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Mein Bruder Jake

Frauengestalt von nächtlichem Mond (Bildquelle: Fotolia.de)

Schwangerschaften sind oft verbunden mit (intensiven) spirituellen Erlebnissen, weil Frauen während dieser Zeit noch genauer auf Impulse aus ihrem Inneren hören. Wie isses aber mit den anderen Familienmitgliedern? Haben Väter während der Schwangerschaft ihrer besseren Hälfte auch einen intensiveren Zugang zur Welt des Werdens? Wie ist es mit schon vorhandenen Geschwistern? Oder (künftigen) Omas und Opas?

Mit meiner Kollegin recherchiere ich schon seit langem spirituelle Erlebnisse während der Schwangerschaft. Sie traf in den USA auf Jakes Mutter …

Eine Frau in den Staaten, wie nennen sie jetzt mal Virginia, verheiratet und eine Tochter im Alter von 7 beschließt, sich nach immer heftiger werdenden Streitereien einvernehmlich von ihrem Mann scheiden zu lassen und zieht in einen anderen Bundesstaat, um auch von daher einen neuen Anfang zu haben. Die gemeinsame Tochter bleibt bei ihr, verbringt aber die Ferien bei ihrem leiblichen Vater.

Etwa ein Jahr nach dem Umzug verliebt sich Virginia in einen Mann, mit dem sie und ihre Tochter schon bald zusammenziehen. Virginia selbst geht langsam auf Mitte dreißig zu, ihr neuer Partner hat die Vierzig schon überschritten. Sollen Sie noch ein gemeinsames Kind anstreben? Beide verneinen das. So wie es ist, ist es wunderbar und so soll es auch bleiben.

Die Sommerferien kommen, die Sachen der Tochter sind gepackt und alles ist bereit für die Fahrt zum Flughafen als Paula, die Tochter Virginias plötzlich stehen bleibt, sich umdreht und sagt: „Ich weiß es genau: Wenn ich weg bin wollt ihr ein Baby machen!” Rums!

Virginia zuckt mit den Achseln und gibt nichts drauf – Kinder sind halt manchmal so. Als Paula aber wieder aus den Ferien zurückkommt und am Flughafen abgeholt wird, ist das erste, das sie zu ihrer Mutter sagt: „Du bist schwanger!“ Virginia kräuselt die Augenbrauen. Sie ist nicht schwanger. Wie kommt die Kleine darauf?

Paulas Satz lässt ihr aber keine Ruhe. Sie besorgt sich also einen Schwangerschaftstest … und der fällt postiv aus. Sie ist schwanger! Nochmal Rums!

Etwa zwei Monate nach dem positiven Schwangerschaftstest kommt Paula ganz plötzlich und ohne Grund aus ihrem Zimmer und sagt:

„Ich bekomme einen Bruder, nicht wahr? Und er wird Jake heißen.”

Virginia lacht.

„Never ever Jake!”

Es wird ein Junge und als Virginia ihn nach der Geburt im Arm hält und behutsam wiegt, ist ihr klar wie selten etwas anderes zuvor: Sie wird ihn Jake nennen (die Abkürzung für Jacob)!

Diese kleinen aneinander gereihten Anekdoten wirken in einer solchen Erzählung viel spektakulärer, als in jeweils dem Augenblick, wenn sie tatsächlich passieren. Zwischen den einzelnen Episoden lagen ja immer Wochen, wenn nicht Monate – und sie passieren ja aus einem ganz anderen Fluss der Ereignisse heraus. Sie sind dann wie witzige kleine zufällige Ereignisse, über die man schmunzelt oder manchmal eben die Stirn runzelt – übrigens ein Grund mehr, ein Schwangerschaftstagebuch zu führen …

Als Paula, gar nicht mehr die kleine Tochter, Jahre später, aufs College ging und ihr Zuhause verlassen hatte, fand sich Virginia eines Tages in der Garage wieder und kramte durch alte Kartons – eigentlich um auf- und auszuräumen. In einem der Kartons fand sie Paulas Grundschul-Kunstwerke aufbewahrt, und schaute sie sich eines nach dem anderen an. Schließlich kam sie an ein Bild, dass Paula im Alter von 6 gemalt hatte. Auf diesem Bild hatte sich Paula selbst als Mädchen mit Zöpfen gemalt und darunter ich gekritzel. Oben drüber war eine Frau mit längeren Haaren gezeichnet, unter der Mama stand, und, sehr erstaunlich, ein Baby daneben mit dem Untertitel Jake darunter: Fast drei Jahre vor Jakes Geburt, zwei Jahre vor der Schwangerschaft.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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