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Die Geburt – ein Mega-Ereignis?

Es braucht viel Mut, sich auf eine Geburt einzulassen, von der man im Vorhinein eben nicht weiß, was sie mit einem machen wird und die Versuchung ist groß, kategorisch nach schmerzbefreienden oder -lindernden Maßnahmen zu verlangen.

Es braucht viel Mut, sich auf eine Geburt einzulassen, von der man im Vorhinein eben nicht weiß, was sie mit einem machen wird und die Versuchung ist groß, kategorisch nach schmerzbefreienden oder -lindernden Maßnahmen zu verlangen

Es ist nicht wirklich erstaunlich, dass eine Gesellschaft, die im satten materiellen Überfluss lebt mehr und mehr Interesse an Erlebnissen und Abenteuern entwickelt. Wenn praktisch alles, überall und jederzeit verfügbar ist, hat es keinen Reiz mehr – aber nach Reizen verlangen wir. Immer. Und folglich geht es immer weniger darum, was wir haben, sondern darum, was mit uns passiert. Wir sind auf der Suche nach dem inneren Kick.

Folgerichtig rückte natürlich die Geburt in den Blickpunkt von Medien- und Marketing-Leuten, die daraus ein Mega-Erlebnis machten. Immer weniger Geburten insgesamt, steigendes Alter der Gebärenden und die Wahrscheinlichkeit, eben nur einmal im Leben ein Kind zu bekommen, spitzen dabei die Dramatik noch weiter zu. Noch niemals zuvor war die Schwangerschaft medial (siehe: Deutschland wird schwanger) und ökonomisch derart ausschlachtbar.

Darüber hinaus haben zweieinhalb Generationen Fernsehdauerkonsum uns alle daran gewöhnt, das Gruseln zu suchen und zu genießen, das Gefühl, in jedem Augenblick könne etwas Aufregendes über uns hereinbrechen. Gefüttert mit überzogenen medialen und mündlich überlieferten Vorstellungen über das Grauen der Geburt, haben wir genau die Voraussetzungen, die dieses wohlige Grauen nährt. Nicht zuletzt haben die Kliniken über viele Jahre hinweg von dieser Idee der Gefährlichkeit einer Geburt prächtig profitiert. Fragt man Schwangere, warum Sie in einer Klinik entbinden wollen, antworten fast alle: Na ja, wenn was ist …

Man fragt sich, wann die ersten Frauen-T-Shirts mit dem Aufdruck auftauchen: I survived birthing (etwa: Ich habe eine Geburt überlebt).

Die Frage ist nur, ob wir damit vor allem den Frauen einen Gefallen tun. Durch diese Überstilisierung wächst natürlich auch die Anspannung und Anspannung, beruhend auf Angst vor beispielsweise großem Schmerz ist das Gegenteil dessen was Frauen brauchen, eine wirklich normale, also wunderbare Geburtserfahrung zu haben.

Es braucht viel Mut, sich auf eine Geburt einzulassen, von der man im Vorhinein eben nicht weiß, was sie mit einem machen wird und die Versuchung ist groß, kategorisch nach schmerzbefreienden oder -lindernden Maßnahmen zu verlangen. Erfreulich ist da eine beginnende Entwicklung der Gynäkologen, den Frauen dabei zu helfen, das sein zu lassen und vielmehr sich selbst und ihrem Körper zu vertrauen.

Nur Mut. Entwickeln Sie Ihr Selbstvertrauen. Bereiten Sie sich auf die Geburt vor, lassen Sie sich auf das Erlebnis ein, wenn keine Risikofaktoren dagegen sprechen, und erleben Sie an sich selbst, wozu Sie im Stande sind. Das wird Sie verändern. Weit über die Geburt hinaus. So gesehen ist die Geburt vielleicht kein Mega-Ereignis mehr, sondern ein Meta-Ereignis. Ein Ereignis, das in sich viele Facetten birgt, die nach und nach zum Vorschein kommen. So gesehen ist die Geburt Ihres Kindes ein Ereignis, das Sie in jeder Hinsicht einen großen Entwicklungsschritt nach vorne bringen wird – oder zumindest bringen kann.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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