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Aufbruch in die Kunst

Angela Harand inmitten einiger ihrer Werke

Wie ich in meinem Artikel Beginn eines neuen Lebens schon geschrieben hatte, ist die Schwangerschaft gerne auch der Startpunkt für komplett neue Lebensentwürfe schwangerer Frauen. Nicht immer geht das brachial über die Bühne – schon deshalb nicht, weil Frauen gerne etwas behutsamer an große Veränderungen heran gehen. So passiert das gerne auch leise – aber doch auch nachdrücklich. Und, auch das soll nicht verschwiegen werden, nicht immer ist es die große Erfolgsstory, die sich aus einem solchen Neubeginn entwickelt.

Vor kurzem erst habe ich Sie mit Angela Harand bekannt gemacht, Bauchmasken-Künstlerin aus Wien. Angela Harand war ursprünglich Journalistin (und wenn man liest, wie sie schreibt, hat sie das immer noch im Blut!). Für sie war ihre zweite Schwangerschaft der Ausgangspunkt, ihrer künstlerischen Natur mehr Ausdruck zu geben.

Mit Angela Harand möchte ich gerne den Auftakt für eine lose Serie von Berichten machen. Mit Berichten über Frauen und deren Geschichten, die in ihrer jeweiligen Schwangerschaft beschlossen haben, in Ihrem Leben etwas anders zu machen. Hier also meine …

5 Fragen zum Start in ein neues Leben

Frage: Die Schwangerschaft ist ja der Beginn eines neuen Lebens. Aber diese Zeit ist auch gerne mal der Startpunkt für ein eigenes neues Leben, eines, das über das „Mama-sein” hinausgeht: Wie war das bei dir? Welche Idee hattest du?

Foto: Franz Ebner

Angela Harand: In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich noch kein Bedürfnis, mich neu zu orientieren. Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommen würde und es war klar, dass ich in meinen alten Job als Journalistin zurückgehen würde – was ich dann auch tat.

Foto: Franz Ebner

In der zweiten Schwangerschaft war klar, dass zwei Kinder viel Zuwendung brauchen. Ich bemerkte, dass es mit einem festen Job sehr schwierig ist, Kinder und Arbeit in der Redaktion unter einen Hut zu bringen. Außerdem hatte ich ständig Ideen, was ich alles machen könnte: Kunst fürs Kinderzimmer, Kinder-Malkurse, usw. Außerdem spukten mir immer die Gipsabdrücke schwangerer Frauen im Kopf herum, die ich auf einer deutschen Homepage gesehen hatte. Ich dachte. Wenn es in Deutschland Frauen gibt, die das professionell anbieten, dann könnte das doch auch in Österreich funktionieren!

Frage:Was ist aus dieser Idee geworden?

Foto: Franz Ebner

Angela Harand: Als mein jüngerer Sohn ein Jahr alt wurde, startete ich das Projekt „Bauchkunst”. Ich formte die Bäuche schwangerer Freundinnen ab, testete Material, zeichete Entwürfe für die ersten „Kunstbäuche” und machte erste Fotos für eine eigene Homepage. Befreundete Fotografen und Webdesigner halfen mit der Präsentation meiner Arbeit im Internet, ich sandte Pressetexte aus und erste Artikel über meine Bauchkunst erschienen in österreichischen Zeitschriften. Ohne allzu viel nachzudenken, hatte ich mein Vorhaben in die Tat umgesetzt und erste Kundinnen kamen. Inzwischen habe ich über 100 Bäuche abgeformt. Meine Kundinnen sind glücklich und ich liebe diese Arbeit.

Frage: Welches waren die größten Probleme, deine Idee zum Laufen zu bringen?

Foto: Franz Ebner

Angela Harand: Ich habe immer noch mit großen Problemen zu kämpfen. Ich muss mich als sogenannte „neue Selbständige” selbst sozial- und pensionsversichern. Ich bekomme für meinen Sprung in die Selbständigkeit keine Förderung und zahle im Moment mehr Versicherung ein, als ich verdiene.

Foto: Franz Ebner

Ich muss ständig Werbung machen, da sonst keine Kunden kommen. Viele Leute finden meine Arbeiten zu teuer und kommen deshalb nicht zu mir, obwohl ich gemessen an Materialkosten und Arbeitszeit extrem wenig verlange. Immer wieder muss ich mir vor Augen halten, wie viel Freude mir die Arbeit macht, sonst müsste ich das Projekt gleich wieder aufgeben. Ich hoffe aber immer noch, dass es mit der Zeit vielleicht noch besser wird und sich auch ein Gewinn erzielen lässt. Zur Zeit mache ich eine zusätzliche Ausbildung für Dekorations- und Wandmalerei, vielleicht kann ich so zusätzlich etwas verdienen.

Frage: Würdest du alles wieder so machen?

Foto: Franz Ebner

Angela Harand: Ich bin unsicher, ob ich nicht Manches anders hätte machen sollen. Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, war ich als Journalistin ebenfalls selbständig tätig. Dadurch hatte ich nach den Geburten meiner Kinder keinen fixen Anspruch auf meinen alten Job und kein Recht auf Teilzeit. Nach der Elternzeit hatte ich nicht wie andere Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dadurch, dass ich nie eine Anstellung hatte, habe ich sogut wie keine Rechte und Ansprüche. Mein Fehler war es also, wenn man so will, nicht bis zur fixen Anstellung zu Arbeiten, also nicht die Karriere vor den Kindern zu erledigen, wie es heute viele machen.

Foto: Franz Ebner

Andererseits bin ich natürlich froh, meine wunderbaren Kinder zu haben und relativ jung neu starten zu können und mich jetzt auf meine echten Interessen konzentrieren zu können. Das war vielleicht der größere Fehler meines Lebens: Schon mit 18 hätte ich wissen können, dass ein Kunststudium mir am meisten liegt und dass meine kreative Ader doch am stärksten ist. So wäre eine Neuorientierung gar nicht erst nötig geworden. Aber es ist wohl bei vielen Frauen so: Erst durch die Kinder erkennt man Prioritäten im Leben, man sieht erst dann klar, was wirklich wichtig ist.

Frage: Gibt es Tipps oder Empfehlungen, die du anderen Schwangeren mit auf den Weg geben möchtest, die auch eine Idee haben, was sie neu aus ihrem Leben machen könnten?

Foto: Franz Ebner

  • Erkundige Dich vorher gut, welche Unterstützungen du bekommst, ob du dich selbst versichern musst, was du verdienen kannst.
  • Wenn du einen Wunsch hast und weißt, was du machen möchtest, versuche deine Ideen ernsthaft und mit viel Engagement umzusetzen. Es zahlt sich aus, sich mit 30 oder 35 neu zu orientieren: Du wirst noch mindestens 30 Jahre arbeiten müssen, da sollst du dir nicht jeden Tag überlegen müssen, ob du nicht viel lieber etwas anderes tun würdest.
  • Egal was du tust, achte darauf, auch noch Zeit für deine Kinder zu haben. Sie sind nicht lange klein und später tut es dir womöglich leid, wenn du immer Vollzeit gearbeitet hast. Ein paar Stunden täglich sollten für die Kinder übrig bleiben, auch wenn das bedeutet, abends zu arbeiten, wenn die Kinder schlafen.

Ganz herzlichen Dank an Angela Harand!

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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