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Windeln, die dritte oder: Windel? Nein danke!

Auf dem Bauch liegendes Baby, dessen Po sauber gemacht wird (Bildquelle: Fotolia.de)

Wenn Sie zum ersten Mal schwanger sind, ist Ihnen dieses Phänomen sicher noch nicht bekannt: Die Experteninflation.

Sobald Sie Ihr Baby zu Hause haben, werden Sie staunen, wieviele Leute um Sie herum plötzlich und ganz unvermittelt unglaublich gute Ratschläge geben können – gerne auch Leute, die selbst gar keine Kinder haben!

Als unser Junge geboren war, war einer dieser Experten … meine Mutter …!

Sie meinte, dass sowohl meine Schwester als auch ich schon lange vor unserem ersten Geburtstag sauber gewesen waren. Nach zwei, drei Diskussionsrunden habe ich es dann stecken lassen und machte mir klar, dass im Alter das Gedächtnis halt nicht mehr so gut funktioniert.

Dennoch habe ich unseren Kinderarzt danach gefragt und er gab meiner Mutter Recht!

„Früher waren die Kinder sehr früh schon sauber, weil man sie halt so lange aufs Töpfchen gesetzt hatte, bis sie ihr Geschäft gemacht hatten.”

Wäsche waschen war früher eine arge Strapaze – da zählte jedes einzelne Kleidungsstück und vier oder fünf Windeln pro Tag war einfach nicht drin!

„Sie können das auch machen,“ fuhr unser Arzt damals fort, „ich rate Ihnen aber davon ab. Wenn Sie Ihrem Kind erlauben, selbst rauszufinden, wann es Zeit für die Toilette ist, gehört diese Erfahrung ihm selbst …”

Windelfrei?

Schon vor einiger Zeit habe ich von dieser neuen Welle gehört: dem windelfreien Aufwachsenlassen der Kinder.

Konnte ich erst gar nicht glauben, dass das gehen kann – geht aber!

Es braucht sicher ein paar Utensilien wie beispielsweise einen Matrazenschutz, aber das Equipment lässt sich an einer Hand abzählen, Was es allerdings unabdingbar braucht, ist Ihre Bereitschaft, Ihr Kind im Auge zu behalten, um auf Signale zu achten, dass jetzt ein Geschäftchen ansteht.

Erinn Klatt’s Sohn Dominic, so berichtet MSNBC, hat seit seinem sechsten Monat nachts nicht mehr ins Bett gemacht. Noch mal zum langsam lesen: Seit dem sechsten Monat nicht mehr ins Bett gemacht … das muss eine schockierende Nachricht für Pamperseltern sein, deren Kinder erst mit zweieinhalb oder drei Jahren sauber werden – manchmal noch später.

„Um in der Lage zu sein, wirklich für die Toilette bereit zu sein, muss ein Kind eine Empfindung dafür entwickelt haben, dass es gleich muss, es muss in der Lage sein, diese Empfindung als Signal zu interpretieren, dass es muss und es muss in der Lage sein, auf die eine oder andere Weise die Eltern darauf hinzuweisen,“

sagt Dr. Mark Wolraich, Professor für Kinderheilkunde und Leiter eines Zentrums für Kinderstudien. Dieses Erkennen der Signale macht eben den Unterschied.

Wenn Sie nach der Geburt schnell wieder arbeiten gehen wollen oder müssen, wird diese Idee sicher nichts für Sie sein – schon auch, weil es wohl keine Kinderkrippen gibt, die sich Zeit für solche Signalforschungen nehmen oder haben. Aber wenn Sie planen, die Elternzeit in Anspruch zu nehmen – über die volle Länge, dann ist das vielleicht doch etwas für Sie.

Und das nicht nur, weil Ihr Kind dadurch viel früher sauber wird (und Ihnen dabei eine Menge Geld, Zeit und Nerven spart), sondern auch, weil sich zwischen Ihnen und Ihrem Kind eine sehr viel intensivere Beziehung aufbauen wird. Während der Schwangerschaft hatten Sie eine sehr enge, intuitive Beziehung – diese Form des windelfreien Aufwachsenlassens ist im Grunde eine sehr geradlinige Fortsetzung dieser Beziehung.

Genießen Sie die Zeit … 🙂

Weiterführende Links

  • Ohne Windeln – Website mit Buchtipps, Shop. Schauen Sie auf der Site ziemlich unten nach Buchempfehlungen und Newsgroups
  • Bericht von MSNBC (leider nur in Englisch) – dort finden Sie in der rechten Spalte auch ein Video zum Artikel.
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