≡ Menu

OrgasmicBirth – 2. Durchgang

Cover der Film-DVD

Ein weiterer Gedanke, der den Film OrgasmicBirth durchzieht, ist die störungsfreie Geburt. Das klingt so selbstverständlich, isses aber nicht. Zumindest nicht in einer Klinik!

„Wenn eine Frau die Geburt als ekstatisch erleben will, muss sie sich der Wahlmöglichkeiten bewusst sein, wo sie gebären will und mit wem,”

sagt im Film die Hebamme Naoli Vinaver (und weiter:)

„Dieselben Elemente, die man für eine schöne sexuelle Erfahrung wählen würde, sind genau die, die man für eine großartige ekstatische Geburt auswählen würde.”

Das erklärt, warum Bill und Tammi (siehe meinen Artikel OrgasmicBirth – erster Durchgang) ihr Baby auf der Terasse des Geburtsshauses bekommen – Tammi ist am allerliebsten draußen, macht am allerliebsten alles draußen … auch Sex. Folglich war draußen die Umgebung, die Tammi sich als einzige, wirklich wunderbare Umgebung ausgesucht hat, um dort ihr Kind auf die Welt zu bringen.

Keine zehn Prozent aller Geburten finden außerhalb einer Klink statt. Warum? Weil das der beste Ort ist?

Haben Sie schon einmal einen Propagandisten erlebt? Das sind die Verkäufer hinter kleinen Verkaufständen, die man immer mal wieder vor einem Kaufhaus oder so sieht. Dort werden dann Töpfe vorgeführt, oder Fensterwischgeräte. Propagandisten sind Profis, die genau wissen, was sie tun. Wenn ihre Pause zwischen zwei Vorführungen beendet ist, beginnen sie mit der nächsten Vorführung – ganz egal, ob jemand am Stand steht oder nicht. Sie fangen einfach an und während sie reden, suchen sie Blickkontakt zu irgend jemandem, der vorbei läuft – solange, bis einer stehen bleibt. Sobald der erste Interessent stehen bleibt und guckt, bleiben in windeseile zwei weitere Leute stehen und da wo drei Leute stehen, steht schon bald eine große Menschentraube. Genauso hat sich die moderne Geburtskultur entwickelt: Erst gingen einige Frauen in Sachen Schwangerschaft zu ihrem Gynäkologen, statt zu einer Hebamme und zur Geburt in eine Klinik, dann mehr und dann noch mehr – bis schließlich fast alle Kinder in der Entbindungsstation zur Welt kamen.

Aber es haben sich ja nicht nur die Entbindungsgewohnheiten verschoben. Alles hat sich verschoben. Die meisten Schwangeren sind heute voll berufstätig, nicht wenige davon ohne Partner. Das Lebenstempo ist irre hoch, der Job entweder sehr belastend (z.B. Verkäuferin im Einzelhandel) oder hochgradig intensiv und aufsaugend (Führungspositionen). Da bleibt ja kaum noch Zeit (und Kraft), an einem Geburtsvorbereitungskurs teilzunehmen, geschweige denn, Muse zu haben, sehr sorgfältig den Geburtsort auszuwählen. Eine Geburt zu Hause wollen sich viele Frauen gar nicht vorstellen und 100 Geburtshäuser für ganz Deutschland reichen noch nicht mal annähernd für eine entsprechende Versorgung der rund 750.000 Geburten in Deutschland (das mag in Österreich oder in der Schweiz anders aussehen).

Und schließlich spielt für viele werdende Eltern, single oder nicht, Geld die zentrale Rolle. Sie rufen genau die Leistung ab, die die Kasse bezahlt, weil mehr einfach nicht drin ist – falls sie sich überhaupt um eine Hebamme bemühen …

Wir alle haben bei der Jagd nach Geld und im Kampf ums (wirtschaftliche) Überleben unsere Prioritäten gesetzt. Wer weiß, vielleicht veschieben die sich wieder und wir räumen diesem Teil unseres Ins-Leben-kommens wieder mehr Aufmerksamkeit ein. Allein, ich bin da skeptisch.

Aber es würde sich wirklich lohnen!

„Ich glaube, es ist wirklich erstaunlich und umwerfend (= eine orgastische Geburt) . Ich hoffe, dass ich diese Erfahrung haben werde. Jede Frau, die diese Erfahrung machen kann, hat sehr sehr viel Glück” (Tamra, aus dem Film OrgasmicBirth)

Nicht weniger als das haben wir als Gesellschaft aus der Hand gegeben. Vielleicht ist es an der Zeit, sich einen großen Teil davon zurückzuholen – oder neu in unser Leben zu integrieren …

Morgen gibt’s mehr – genießen Sie die Zeit … 🙂

{ 0 comments… add one }

Leave a Comment

Next post:

Previous post:

Passwort aendern
Bitte Deine Email-Adresse eingeben. Ein neues Passwort wird Dir per Email zugeschickt.