Isses nicht wunderbar, wenn man weiß, dass es keinen Weihnachtsmann gibt, keinen Osterhasen und wo es die billigsten Geburtstagsgeschenke gibt? Gar keine Frage, der moderne Mensch ist verdammt gut informiert. Alles ist nur noch einen Mausklick oder ein Gegoogle weit weg.
Gilt natürlich auch für die Schwangerschaft. Regeluntersuchungen, 3-D-Ultraschall, Websites, Foren, Blogs (wie dieses hier) etc. haben die Schwangerschaft zu einer Art Glasfenster gemacht. Man geht heute nicht mehr nur mit den nötigsten Utensilien zur Niederkunft in die Klinik, sondern ist bewaffnet mit einer Digikam und vielleicht noch mit Mikrofon und Scheinwerfer. Kein Augenblick dieses Augenblicks darf verloren gehen, alles muss dokumentiert, verfacebooked und auf DVD gebrannt werden, so dass wenigstens noch die Urenkel gucken können, wie die Uroma den Opa auf die Welt gebracht hat.
Dieser Tage fand ich einen hinreißend schönen Geburtsbericht – versehen mit einer Unzahl von Fotos, bei denen ich mir nicht sicher war, ob die jetzt aus der gebärenden Schwangeren eine kalbende Kuh gemacht haben. Foto für Foto sieht man, wie das kleine Köpfchen erst nur mit schwarzer Haartracht am Ausgang erscheint, dann mit ein bisschen mehr Haartracht, dann mit noch ein bisschen mehr und schließlich das halbe Köpfchen, dann noch ein bissel mehr und noch ein bissel mehr.
Ehrlich jetzt, das ist alles natürlich. Klar! Aber wenn Ihr Partner ein Häufchen in die Toilette setzt, dann ist das auch natürlich – nur: wer will das sehen?! Ist das jetzt wirklich der allerletzte Schrei, dass wir unsere Frauen nicht nur entbinden lassen sondern auch gleich noch die Hebamme bitten, das Blut da nicht wegzuwischen, weil das grad so cool aussieht? Oder vielleicht schnell noch mal ein bissel Make-up auf der linken Pobacke nachzupudern, damit das auf dem Bild nicht so glänzt?
Was haben wir mit dem Zauber gemacht, die einer Schwangerschaft und einer Geburt innewohnte? Einen Ort für durchgeknallte Digikam-Amateure? Hobby-Gynäkologen?
Ja, ich bin froh, dass es die OrgasmicBirth-DVD gibt und ja, ich bin froh, dass man sehen kann, was zu sehen ist – weil es wichtig ist, zu sehen, was zu sehen ist. Aber das ist doch dann noch mal ein anderes Kaliber wie das, was man vielerorts auch noch vorgesetzt bekommt.
Wirke ich jetzt prüde? Sei’s drum, ich würde mir trotzdem wünschen, dass elternwerdenden Paare wieder ein bisschen mehr Diskretion ausüben, dass man dem Baby und der Mama (und dem Papa) Zeit lässt, ehe das Blitzlicht in Aktion tritt. Wir können doch nicht auf der einen Seite das nacktsteril Klinische der Entbindungsstationen kritisieren und gleichzeitig den Kreißsaal zu einem Fotolabor machen. Wie passt das zusammen?
Ich würde mir wünschen, dass die Magie des neuen Lebensanfangs wieder in den Vordergrund tritt – und eine Zeit des leisen Ankommens.
Genug gemeckert für heute … genießen Sie die Zeit …















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