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Bauchmasken und -skulpturen IV (Schluss)

Eine Skulptur schöner als die andere: Angela Harand, Wien

Eine Skulptur schöner als die andere: Angela Harand, Wien

Jetzt haben wir kurz angerissen, wie Abformungen gemacht werden, wie man sie behandelt und fertigstellt und, natürlich, dass man sie auch an Künstler durchreichen kann, damit die die Masken vollenden. Fehlen also noch zwei Aspekte: Welchen Einfluss auf das Endprodukt haben Sie als Kunde und wie groß ist der Einfluss der Künstlerin.

Beeindruckende Vielseitigkeit bei Angela Harand

Beeindruckende Vielseitigkeit bei Angela Harand

Im Grunde verstehen sich alle Künstler, die ich getroffen oder gesprochen habe, als Dienstleister, das heißt, dass Sie bestimmen, wie der Bauch am Ende ausssehen soll, ob er bemalt oder als Mosaik fertiggestellt werden soll, ob einfache Farben oder feine Verzierungen drauf sein sollen, oder ob die Künstlerin sich frei austoben soll. Sie sind der Kunde, Sie bestimmen. Und doch: nicht immer fühlt man sich wirklich stilsicher oder kann sich wirklich bildhaft vorstellen, wie die Maske am Ende aussieht. Deshalb ist das auch immer ein Aufeinanderzugehen.

Bei Julia Schulze, das finde ich auch interessant, können Sie, wenn Sie das wollen, fragen, was sie sieht – und ihr dann freie Hand lassen, das Gesehene zum Ausdruck zu bringen. Julia erzählte mir am Telefon, dass Sie manchmal nur den Bauch der Schwangeren anschaut und sofort sieht, wie die Bauchmaske am Schluss aussehen soll. Sie hat da offensichtlich eine mediale Begabung. Finde ich sehr spannend!

Wunderbarerweise habe ich im Zuge dieser kleinen Bauchmasken-Serie Kontakt mit Angela Harand bekommen, eine Künstlerin aus Wien, die mir freundlicherweise ein paar Fragen in dieser Hinsicht beantwortet und die Fotos ihrer Arbeiten zur Verfügung gestellt hat, die Sie hier im Artikel sehen.

Angela Harand zu meinen Fragen:

Angela Harand mit Ihren Werken

Angela Harand mit Ihren Werken

„Wenn ich einen Bauchabruck mache, habe ich die Gelegenheit, die werdende Mutter ein wenig kennenzulernen. Ich unterhalte mich mit ihr über das Baby, über meine Gipsabdrücke, über ihren Job und vieles mehr. Während wir den Abdruck machen, frage ich schon einmal, welche Farben sie mag, wo der Bauchabdruck später aufgehängt werden soll. Ich erkundige mich nach dem Geschlecht des Babys und ob es schon einen Namen gibt. Meist habe ich danach eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was den werdenden Eltern gefällt und was sie sich für ihr persönliches Kunstwerk vorstellen. Manche lassen mir auch völlig freie Hand und machen nur Angaben zu den gewünschten Farben.

Egal wie, bisher muss ich sagen, dass das Endergebis immer gut zur jeweiligen Familie gepasst hat. Einige Kunden haben mir schon gesagt, dass sie davon überzeugt sind, dass „ihr“ Kunstbauch der schönste ist, den ich jemals gemacht habe. Das ist das schönste Kompliment für mich, denn das zeigt mir, dass ich mein Ziel erreicht habe. Und das Ziel ist immer, die Kundin glücklich zu machen. Aus diesem Grund nehme ich mich mit meinem persönlichen Geschmack auch manchmal zurück und überschreite etwa meine eigenen „Kitschgrenzen„. Dann mache ich auch einmal einen Bauch mit rosa Schmetterlingen, obwohl ich selbst sie in dunkelviolett schöner finden würde. Ich setze dann die Wünsche der Kundinnen in meinem eigenen Stil um, sodass wir zum Schluss beide zufrieden sind.

Ausgewogene Farbbalance, feine Ziselierungen: Angela Harand, Wien

Ausgewogene Farbbalance, feine Ziselierungen: Angela Harand, Wien

In meinem Stil, denke ich, liegt auch meine Stärke, beziehungsweise das Besondere, das meine Kunstbäuche ausmacht. Die Bauchmasken, die ich von anderen Künstlerlnnen sehe, sind oft handwerklich wunderbar gemacht, mir persönlich aber zu kitschig. Ich denke, bei den Kunden verhält es sich genauso: Wer auf rosa Blümchentapete oder Knallbuntes steht, geht wahrscheinlich lieber zu einer Kollegin; wer fein gezeichnete Ornamente, edle Designs und natürlich-schlichte Dekorationen mag oder ganz persönliche Ideen gut umgesetzt haben möchte, ist bei mir gut aufgehoben.

Was mir ebenfalls ein großes Anliegen ist, ist die Haltbarkeit meiner Bäuche. Ich lege Wert darauf, dass meine Gipsbäuche stabil und robust sind, eine praktische Aufhängung haben und gut abzuwischen sind. Wenn mich meine Kundinnen fragen, wie lange der Bauch halten wird, sage ich immer, ich hoffe, auch die Enkelkinder werden noch Freude daran haben. Aus diesem Grund gibt es bei mir auch keine Kunstbäuche mit Stoffblumen, Rüschen, Tüll, etc. Das sind Materialien, die mit der Zeit verstauben, abfallen, sich verfärben. Meine Bäuche sind mit Acrylfarben bemalt und mit Firnis versehen, so dass man sie sogar feucht abwischen kann. Einzig Strass-Steine klebe ich auch gerne auf, da sie später leicht zu ersetzen sind. Als „Extra“ für meine Kunden hat jeder Original-Bauchkunst-Bauch eine lebenslange Garantie, d.h. wenn er wirklich einmal runterfallen sollte oder Farbe abblättert, kann er jederzeit kostenlos zur Reparatur gebracht werden.

Ich sehe in meinen Kunstbäuchen eine wunderschöne, persönliche Erinnerung an eine besondere Zeit. Die meisten Frauen sind nur ein- bis dreimal schwanger, das ist eine besondere Zeit im Leben, an die man sich erinnern soll und die man auch zelebrieren darf. Ein Bauchabdruck unterscheidet sich von einem Foto durch seine plastische Beschaffenheit. Nimmt man ihn von der Wand, kan man von hinten die „Höhle“ betrachten, in der das Baby lag und hat so einen guten Eindruck davon, wie viel Platz es darin hatte. Meiner Erfahrung nach lieben Kinder später „ihren“ Gipsbauch und schauen ihn immer wieder an. Für Kinder ist es ja besonders faszinierend, dass sie einmal in Mamas Bauch waren und so können sie diese Tatsache noch besser „erfassen„.”

So, das ist der letzte Teil dieser kleinen Serie. Allerdings hoffe ich, in nicht allzuferner Zukunft Ihnen hier weitere KünstlerInnen vorstellen zu können.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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