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Recht auf Selbstbestimmtheit

Ich habe den ganzen Tag lang mit mir gerungen, ob ich diesem Thema auf diesem Blog Raum geben soll. Und eigentlich wollte ich eher nicht. Andererseits, dieser Blog konzentriert sich auf die Zeit der Schwangerschaft – und eben alles, was damit zu tun hat – also auch das Thema Schwangerschaftsabbruch.

Heute morgen wurde ich via Twitter auf einen Artikel in der FreiWeltNet aufmerksam: Abtreibung ist noch ein Tabuthema. Ich hab ihn erstmal kopfschüttelnd gelesen und schließlich als Stimmungsmache für einen Buchverkauf abgetan. Und mehr als diese Erwähnung will ich diesem Artikel auch nicht schenken.

Aber ich glaube, ich will meine Meinung zu diesem Thema deutlich machen.  Ich bin mir ganz sicher, dass es sich keine Frau mit der Entscheidung leicht macht, die Schwangerschaft abzubrechen. Keine. Und ich bin ebenso der Meinung, dass jede Frau ein absolut unantastbares Recht auf Selbstbestimmung hat! Wenn sie sich dazu entscheidet, ihre Schwangerschaft zu beenden, dann ist das ihr Recht! Ich finde, unsere Gesellschaft hat mit der Aufhebung des alten $ 216 in ihrer Entwicklung schon einen Schritt nach vorne gemacht, und trotzdem gibt es immer noch zuviele Hürden, wenn sie sich für einen Abbruch entscheidet.

Nun ist das mit dem Glauben so eine Sache. In einer Zeit, in der sich Menschen in die Luft sprengen, weil sie glauben, dadurch ins Paradies zu kommen, will man nicht so ohne weiteres unterstellen, das Vernunft überall das Gleiche zu sein scheint. Was im Körper einer Frau passiert, ist einfachste Biologie. Ein Spermium befruchtet eine Eizelle. Fertig. Und auch ein Fötus ist nichts anderes als eine Ansammlung von Eizellen, die in einem interagierenden Verbund beisammen liegen. Ein Fötus ist ein Fötus. Das Leben eines Menschen beginnt mit seiner Geburt. Im Bauch einer Frau wächst kein Kind heran, sondern reift ein Fötus. Ein Kind wird daraus, wenn der erste Atemzug gemacht ist. Es ist, aus meiner Sicht, wie es in der Bibel steht: Gott hauchte dem Menschen Leben ein … so nannte man früher „atmen“ … Körper stammen von Körper ab, Leben von Leben. Das Leben ist nicht sterblich, ein Körper schon …

Nun will ich niemandem meine Meinung aufzwängen, aber ich will ebenso dafür eintreten, dass auch niemand anderer seine Meinung Frauen überstülpt und sie durch die Hintertür (wieder) in die Sklaverei führt. Ich hoffe, niemandem in seinem religiösen Glauben zu überfordern wenn ich behaupte, dass Gott jederzeit in der Lage ist, abgetötete Eizellen durch andere zu ersetzen. Es ist kein Drama, wenn eine Eizelle abstirbt. Und es ist keines, wenn sie zum Absterben gebracht wird. Soviel 21. Jahrhundert muss schon sein.

Ich persönlich glaube nicht an einen alten Mann, der mit weißem Bart irgendwo da oben im Himmel sitzt. Ich glaube, dass Gott in der Liebe wohnt, die sich in jeder Form des Lebens zum Ausdruck bringt. Und folglich lebt Gott im Herzen der Menschen – sofern die ihn da leben lassen. Manchmal allerdings, so scheint es mir, muss ER da weg, damit dort Regeln einen Platz haben – menschengemachte Regeln. Regeln, die wichtiger sind als Mitgefühl und Toleranz.

Genießen Sie die Zeit 🙂 … trotzdem 🙂

{ 5 comments… add one }
  • dg-d

    Das Leben eines Menschen beginnt mit seiner Geburt. Im Bauch einer Frau wächst kein Kind heran, sondern reift ein Fötus. Ein Kind wird daraus, wenn der erste Atemzug gemacht ist.

    Nein, Raimund, das kann ich so nicht stehen lassen! Jede Frau, die schon einmal eine Fehlgeburt hatte wird da aufschreien. Für uns Mütter ist es ein Kind, dass da in uns wächst von Anfang an! Mag die Medizin es nennen wie sie will….
    Wenn ich mir anschaue wie sich das Kind im Mutterleib entwickelt und wie es auf Berührungen durch die Bauchdecke und Ansprache entwickelt, dann ist mir klar, da ist Leben, da ist ein Kind!

    Und ich halte es eher mit diesem Zitat aus der Bibel „Du hast mich geschaffen – meinen Körper und meine Seele, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet.“ Psalm 139

  • Ja, kann ich sehr gut verstehen – und ich will das weder kommentieren noch an dieser Stelle diskutieren. Es ist jederfraus Recht, es so wahrzunehmen, wie sie es für richtig hält.

    Aber es ist wichtig, auf die damit verbundenen Konsequenzen hinzuweisen: Wenn ich den Standpunkt einnehme, dass in einer Schwangeren ein Kind lebt, dann darf ich ihr keine Möglichkeit einräumen, die Schwangerschaft abzubrechen – egal aus welchen Gründen. Der gefundene politische Kompromiss zu der gegenwärtigen Abbruchsregelung ist zwar ideologischer Blödsinn, aber gesellschaftlich ein lebbarer Rahmen. Und das ist für das Leben einer Frau allemal ein Fortschritt, wenigstens in diesem kleinen Rahmen über ihren Körper selbst bestimmen zu können.

    rk-f

  • Raimund, ich sehe den Widerspruch nicht ganz.

    rk-f :

    Wenn ich den Standpunkt einnehme, dass in einer Schwangeren ein Kind lebt, dann darf ich ihr keine Möglichkeit einräumen, die Schwangerschaft abzubrechen – egal aus welchen Gründen.
    rk-f

    Denn, unabhängig davon, wie wir das ‚Kind‘ nun nennen, solange es nicht allein lebensfähig ist, ist es meiner Meinung nach die Verantwortung der Frau (und nur der Frau), was mit diesem Kind geschieht. Und ich bin fest davon überzeugt, dass sich keine Frau die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch leicht macht, ganz sicher nicht. Und auch in diesem Fall gibt es Trauer um das ungeborene Leben, so wie auch bei einer Fehlgeburt. Und trotzdem hat niemand das Recht dazu, der betroffenen Frau in ihre Entscheidung hineinzureden…
    *my 5 cents*
    lg Sabine

  • Sabine,

    ein neugeborenes Kind ist auch nicht alleine lebensfähig. Ohne Hilfe von außen stirbt es sehr schnell. Das kann folglich kein Kriterium sein.

    Ein Fötus bei dem schwerste Missbildungen festgestellt werden, kann getötet und die Leibesfrucht zur Ausleitung gebracht, oder per Kaiserschnitt entbunden werden (medizinische Indikation). Ein schwerstbehindertes Kind darf nicht getötet werden! Selbst dann nicht, wenn klar ist, dass es allergrößte Schmerzen leidet, nie irgendwie oder in irgendeiner Form aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, weil es vielleicht blind, taub und gelähmt ist. Ein Kind ist ein lebendiger Mensch, nicht notwendigerweise alleine lebensfähig, aber eben ein Mensch und Menschen vorsätzlich zu töten, ist Mord. Das ist geltendes Recht.

    Es hat den Fall gegeben, bei der nach medizinischer Indikation ein Fötus in der 25. Schwangerschaftswoche abgetrieben und zum Erstaunen aller lebend geboren wurde. Nachdem aber der Tod des Fötus das Ziel gewesen war, blieb das Kind 10 Stunden lang unbehandelt. Erst als klar war, dass der kleine Bursche nicht sterben würde, wurde er medizinisch versorgt. Durch die Geburt war aus dem Fötus ein Kind geworden und einem Kind durfte ärztliche Hilfe nicht verweigert werden – folglich wurde der Arzt des Krankenhauses wg. unterlassener Hilfeleistung verurteilt, denn das Kind trug schwerste Schäden davon, die dieser unterlassenen Hilfeleistung eindeutig zugeordnet werden konnten. Die Tötung des Fötus wäre rechtens gewesen, die Tötung des Kindes auf gar keinen Fall.

    Kreationisten leiten die Herkunft des Menschen aus der Bibel ab, streng, und lehnen Darwins Evolutionstheorie vollständig ab. Kreationisten treffen keine Unterscheidung zwischen Fötus und Mensch. Für sie ist die befruchtete Eizelle ein Mensch in einer sehr frühen Entwicklungsphase – deshalb darf die Eizelle nicht getötet werden und deshalb nennen sie auch Frauen und Ärzte, die an einem Schwangerschaftsabbruch beteiligt waren, Mörder. Und dagegen wehre ich mich!

    rk-f

  • Natürlich braucht ein Neugeborenes Hilfe zum Überleben. Diese muss aber nicht zwangsläufig von der Mutter kommen.

    Gerade bei den Spätabtreibungen finde ich das Thema sehr schwierig und heikel. Für mich persönlich ist das (für mich selbst) unvorstellbar. Aber ich kann Frauen nicht verurteilen, die für sich entscheiden, dass sie dieses spezielle Kind wegen einer Behinderung nicht austragen wollen. Ich muss sie deswegen nicht verstehen können, aber ihre Entscheidung respektiere ich.

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