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Die nackte Schwangerschaft

Lachende Schwangere (Bildquelle: Fotolia.de)

Isses nicht wunderbar, wenn man weiß, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, keinen Osterhasen und wo es die billigsten Geburtstagsgeschenke gibt? Gar keine Frage, der moderne Mensch ist verdammt gut informiert. Alles ist nur noch einen Mausklick oder ein Gegoogle weit weg.

Gilt natürlich auch für die Schwangerschaft.

Regeluntersuchungen, 3-D-Ultraschall, Websites, Foren und Blogs (wie dieses hier) haben die Schwangerschaft zu einer Art Schaubühne gemacht. Heutzutage geht man nicht mehr nur mit dem Nötigsten zur Niederkunft in die Klinik. Man ist mit einem Camcorder bewaffnet, wenn sich mit dem Smartphone keine guten Videos drehen lassen. Fehlen nur noch Mikrofon und Scheinwerfer!

Kein Augenblick dieses Augenblicks darf verloren gehen, alles muss dokumentiert, verfacebooked und/oder auf DVD gebrannt werden. Die Welt muss wissen, wie Max und Moritz zur Welt kamen und wie Frau Holle entbunden hat! Wenigstens die Urenkel sollten einmal gucken (und staunen!) können, wie Uroma Opa auf die Welt gebracht hat!

Dieser Tage fand ich einen hinreißend schönen Geburtsbericht, versehen – leider – mit einer Unzahl von Fotos, bei denen ich mir nicht sicher war, ob die jetzt nicht eher aus der Gebärenden eine kalbende Kuh machten! Foto für Foto richtete sich der Blick des staunenden Betrachters auf die leicht geöffnete Vagina, aus der erst ein kleines Fleckchen schwarzes Haar hervorlugte, dann noch ein bisschen mehr Haar, dann noch ein bisschen mehr, schließlich das obere Drittel des Köpfchens, dann das halbe Köpfchen mit Ohren und dann noch ein bissel mehr …

Ehrlich jetzt: Was soll das? Ja, das ist alles natürlich. Klar! Aber wenn jemand sein Häufchen in die Toilette setzt, dann ist das auch natürlich – will das jemand sehen?!

Was haben wir mit dem Zauber gemacht, der Schwangerschaft und Geburt innewohnt?

Worin liegt der Sinn, den Kreißsaal zu einem Drehort für Video-Freaks zu machen? Für Hobby-Gynäkologen?

Wirke ich jetzt prüde? Sei’s drum!

Ich wünsche mir, dass elternwerdenden Paare vor allem bei der Geburt mehr – viel mehr! – Diskretion nicht nur ausübten, sondern verlangten! Die Geburt selbst und die unmittelbare Zeit danach sind magisch! Im wörtlichsten Sinne! Mama, Baby und Papa sollten diesen Zauber miteinander erleben, statt ihn nebeneinander damit zu vertrödeln, Filmchen aufzunehmen, Belichtung und Tonqualität zu kontrollieren!

Ich wünsche mir, dass die Magie des Neuanfangs im Vordergrund steht – eine Zeit des leisen Ankommens, des einander Kennenlernens. Es ist eine Zeit, die viel mehr mit Fühlen zu tun hat, als mit Sehen! Mit Flüstern mehr, als mit sprechen. Mit Staunen mehr, als mit Wissen. Es ist ein Moment, der nur für diese kleine Familie gemacht ist. Maßgeschneidert. Alles andere hat seine Zeit ein anderes Mal!

Genießen Sie diese Zeit … 🙂

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