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Hausgeburt und Risiko

Machen Sie sich frei von Statistiken, in denen nichts wirklich Wichtiges steht!

Machen Sie sich frei von Statistiken, in denen nichts wirklich Wichtiges steht!

Nehmen wir das einfach mal vorweg: Volkswirtschaftlich betrachtet ist die Kostenentwicklung in Sachen Geburt ein Disaster! Nein, im Ernst, wenn Sie sich mal kurz vor Augen halten, dass eine Klinikentbindung mindestens 200 € teurer ist als eine Hausgeburt (und das ist jetzt mal sehr sehr tief gestapelt!), dann lösen sich pro Jahr in Deutschland rund 120.000.000 € (= 120 Millionen €) unnötig in Luft auf. Es sind ziemlich sicher deutlich mehr. Und wenn wir uns jetzt mal für eine Sekunde lang vorstellen, was geschähe, würde man dieses Geld, umgekehrt, in häusliche Geburtsvor- und -nachsorge investieren, was ließe sich dadurch verbessern!

Wussten Sie, dass viele Hebammen schlicht aufgeben müssen, weil ihre Einnahmen kaum ausreichen, um alleine die Haftpflichtversicherung zu bezahlen? Und wissen Sie, warum sich Krankenhäuser diese Ausgaben leisten können? Vielleicht weil sich die Risiken der Geburt mit all den anderen Risiken subsummieren? Es ist leicht zu verstehen, warum so manche Hebamme einen Komplott wittert, obwohl ich nicht glaube, dass es einen gibt. Wir haben es nur einfach erlaubt, dass sich aus unseren kollektiven Ängsten in jedweder Hinsicht ein medizinischer Komplex aufgebaut und selbst katalysiert hat – einen Komplex, den Sie und ich mit unseren Krankenkassenbeiträgen finanzieren …

Unsere deutlich gestiegene Lebenserwartung ist nicht etwa der Entwicklung in der Medizin geschuldet, sondern der verbesserten Ernährungssituation.

Unsere deutlich gestiegene Lebenserwartung ist nicht etwa der Entwicklung in der Medizin geschuldet, sondern der verbesserten Ernährungssituation.

Wussten Sie, dass unsere deutlich gestiegene Lebenserwartung von heute im wesentlichen nicht auf medizinische Entwicklungen zurückzuführen ist, sondern hauptsächlich auf eine verbesserte Ernährungssituation?!

Die Frage, um die es geht, lautet also: Ist es denn nicht viel riskanter, zu Hause zu entbinden?

Gegenfrage: Für wen?

Über das bakterielle Millieu haben wir schon gesprochen, Punkt für die Hausgeburt. Über die Möglichkeiten einer individuellen Vorbereitung des Geburtsraums auch, noch ein Punkt für die Hausgeburt. In Sachen emotionale und physische (Geburts-)Vorbereitung in Sachen Selbstverantwortung wurde auch schon gesprochen, noch ein Punkt für die Hausgeburt. Das könnte ich jetzt noch eine Weile fortsetzen und es wäre leicht, die Klinikgeburt zu demontieren – aber daran liegt mir nicht. Es ist nur so, dass kaum jemand außerhalb der Reihen der Hebammen offen eine Lanze für die natürlichste Sache der Welt bricht, der Hausgeburt. Und so kommen die Hebammen leicht in den Geruch der ewig gestrigen …

Gestern habe ich in einem Forum den Kommentar einer Krankenschwester gelesen, die doch tatsächlich schrieb, es sei völlig verantwortungslos, ein Kind zu Hause auf die Welt zu bringen, denn die Risiken für das Baby und die Mutter seien sehr hoch – es würden schließlich dauernd solche Fälle im Krankenhaus bei ihr landen. Gut, schauen wir uns das mal an:

Bild aus Silvia Haselbecks Das Wunder der Geburt

Bild aus Silvia Haselbecks "Das Wunder der Geburt"

Wir haben zur Zeit eine Geburtenrate von etwas unter 1% der Bevölkerung – Klartext: Bei rund 84 Millionen Deutschen macht das knapp 800.000 Geburten. Etwa 2 Prozent der Geburten finden zu Hause statt – macht 16.000 Geburten. In Deutschland gibt es knapp 2100 Krankenhäuser – macht über den Daumen gepeilt 7,1 Hausgeburten pro vorhandenem Krankenhaus pro Jahr … das heißt, dass pro Jahr und Krankenhaus maximal 7 Fälle eingeliefert werden können – dann, wenn alle Hausgeburten schief gingen. Aber nur etwa 5% aller Hausgeburtsfälle müssen ins Krankenhaus eingeliefert werden – rein von den Zahlen her ist das nicht wirklich mehr darstellbar. Können wir also unterstellen, dass diese Krankenschwester in Sachen Risikoeinschätzung … sagen wir: einen schlechten Tag erwischt hat?

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Geburt komplikationsfrei abläuft ist zu Hause deutlich größer als im Krankenhaus! Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendwer bestreiten möchte. Es ist halt nur so, dass es einen Unterschied macht, ob eine Situation durch das Auge eines Arztes oder einer Hebamme betrachtet wird. Ein Arzt wird auf Grund seiner Ausbildung viel früher in einen Geburtsablauf intervenieren als eine Hebamme, die von der Praxis her kommt und über ihre Praxiserfahrung eine gehörige Portion Intuition entwickelt hat. Die Foren sind voller Kommentare von Frauen, bei denen der Arzt während des Geburtsablaufs beispielsweise eine Sectio nahegelegt und dann auch durchgeführt hat, obwohl sich hinterher herausstellte, dass die Annahme falsch war.

Sind Ärzte daher untauglich? Aber nein! Natürlich nicht! Aber Ärzte betrachten Risiken als etwas anderes als Hebammen – auch, weil ihnen die Erfahrung fehlt! Es gibt keinen Gynäkologen, der ausschließlich Geburten macht. Es gibt aber keine Hebamme, die etwas anderes macht, als Schwangere zu betreuen und Geburten zu begleiten.

Fazit: Ich will Ihnen auf gar keinen Fall nahelegen, zu Hause zu gebären. Aber ich möchte, dass Sie sich frei machen von all den Statistiken, in denen zum Beispiel gar nicht erfasst ist, in wievielen Fällen ein Eingriff in den Geburtsablauf in einer Klinik überflüssig war. Statistiken sagen immer nur das aus, was sie aussagen sollen und da die Statistiken lediglich abbilden sollen, wieviele Mütter oder Kinder im Zusammenhang mit einer Geburt gestorben sind, bzw. nicht gestorben sind, und wie schnell sich ein Neugeborenes normal entwickelt, sagen diese Statisken kaum etwas wirklich Wichtiges aus.

Bliebe ein letzter Gedanke: Das Problem mit der möglichen Sauerstoffunterversorgung nach der Geburt – einer der häufigsten Einwände von Medizinern gg. eine Hausgeburt. Ganz ehrlich, wir fliegen zum Mars und schauen dort nach Wasser, wir bauen riesige Teilchenbeschleuniger, die fünfzig Kilometer lang sind, wir bauen Bahnen, die trotz ihres Gewichtes von mehreren hundert Tonnen über die Geleise schweben: Will mir ernsthaft jemand erzählen, dass dies ein Problem sei, das sich nicht lösen ließe, wenn man das nur lösen wollte?

Genießen Sie die Zeit … 🙂

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