≡ Menu

86130 Unterstützer

Der Hebammenprotest und die eingereichte E-Petition haben bis zu diesem Augenblick knapp 90.000 Unterzeichner gefunden.

knapp 90.000 Unterzeichner für die Petition bis jetzt

Ich war grad mal nachsehen, wieviele UnterstützerInnen die Petition unterschrieben haben, die dabei helfen soll, den Hebammen das Überlegen zu sichern: Heute, 17.5.2010 14:30 Uhr waren es stattliche 86130 ZeichnerInnen.

Ein Erfolg?

Jein! Die Mindestzahl der Zeichnungen für die Annahme der Petition liegt bei 50.000 Zeichnungen und diese Hürde würde sehr schnell genommen. Damit wird sich der Petitionsausschuss mit der Petition befassen. Der Wortlaut der Petition, hier noch mal schnell der Anfang:

Der Bundestag möge Sofortmaßnahmen beschließen, um eine wohnortnahe Versorgung von Frauen mit Hebammenhilfe und die freie Wahl des Geburtsortes auch nach dem 1. 7. 2010 sicher zu stellen. Gefordert wird auch die Aufnahme eines Sicherstellungsauftrages für Hebammenhilfe analog § 72 SGB V. Des weiteren möge der BT eine Datenerhebung zum Bedarf an Hebammenhilfe und deren Deckung beschließen.

Wie man aus diesem Text leicht ersehen kann, handelt es sich um ein wirklich ernstzunehmendes Anliegen, eines, von dem mindestens alle Frauen betroffen sind, die Kinder bekommen können und wollen.

Die etwas über 86.000 Unterstützer sind also im Verhältnis zur Mindestzeichnerzahl ein sehr schöner Erfolg. Wenn wir aber mal in Deutschland rund 15.000 Hebammen und Geburtshelfer davon abziehen, und alle damit verbundenen Berufsgruppen, fällt die Gesamtzahl eher dürftig aus! Aus meiner Sicht stellt sich nicht die Frage, ob bis zum Ende der Annahmefrist die 100.000 überschritten wird, sondern warum es nicht wenigstens 500.000 geworden sind! Wieso ist es nicht gelungen, mehr Frauen für diese Petition zu begeistern oder doch wenigstens darauf aufmerksam zu machen?! Das ist für mich die entscheidende Frage!

In Deutschland werden jährlich und über den Daumen gepeilt rund 670.000 Kinder geboren – die überwältigende Zahl dieser Geburten finden in Kliniken statt. In den vergangenen fünf Jahren also wurden rund 8,5 Millionen Geburten von Hebammen begleitet – warum also keine 500.000 Unterstützer der Petition? Nicht mal 10% der Geburten der letzten 5 Jahre?

Wer dieses Ergebnis feiert, hat leider nur zum Teil Grund dazu. Tatsächlich muss man sich die Frage stellen, warum der Beruf der Hebamme bzw. des Geburtshelfers so wenig Beachtung findet! Was ist da schief gelaufen? Wieso sehen Gebärende den Frauenarzt in der Klinik, nehmen die Hebamme, die mindestens die gleiche Verantwortung trägt, eher als Krankenschwester wahr? Warum werden so wenige Hebammen zur Nachsorge angefordert?

Die Frage lautet also: Brauchen wir überhaupt noch Hebammen?!

Ich weiß, ich bin ein Ketzer – und damit wir uns da nur ja nicht missverstehen, ich bin ein leidenschaftlicher Fan des Berufs, der Kenntnisse und der Arbeit von Hebammen. Aber ich bin nicht blind auf dem Auge, wo es um Wahrnehmung, Bedarf und Zukunftschancen dieses Berufes geht. Schau’n Sie sich um: Wohin Sie auch schauen, explodierende Staatsverschuldung, ein sich dadurch selbsterzwingender Rückzug des Staates aus vielen Bereichen – vielleicht sogar aus allen Bereichen, die für ein funktionierendes Staatswesen nicht absolut überlebensnotwendig sind. Und genau das steht auch den gesetzlichen Kassen bevor. Eine verschwindend kleine Zahl von Geburten außerhalb der Kliniken erzwingt die Frage, wie sehr man – aus kaufmännischer Sicht! – Hebammen braucht und ob sich dieser Beruf nicht viel besser als spezialisierte Krankenschwester in den Kliniken einreihen lässt, wo mit weitem Abstand die meisten Geburten stattfinden!

Im Grunde rettet auf lange Sicht den Beruf der Hebamme alleine Ihre Entscheidung, die Leistung einer Hebamme – jede Leistung einer Hebamme – abzurufen und, wenn irgend möglich auch selbst einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Wenn Sie die Petition verstehen und auch in Zukunft wollen, dass sich Hebammen um Ihr Wohl kümmern können, sollten Sie die Petition mitzeichnen – zum einen. Zum anderen: Schauen Sie nach Hebammen – gerade wenn Sie zur Zeit schwanger sind! Sprechen Sie mit einer Hebamme und nehmen Sie deren Hilfe in Anspruch – es ist keine Geste des Mitleids. Viel mehr ist es eine kluge Entscheidung zugunsten Ihrer eigenen Gesundheit und einer guten Chance, auf ein schönes Geburtserlebnis.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

Passwort aendern
Bitte Deine Email-Adresse eingeben. Ein neues Passwort wird Dir per Email zugeschickt.