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Über Klapperstörche und Paul Anka

Jane war wütend. Seit Wochen war sie schon von ihrem Freund getrennt, aber immer noch rief er an, machte Avancen oder beschimpfte sie, je nach Laune, und wollte einfach nicht wahr haben, dass sich ihre Wege getrennt hatten.

Sie hatte keinen neuen Freund – ja, tatsächlich hatte sie nicht einmal Lust auf eine neue Beziehung. Sie wollte einfach ein bisschen für sich sein und ihr Leben in Ordnung bringen. Nachdem sie sich ein paar Jahre lang hatte treiben lassen, waren ihr doch die Schulden ein bisschen über den Kopf gewachsen. Sie fühlte, dass es Zeit war, dieses Sich-Treiben-Lassen zu beenden, eine feste Stelle zu suchen und die Schulden abzutilgen. Und dazu brauchte sie einfach Ruhe – und keinen neuen Freund.

Irgendwann in der Woche hatte ihre beste Freundin angerufen und gefragt, ob Jane nicht Lust habe, mit Freunden am Wochenende einen Ausflug zu machen. Und da sie zum Essen eingeladen war, hatte sie auch keine Kosten zu befürchten. Einen Tag lang raus zu kommen, was anderes zu sehen, das war schon eine tolle Idee. Sie willigte ein.

Jane, ihre beste Freundin, eine Bekannte und drei alte Schulkollegen fuhren zwei gute Autostunden, bis sie in den Bergen waren. Dann machten sie sich auf den Weg, um bis zum Nachmittag zu wandern. Das Wetter war großartig, die Stimmung gut und schnell hatte Jane ihren Alltag hinter sich gelassen und ihren Ex vergessen. Schließlich kamen sie an einen kleinen Teich, der weitgehend ruhig und glatt vor ihnen lag. Was aber alle sofort erstaunte, war, dass ziemlich in der Mitte dieses Teiches ein Storch mit seinen langen Beinen stand und sein Gefieder putzte. Störche waren in dieser Gegend eine Seltenheit, also blieben sie alle ruhig stehen und warteten, bis der Storch von sich aus davon flog.

Schließlich drehte sich einer ihrer alten Kollegen um und sah Jane direkt in die Augen – zumindest empfand sie das so:

Da ist wohl einer von uns ziemlich schwanger,“ sagte er laut und machte einen Witz.

Alle lachten – nur Jane nicht. Sie bekam eine solche Wut, dass ihre ganze gute Stimmung mit diesem einen Satz beendet war.

Ich war so wütend,“ sagte sie später, „ich hätte ihm eine reinhauen können.

Den Rest der Wanderung blieb sie weitgehend still, versunken in innere Dialoge mit Gott und der Welt, denen sie allen ihre Wut entgegenbrüllte. Aber eigentlich gab es doch gar keinen Grund für ihre Wut.

Später auf dem Weg nach Hause fragte ihre Freundin, was denn los sei und als Jane von ihrer Wut erzählte, antwortete sie nur:

Hey, der getroffene Hund bellt …! Mach doch einen Test – für alle Fälle …!

Sie ahnen es sicher: der Test war positiv. Jane war schwanger und ihr wurde sofort schlecht, als sie das Ergebnis des Tests sah.

Ich war am Boden zerstört,“ sagte sie später. „Ich fühlte mich, wie am Ende der Welt!

Zunächst mal machte sie gar nichts und ließ die Situation auf sich wirken. Da sie einen Halbtagsjob in einem Hotel hatte, war sie wenigstens ab und zu abgelenkt, aber es half alles nichts: eine Entscheidung musste her: Wollte sie das Baby behalten oder nicht?

Sie beschloss, noch drei Tage zu warten und dann so oder so zu entscheiden. Vielleicht würde ja irgend ‚was passieren, um ihr deutlich zu machen, was richtig war. Nur leider passierte nichts. Sie war so unentschlossen wie am Anfang.

Schließlich machte sie einen Termin bei ihrem Frauenarzt, um wirklich ganz sicher zu gehen. Sie setzte sich in ihren uralten Käfer, streichelte sich gedankenverloren über den Bauch und dachte: Was ist das bloß?

Das Gurtschloss klickte, der Motor sprang an und mechanisch stellte sie das Radio an – und wie durch Zauberei lief ein alter Paul Anka Song mit der Zeile:

You gonna be my baby …

Verblüfft schaute sie auf – und dann nickte sie entschlossen: „Das wird mein Baby!

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