Die Zeit der Schwangerschaft, mehrfach schon berichtet, ist oft auch verbunden mit (intensiven) spirituellen Erlebnissen. Frau ist während dieser Zeit offener ihren von innen kommenden Impulsen gegenüber. Nicht jede Frau nimmt das wirklich wahr, die meisten werden es als ein nettes Extra empfinden (“… was soll ich sonst damit anfangen?!”) und nochmal eine Hand voll können für sich eine große Sache daraus machen. So weit so gut.
Wie isses aber mit den anderen Familienmitgliedern? Haben Väter während der Schwangerschaft ihrer besseren Hälfte auch einen intensiveren Zugang zur Welt des Werdens? Und, für den Fall Kinder schon da sind, wie isses mit denen? Oder mit den Eltern? Mit meiner Kollegin recherchiere ich schon seit langem solche spirituellen Erlebnisse während der Schwangerschaft (wie sonst sollte man solche Erlebnisse nennen?). Heute mal ein spektakulär unspektakulärer Fall – so sind sie nämlich meistens
Eine Frau in den Staaten, wie nennen sie jetzt mal Virginia, verheiratet und eine Tochter im Alter von 7 beschließt, sich nach immer heftiger werdenden Streiterein einvernehmlich von ihrem Mann scheiden zu lassen und zieht in einen anderen Bundesstaat, um auch von daher einen neuen Anfang zu haben. Die gemeinsame Tochter bleibt bei ihr, verbringt aber die Ferien bei ihrem Papa.
Nach etwa einem Jahr verliebt sich Virginia in einen Mann, mit dem sie und ihre Tochter schon bald zusammenziehen. Virginia selbst geht langsam auf Mitte dreißig zu, ihr neuer Partner hat die Vierzig schon überschritten. Sollen Sie noch ein gemeinsames Kind anstreben? Beide verneinen das. So wie es ist soll es bleiben. Die Sommerferien kommen, die Sachen der Tochter sind gepackt und alles ist bereit für die Fahrt zum Flughafen als Paula, die Tochter Virginias plötzlich stehen bleibt, sich umdreht und sagt: “Ich weiß es genau: Wenn ich weg bin wollt ihr ein Baby machen!” Rums!
Virginia zuckt mit den Achseln und gibt nichts drauf – Kinder sind halt manchmal so. Als Paula aber wieder aus den Ferien zurückkommt und am Flughafen abgeholt wird, ist das erste, das sie zu ihrer Mutter sagt: “Du bist schwanger!” Virginia kräuselt die Augenbrauen. Sie ist nicht schwanger. Wie kommt die Kleine darauf? Paulas Satz lässt ihr keine Ruhe, also besorgt sie sich einen Schwangerschaftstest … der postiv ausfällt. Sie ist schwanger!
Etwa zwei Monate später kommt Paula aus ihrem Zimmer und sagt – ganz ohne Vorwarnung: “Ich bekomme einen Bruder, nicht wahr? Er wird Jake heißen.” Virginia lacht. “Never ever Jake!” Es wird ein Junge und als Virginia ihn nach der Geburt im Arm hält und behutsam wiegt, ist ihr klar wie selten etwas anderes zuvor, dass sie ihn Jake nennen wird, die Abkürzung für Jacob.
Diese kleinen Anekdoten wirken viel spektakulärer in der Erzählung als wenn sie tatsächlich passieren. Zwischen den einzelnen Episoden lagen ja immer Wochen, wenn nicht Monate und sie passierten ja aus einem ganz anderen Fluss der Ereignisse heraus. Sie sind dann wie witzige kleine zufällige Ereignisse, über die man schmunzelt oder manchmal eben die Stirn runzelt.
Als Paula schließlich ihr Zuhause verlassen hatte, um aufs College zu gehen, fand sich Virginia eines Tages in der Garage, in der sie in alten Kartons kramte. In einem der Kartons hatte sie Paulas Grundschul-Kunstwerke aufbewahrt, die sie sich eines nach dem anderen anschaute. Schließlich kam sie an ein Bild, dass Paula im Alter von 6 gemalt hatte. Auf diesem Bild war sie selbst als Mädchen mit Zöpfen und dem Namen “ich” darunter, oben drüber eine Frau mit längeren Haaren und “Mama” darunter und, sehr erstaunlich, ein Baby daneben mit “Mein Bruder Jake” darunter. Das war fünf Jahre vor Jakes Geburt.
Ja, Sie haben Recht. Auf dem Bild waren sicher Paulas Wunschvorstellungen, die sie schon früh hatte, und die zufällig wahr geworden sind … sicher …
Genießen Sie die Zeit …















