlimm ausfallen.

Oh, bei der Gelegenheit: Erlauben Sie mir an dieser Stelle doch noch einen kleinen Schlenker zurück in die Geburtsvorbereitung. Gerade dann, wenn Sie Ihren Damm gut für die Geburt vorbereitet haben (Beckenbodentraining, Dammmassage) und der Geburt dann noch die Zeit lassen, die sie braucht, sinkt ihr Dammrissrisiko dramatisch!

Es sind aber nicht nur Ärzte, die in Phase II gerne ein bisschen aufs Tempo drücken, es sind auch die Gebärenden selbst, die die Geburt schnell hinter sich bringen wollen. Auch das ist oft einer mangelhaften Geburtsvorbereitung geschuldet.

Schließlich braucht auch die Phase III Zeit. Ganz anders als noch vor gar nicht langer Zeit, gewähren immer mehr Kliniken in Deutschland den noch ganz frischgebackenen Müttern Zeit, sich mit Ihrem Neugeborenen vertraut zu machen und legen es ihnen sofort auf den Bauch oder in die Arme und lassen die Nabelschnur in aller Ruhe auspulsieren. Es hat sich gezeigt, dass gerade diese allererste Zeit nach der Geburt sehr wichtig ist, für den Aufbau einer intensiven Mutter-Kind-Beziehung, die auch Bonding genannt wird. In den Babyfreundlich zertifizierten Entbindungsstationen lässt man Mutter und Kind (und Mann) eine gute Zeit lang alleine, um diesem Bonding Raum zu geben.

Zeit ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Geburt … 🙂

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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