Als meine Schwester und ich noch klein waren, hatten wir an Weihnachten immer einen klaren Plan, wie Heiligabend ablaufen würden. Irgendwann nachmittags wurden wir nacheinander in die Badewanne gesteckt, während unser Vater ins Wohnzimmer ging und hinter sich abschloss. Nachdem wir dann geschniegelt und gestriegelt waren, gab es die obligatorischen Kottelettes und Kartoffelsalat – unser Weihnachtsklassiker. Irgendwann klingelte dann ein Glöckchen, und wir gingen ins Wohnzimmer, wo uns Wärme, flackernde Kerzen auf dem Christbaum und sprühende Wunderkerzen mit dem Magnesiumgeruch empfingen. Unterm Weihnachtsbaum lagen dann immer – zwischen den Geschenken – sowohl für meine Schwester als auch für mich jeweils ein Marzipanbrot. Es war immer das gleiche Ritual, jedes Jahr – und doch war es immer etwas ganz Besonderes.
Jede Schwangerschaft dauert in etwa gleich lang – und doch sind keine zwei gleich. Jedes Kind wird geboren, und doch sind es keine zwei gleichen Geburten, keine zwei gleichen Kindern, keine zwei identischen Erlebnisse. Jedes ist gleichermaßen universal und absolut individuell.











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