Diesen Text stellte uns freundlicher Weise Brigitte Maas zur Verfügung. Sie ist Ausbilderin der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, die es sich seit über 20 Jahren zum Ziel gemacht hat Frauen und Familien bei der Familienbildung zu unterstützen.
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Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft sind komplexe Situationen, die nicht nur auf den medizinischen Aspekt reduziert werden dürfen. Vielmehr stärkt Geburtsvorbereitung Schwangere bzw. werdende Eltern in ihrer Kompetenz, diese Komplexität zu bewältigen. Eine ganzheitliche Geburtsvorbereitung behält das individuelle Erleben von Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft im Auge und bietet Unterstützung für diese Lebensphase, ohne direkte Handlungsanweisungen oder bestimmte Methoden zu vermitteln.
Dabei sind wichtige Leitlinien:
Ganzheitliches Verständnis von Geburtsvorbereitung
Alle Aspekte der neuen Lebenssituation – Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft – werden gleichermaßen berücksichtigt – sowohl die medizinisch-körperliche Seite als auch die psychosoziale Vorbereitung. Die Geburt wird gesehen als Übergang in eine neue Lebensphase. Dieser wichtige Entwicklungsschritt von der Schwangeren zur Mutter, vom Paar zur Familie, ist als neues bedeutendes Thema dazugekommen. Hier wirkt die Geburtsvorbereitung neben der gesundheitlichen Prävention auch pädagogisch präventiv, indem sie die Bedürfnisse des Kindes in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im ersten Lebensjahr verdeutlicht, die werdenden Eltern in ihrer Rollenfindung begleitet und die Paarbeziehung unterstützt.
Individuelle Körpererfahrung statt Vermittlung von Techniken
Die Schwangerschaft bringt viele Veränderungen mit sich und bietet daduch die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen und zu reflektieren. Der ganze Organismus gerät in Bewegung, die Atmung vertieft sich, das Gewebe lockert sich, der Bauch wächst, der körperliche Schwerpunkt verlagert sich. Dies alles ermöglicht eine neue bewusste Körperwahrnehmung unter Anleitung der Geburtsvorbereiterin. Ziel ist es, die körperlichen Bedürfnisse zu erspüren und ihnen nachzugeben; d.h., für sich selbst zu sorgen oder sorgen zu lassen.
Anstelle des regelhaften Einübens eines starren Atemrhythmus steht heute das Hinführen zur bewussten Atemerfahrung, das Ausprobieren und Kennenlernen verschiedener Atemmöglichkeiten, um während der Geburt den eigenen Weg zu finden.
Individuelle Reifeprozesse begleiten
Jede schwangere Frau bzw. jedes Paar bringt ihre/seine eigene Vorerfahrung mit in den Kurs ein. Das Erleben der neuen Situation ist geprägt von der jeweiligen Lebenssituation und dem sozialen Umfeld. Diese Individualität gilt es zu berücksichtigen, in dem den TeilnehmerInnen ermöglicht wird, mit ihren Gefühlen in Kontakt zu kommen. Geburtsvorbereitung gibt Raum, unterschiedliche Erfahrungen und Gefühle zuzulassen und sie einzuordnen. Das bewusste Auseinandersetzen mit dieser neuen Situation „Schwangerschaft“ hilft Ängste abzubauen und zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. So werden Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt verringert.
Kontakt zum Kind fördern
Schon die Zeit der Schwangerschaft bietet die Möglichkeit, den Kontakt mit dem Ungeborenen anzubahnen und eine Beziehung aufzubauen. So wird Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes im Mutterleib, bei der Geburt und in der ersten Lebensphase geweckt.
Selbstverantwortung fördern
Die Geburt ist keine Situation, der die Frau oder das Paar sich hilflos und passiv aussetzen muss, vielmehr können sie dieses Ereignis erleben und gestalten. Geburtsvorbereitung bestärkt und unterstützt sie, Verantwortung für die Geburt des eigenen Kindes zu übernehmen.
Ein guter Kurse wird nicht auf die Praxis einer bestimmten Geburtsklinik hin vorbereiten, sondern unparteiisch und neutral informiert. Z.B. werden gemeinsam Kriterien für die Wahl des Geburtsortes gesucht und Wünsche an das Geburtshilfeteam formuliert.
Werdende Väter als eigene Zielgruppe sehen
Immer mehr werdende Väter wollen eine aktive Rolle übernehmen, indem sie ihre Frau bei der Geburt unterstützen und ihren Anteil an der Kinderversorgung und -erziehung übernehmen. Deshalb erscheint es wichtig, die werdenden Väter nicht nur in ihrer Rolle als Unterstützer der Frau zu sehen. Auch die Männer stehen vor der Aufgabe, sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen und ihr eigenes Verständnis der Vaterrolle zu entwickeln und zu leben. Dabei wirkt der Austausch der Väter miteinander, (möglichst unter männlicher Gesprächsleitung), unterstützend. Schließlich erreicht Familienbildung in keinem anderen Bereich Männer in diesem zahlenmäßigen Umfang wie in der Geburtsvorbereitung.
Paarkommunikation fördern
Durch die Geburt des ersten Kindes kommt es häufig zu Krisen in der Paarbeziehung. Eingeschränkte Außenkontakte, zu kleine Wohnung, fehlende Freizeit u.a. können die Beziehung belasten. Über diese Krisen wird meistens geschwiegen, sie unterliegen einem Tabu. So werden Konfliktsituationen nach der Geburt häufig als individuelles Versagen erlebt.
In der Geburtsvorbereitung werden die Paare auf mögliche Konflikte hingewiesen und werden zu Gesprächen angeregt über wichtige Fragen, wie z.B.: Wie gehen wir mit der neuen Situation um? Wie ist unser Bild vom Elternsein? Wie wollen wir unser Kind versorgen und erziehen? Welche Arbeitsteilung streben wir an? Wieviel Raum für Partnerschaft wird/kann bleiben?
Geburtsvorbereitung wirkt hier präventiv als Übungsfeld, Wünsche an den Partner zu äußern, die zukünftigen Elternrollen auszuhandeln oder Konfliktthemen zu besprechen.
Im Geburtsvorbereitungskurs ein „Soziales Netz“ knüpfen
Durch die Geburt des ersten Kindes verändert sich der Lebens- und Arbeitsrhythmus. Häufig bleiben Freundschaften auf der Strecke. Oft fehlt die Einbettung in einen größeren Familienzusammenhang. Jetzt bekommen Kontakte zu anderen Eltern in der gleichen Situation eine große Bedeutung. Die anderen Paare aus dem Geburtsvorbereitungskurs bilden ein soziales Netz, das in dieser Situation auffangen und tragen kann. Erfahrungsaustausch, gegenseitige Unterstützung bei der Kinderbetreuung, gemeinsame Unternehmungen geben Halt in dieser Phase des Wandels.
Eine gute gruppenpädagogische Arbeit ist die Voraussetzung, dass eine tragfähige Gruppe entstehen kann und Kontakte untereinander gefördert werden.
Nachtreffen sind – als Babytreffen – fester Bestandteil der Geburtsvorbereitung. In dieser Phase kann das individuelle Geburtserlebnis ein Stück weit verarbeitet werden . Erste Erfahrungen über die Elternsituation können ausgetauscht werden. Oft werden bei diesen Nachtreffen Verabredungen für weitere kontinuierliche Treffen ohne Kursleiterin getroffen.
Weitere Informationen und Kursleiterinnen der GfG finden Sie bei der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung.
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