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Die Gewalt des Gebärens

Die Gewalt des Gebärens – so der Titel eines Buches, einer Streitschrift von Isabelle Azoulay.  Ein Buch für alle, die Klartext lieben.  Hier ein kleines Beispiel:

„Die Diskussion um Geburt auf kalt gekachelte Klinik versus kuscheliges Geburtshaus zu lenken, hat fatale Auswirkungen.  Sie produziert ein Feindbild medizinischer Apparat/Technik/Kontrolle/Männer, auf der einen Seite verklärende Vorstellungen von weiblicher Körperlichkeit, von phantastischen Entbindungen, von mütterlicher Macht und Selbstverwirklichung, die nicht nur verlogen sind, sondern die in die bekannte Kerbe der regressiven Verknüpfung von Frau und Natürlichkeit schlagen.  Diese Diskussionen können jedoch nicht aus der Welt schaffen, dass unabhängig von jeglichen Apparaten und selbstgefälligen Ärzten das Gebären eine Tortur bleibt.“

Diese kleine Kostprobe zeigt deutliche die Sprache, derer sich Azoulay bedient, und wenn Sie sich auch gerne mal die andere Seite der Geburt anschauen, die Seite jenseits von verniedlichendem „na ja, das ist schon heftig“, dann haben Sie hier ein Buch, bei dem Sie voll auf Ihre Kosten kommen.  Zitat aus dem Klappentext:

„Ihr Buch ist eine Kritik der schönen Bilder und ein entschiedenes Plädoyer für den Anspruch der Frau auf Schmerzfreiheit und damit auf die Wahrung ihrer Würde auch beim Gebären.”

Ich habe dieses Buch mit Hochgenuss gelesen.  Über einen glänzenden historischen Abriss in Sachen das hat Gott so gewollt und Feminismus kommt Azouly am Ende zu der Überzeugung, dass die Medizin nicht geschlafen, und mittlerweile sehr gute Ergebnisse in Sachen Periduralanästhesie gemacht hat.

Aus meiner Sicht sehr überzeugend stellt Azoulay in Frage, dass Schmerzen für eine natürliche Geburt notwendig sind.  Zitat:

„Aber die Frage, warum wir uns heute noch der Grausamkeit der natürlichen Geburt unterziehen müssen, ist mehr als legitim.  Die Aufgabe aller, die der Gebärenden assistieren, muss es auch sein, ihr unerträgliche Schmerzen zu ersparen.  Eine Hebamme sagte dazu: Auf der einen Seite ist dies Folter, die nicht nötig ist.  Aber die schmerzlindernden Mittel haben alle Ihren Preis.  Der Preis ist, dass vom Erleben ein Stück fehlt.  Die Frage ist, welchen Stellenwert wir diesem Stück Erleben beimessen.”

Wenn meine Recherchen richtig sind, ist dieses Buch wohl nur noch über Amazon zu bekommen.  Ein Kauf, der sich aus meiner Sicht lohnt!

{ 19 comments… add one }
  • Sehr geehrter Rezensent. Das klingt jetzt nicht sehr objektiv was ich hier lese. Weder die Textzeilen aus dem Buch noch Ihre Bemerkungen. Wir betreuen Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen. Wir betreuen gerne im Krankenhaus und auch bei einer Hausgeburt. Es ist allein die Entscheidung der Frau wo sie ihr Kind zur Welt bringen möchte und wir unterstützen sie bei der Entscheidungsfindung. Das von Ihnen besprochene Buch erscheint mir aber nicht wirklich informativ zu sein. Wird denn dort auch erzählt wie viele PDA´s in ungeplanten Kaiserschnitten enden, weil durch die PDA die (von der Frau) angestrebte natürliche Geburt aus dem Takt kommt? Steht in dem Buch wie viele Frauen sich nach einer PDA hilflos fühlten weil sie nicht mehr allein zur Toilette konnten und mithilfe eines Blasenkatheters entleert werden mussten? Wie viele Frauen nicht nur der Geburtsschmerz erspart geblieben ist, sondern auch das Erlebnis aktiv zu gebären in dem sie das Kind mit eigener Kraft mit rausschiebt.
    Ich bin absolut dafür dass eine Frau, die große Angst vor den Schmerzen hat, die Möglichkeit bekommt eine schmerzlinderne Intervention zu wählen. Aber nur mit einer vernünftigen Aufklärung. Sonst erwartet uns im Wochenbett ein böses Erwachen.

    Hochachtungsvoll,

    Katrin Hagemeyer.

  • Wie viele Frauen nicht nur der Geburtsschmerz erspart geblieben ist, sondern auch das Erlebnis aktiv zu gebären in dem sie das Kind mit eigener Kraft mit rausschiebt.

    Verehrte Frau Hagemayer, ganz herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Er ist wirklich willkommen! Auf Ihre o.g. Frage verweise ich auf den auch im Artikel zitierten Klappentext: Der Preis ist, dass vom Erleben ein Stück fehlt.. Die Frage ist, welchen Stellenwert wir diesem Stück Erleben beimessen.”

    Mit Bedacht habe ich im ersten Satz des Artikels darauf hingewiesen, dass Azoulay selbst das Buch auch Streitschrift nennt – es ist ganz offensichtlich Azoulays Absicht gewesen, eine Diskussion, meinetwegen auch eine Debatte einzuleiten, anzuregen, oder was auch immer.

    Ich, ganz persönlich, bin der Ansicht, dass jede Schwangere, vor allem diejenigen, die ihr erstes Kind bekommen, möglichst alle Ansichten zu sehen bekommen – Azoulays Buch ist eine solche Ansicht – wenn auch eine, die provoziert.

    Herzlichen Gruß

    Raimund

  • Liebe Katrin, lieber Raimund,

    ich gehe sogar soweit zu sagen, dass der Geburtsschmerz wichtig für die Geburt ist. Der Schmerz regt den weiblichen Körper dazu an Hormone auszuschütten, diese Hormone sind einerseits für den Geburtsablauf wichtig, andererseits werden sie auch an das Kind weitergegeben und schützen es so vor Schmerz.
    Der Geburtsschmerz regt die Mutter dazu an sich zu bewegen und so vor Verletzungen zu schützen, außerdem beugt diese Bewegung Haltungs- und Einstellungsanomalien beim Kind vor.

    Ich habe das Buch auch gelesen, um mich mit der anderen Ansicht von Schmerzmanagement zu beschäftigen und ich muss sagen, mich hat es nicht überzeugt!

    Liebe Grüße
    Doro

  • Antje

    Dieses Buch gehört sicherlich in die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“. Ich frage mich, wer solche Absurditäten sponsort.
    Geburt als Folter? Als unerträgliche Grausamkeit? Wer solches schreibt, hat noch nie eine natürliche Geburt (mit)erlebt, weder aktiv noch passiv, hat den Vorgang Geburt nicht verstanden.
    Ich wünsche allen Frauen, daß sie auf ihre eigene Kraft und Intuition vertrauen und ihnen solche abstrusen und menschenfeindlichen Sichtweisen und Erfahrungen erspart bleiben.
    Antje Stulz
    Doula
    Geburtsbegleiterin
    Mutter von 4 Kindern
    Hausgeburtsmutter aus Überzeugung und Erfahrung
    (Geburtsbericht: http://www.geburtspool.de/m_marla220806.pdf)
    PDA- und KS-Kritikerin

  • Mich erstaunen Debatten dieser Art immer wieder! Eine Streitschrift, pro Frau, wird am heftigsten von Frauen kritisiert. Warum eigentlich?

    Worum geht es in diesem so heftig kritisierten Buch? Es geht um die Würde der Frau! Es geht in diesem Buch darum, Mythen bloßzulegen und in Frage zu stellen. Ein Mythos ist der, dass der Schmerz bei der Geburt sein soll. Wäre das der Fall, müsste man eine ähnlich heftige Diskussion beispielsweise bei Hypnobirthing erwarten – sie findet dort aber nicht statt.

    Ich verstehe dieses Buch als Anwalt für die Schwangeren, sich nicht von Mythen blenden zu lassen, von Mythen a la: Frauen sollen leiden, weil dadurch Hormone bla bla bla. Ich verstehe das Buch als Anwalt für die Schwangeren, eigene Entscheidungen zu treffen – nach ihrem eigenen Gefühl und entsprechend ihrer eigenen Verantwortung. Ich vermisse bei vielen Debattenbeiträgen, nicht nur hier, die Idee, einer Schwangeren das Gefühl von Integrität zu geben, ihr zu unterstellen, dass sie die für sie beste Entscheidung treffen wird, ganz gleich welche Entscheidung das am Ende sein wird! Und geht es nicht zuvorderst darum?

    Welche zwei Geburten sind gleich? Gibt es nicht Frauen, die völlig entspannt auf der Entbindungsstation auftauchen, ihr Kind kriegen, es einwickeln und wieder nach Hause gehen? Gibt es nicht Frauen, die völlig entspannt auf der Entbindungsstation auftauchen und in einen Albtraum eintauchen? Gibt es irgendeine Facette beim Entbinden nicht? Warum also alle Schwangeren über den selben Kamm scheren? Keine zwei Menschen haben ein identisches Schmerzempfinden – folglich verfängt das Argument mit den Hormonen und dem Geburtsschmerz nicht … es ist ein Mythos. Und nicht mehr sagt Azoulay in ihrem Buch.

    Ich persönlich finde es großartig, wenn jemand aufsteht und sagt: „Ich glaube, eine Frau bringt ihr Kind am besten zu Hause zu Welt und ich glaube es aus den und den Gründen.“ So soll es sein. Man soll seine Meinung sagen können. Aber eben das gleiche Recht gilt für völlig Andersdenkende – und Frau Azoulay bringt ein paar bemerkenswerte Argumente vor. Sie tut es aber aus meiner Sicht nicht, um den Frauen zu sagen, wie sie gebären sollen. Sie sagt: „Seid kritisch mit den Argumenten, die man euch vortragen wird.“ Und auch das finde ich großartig …

    Raimund Kohl-Füchsle

    PS: Frau mag sagen, „naja, der is’n Mann, der hat keine Ahnung. Ok. Ich habe meine Frau gefragt, was sie von dieser Debatte hält. Ihre Meinung dazu war kurz und knapp: „Ja, die Geburt war eine Erfahrung – aber eine, die ich nicht noch mal machen möchte …

  • Hm, Folter und Grausamkeit, das Gebären eine Tortur bleibt …. *überleg* hab ich bei meinen Geburten irgend was verpasst?
    Raimund, ich finde die Wortwahl der Autorin ziemlich manipulativ, um es mal freundlich auszudrücken.
    lg Sabine

  • Frauen, die sich auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten, befinden sich in einer ganz besonderen, sehr außergewöhnlichen und ganz besonders feinfühligen, ich nenne es mal vorsichtig „hochsensibel für alles von außen kommenden“ Situation. Jeder Frau wird im Laufe Ihres Lebens von anderen Frauen berichtet, daß eine Geburt mit Schmerzen verbunden ist. Das ist hinlänglich bekannt, auch Männer haben vielleicht schon mal davon gehört.
    Diese Erwartungshaltung in der werdenden Mutter schürt eine Angst, die eine entspannte, positive Geburt von vorneherein fast unmöglich macht. Leider.
    Dieser anerzogene Teufelskreis aus Angst, Schmerzen, sich ausgeliefert fühlen und oft unnötigen Interventionen der „Halbgötter in weiß“ führt dazu, daß kaum mehr eine Frau in Deutschland oder anderen „zivilisierten“ westlichen Ländern ihre Schwangerschaft ohne Sorgen genießen kann, sich ohne Angst auf dieses wunderschöne und einmalige Ereignis Geburt einlassen kann und in Ruhe und Geborgenheit ihr Kind auf die Welt bringen darf.
    Wie viele Interventionen von außen erst führen zu Komplikationen unter der Geburt!
    Warum unterstützt man Frauen nicht in ihrer natürlichen Fahigkeit, Kinder auf die Welt zu bringen? Gäbe es diese urkräftige Fähigkeit nicht, wäre unsere Gattung schon längst ausgestorben!
    Warum macht man Frauen Angst mit Büchern wie diesem, anstatt ihnen den Sinn des Wehenschmerzes zu erklären und ihnen die Wehen zum Freund zu machen, nicht zum Feind?
    Warum manipuliert man diese schon aufs schlimmste verunsicherten Frauen unter der Geburt noch mit Fragen wie „Wollen sie nicht doch lieber eine PDA?“ – anstatt ihnen mit Einfühlungsvermögen und Zurückhaltung die Stunden der Geburt unvergesslich schön zu machen? Mit Zuwendung und Fürsorge?

    Weil alles eine Frage des Geldes ist.
    Weil es eine riesige Lobby gibt, deren (natürlich finanzielles) Interesse es ist, Schwangere mit der neusten Technik, Ultraschall bis zum Abwinken, oft fragwürdigen, weil risikoreichen Methoden der pränatalen Feindiagnostik zur Früherkennung zu „versorgen“.
    Weil eine hochtechnische Geburt mehr Geld einspielt als eine natürliche, ohne jegliche Eingriffe oder Narkosen.
    Weil in Kliniken kein Geld ausgegeben wird für Zeit, Zuwendung und Streicheln.
    Schwangerschaft ist heutzutage keine „freudige Erwartung“ mehr wie zu Großmutters Zeiten, sondern ein von Anfang an mit allen Mitteln kleinzuhaltendes Risiko.
    Risikoschwangerschaften allüberall – gibt es eigentlich noch Frauen, die dieses „Prädikat“ NICHT in ihrem Mutterpaß stehen haben???

    Dieses Buch schlägt in die selbe Kerbe. Es macht Frauen Angst vor dem KInderkriegen.
    Unnötigerweise. Wie traurig. Nicht wieder gut zu machen für die Frauen, denen durch solche Meinungsmache das Glück einer unbeschwerten Schwangerschaft, ebenso wie das einer unvergeßlich schönen und glücklichen Geburt verbaut wird.

    Armes zivilisiertes Deutschland.
    Aber vielleicht schaffen wir es, daß bald niemand mehr Kinder kriegen will, schließlich ist das ja ein Risiko und tut weh.
    Dann schaffen wir es, unsere Rasse selbst abzuschaffen.
    Vielleicht auch besser so.

    Anja Schleinkofer
    Geburtsbegleiterin und Mutter zweier toller Kinder

    P.S.: Auch meine Wehen waren mit Schmerzen verbunden. Mit wunderbaren, glückbringenden und lebensspendenden!

  • Wie schmerzhaft eine Geburt von der gebärenden Frau empfunden wird, ist meiner Meinung nach sehr stark von der Umgebung abhängig, in der sie sich während der Wehen befindet.
    Ich will mir nicht anmaßen, einer Frau zu sagen, sie muß ohne oder mit PDA etc. entbinden. Das kann sie nur alleine beurteilen, wie schmerzhaft sie die Wehen empfindet. Und ich denke auch, dass es Situationen gibt, in der eine PDA ein Segen ist. Wir sind ja Menschen und anders als bei Tieren, entstehen meine Muttergefühle nicht nur durch hormonelle Prozesse. Ich habe das Buch allerdings auch nicht gelesen, deshalb kann ich nicht wirklich Stellung dazu beziehen. Aber ich denke, der Grund warum so viele Frauen die Geburten ihrer Kinder in so unschöner und schmerzhafter Erinnerung haben, ist auch unsere medikalisierte Geburtshilfe. Und es ist falsch, den Frauen eine PDA als DAS tolle Schmerzmittel zu verkaufen, wenn die Nebenwirkungen verschwiegen werden. Ich wage zu behaupten, dass der Bedarf nach einer Schmerzausschaltung sehr gering sein wird, wenn die Frau in einer liebevollen Umgebung ungestört und mit Respekt gebären darf.

  • Es ist erstaunlich, dass offensichtlich jeder etwas anderes aus dem Buch mitnimmt …

    Aus meiner Sicht macht dieses Buch keiner Schwangeren Angst – nicht mehr als ein Gynäkologe, der seiner Patientin rät, lieber in einer Klinik zu entbinden – nicht mehr, als eine Hebamme, die sagt, die Ärzte würden doch nur Angst machen, um möglichst viel Geld aus ihrer Schwangerschaft herauszuholen. JEDER, ganz gleich mit welcher Intention, trägt dazu bei, die Unsicherheit zu vergrößern – das liegt in der Natur schwieriger Entscheidungen!

    Das Anliegen des Buches „Die Gewalt des Gebärens“ ist in meiner Betrachtung ganz klar, den Schwangeren zu sagen: „Gib Acht, da kommen viele Argumente auf dich zu, von allen Seiten. Bleib kritisch!“

    Der Verweis im Buch (es ist der kleinste Teil des ganzen Buches!) auf die Möglichkeiten der Periduralanästhesie – immer noch mein Verständnis – sagt nirgendwo: „Schwangere, so sollst du gebären.“ Es sagt lediglich, es gibt Möglichkeiten, die Schmerzerfahrung zu lindern oder gar auszuschalten und man solle nicht den Fortschritt in der Medizin unterschätzen.

    Schaun Sie, in meinem Artikel ( http://www.das-schwangerschafts-erlebnis.de/2009/08/29/zu-hause-entbinden/ ) habe ich ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich persönlich der Ansicht bin, man solle einer Frau nicht reinreden, wo und wie sie ihr Kind auf die Welt bringen will. Ich bin der Ansicht, dass zuvorderst die persönliche Integrität einer Frau unverletzt bleiben muss – dass gilt für jedwede Entscheidung, die sie in dieser Hinsicht trifft. Es heißt, eine Geburt zu Hause sei nicht mit einem höheren Risiko verbunden als eine Entbindung in der Klinik. Das bedeutet, dass es in Ordnung ist – wie auch immer sich eine Schwangere entscheidet. Ich verletze aber nachgerade diese Integrität einer Schwangeren, wenn ich ihre Entscheidung, in der Klinik zu gebären, in Frage stelle in dem ich sage, sie tue es ja nur aus Angst.

    So wie ich Azoulays Buch verstehe ist präzise DAS ihre Kritik – eine Kritik, die ich teile. Die Autorin hat keine der beteiligten Parteien ausgelassen: nicht die Ärzte, nicht die Hebammen, nicht die Feministinnen, niemanden! Das alleine schon ist aus meiner Sicht großartig. Wie schon gesagt, ich kann nicht erkennen, an welcher Stelle des Buches Azoulay Angst machen WILL. Das ist aus meiner Sicht nirgendwo der Fall.

    My 2€cents

    Raimund

  • Montaine

    Es tut mir leid, hier so deutlich zu schreiben.
    Sowas kann nur ein Mann geschrieben haben, der selber noch nie geboren hat!

  • Bärbel

    Also, hier wieder das wenig modern-populäre Kommentar einer zweifachen Mutter, die sich VOLLKOMMEN BEWUSST FÜR den Geburtschmerz entschieden hat.
    Nein, eine Geburt ist sicher nichts, was man „verniedlichen“ kann, jedoch empfindet jede Frau den Schmerz anders.
    Manche sind erstaunlich gelassen, empfinden es weniger schmerzhaft und wimmern vielleicht ein wenig, andere haben das Gefühl, als ob es sie zerreisst (so auch ich!) und schreien den Schmerz heraus (dito).
    Dennoch- würde ich mich immer wieder FÜR die normale- spontane- Geburt entscheiden, ohne irgendwelche Schmerzmittel, PDA und erst recht nicht lasse ich mir freiwillig den Bauch aufschneiden und nehme völlig passiv an der Geburt teil!
    Die Geburt- ist trotz Schmerz- für (fast?) jede Mutter das größte und sogar großartigste Erlebnis, denn SIE bringt ihr Kind ins Leben, SIE bringt es in die Welt- nicht irgendein Skalpell und der daran hängende Arzt!
    Das ist kein Masochismus! Das ist das, was eine Mutter für ihr Kind tun will. Das ist das, was nur sie in dieser Form kann.
    Und die Schmerzen sind danach vorbei und vergessen, sobald man sieht, was man da nun vollbracht hat- nämlich ein kleines Wunder.
    Und wenn Männer sich zu Geburtschmerz äußern, halte ich das- mit Verlaub- für völlig unqualifiziert: denn er kann weder die Schmerzen noch den Mutterinstinkt und die Muttergefühle nachfühlen. Und all das ist nunmal mit NICHTS vergleichbar!
    Eine PDA kann den Geburtsverlauf verkomplizieren und schlimmstenfalls zum Notkaiserschnitt führen, auch deshalb stehe ich dem sehr kritisch gegenüber (viele Ärzte u. Hebammen übrigens auch)
    Hätte mir jemand die Kinder aus dem Bauch geschnitten, würde mir etwas fehlen- da bin ich mir sicher. Und das bestätigen mir immer wieder Mütter, die ihre Kinder unfreiwillig per Kaiserschnitt entbinden mussten: sie sagen, ihnen fehlt etwas…
    Eine zunehmende Verweichlichung der Gesellschaft, der Wunsch „sich nicht bemühen zu müssen“ und der Wunsch nach flachen Bäuchen und schönen Genitalien lässt sich bei Wunschkaiserschnitten sicher mit einem hohen Prozentsatz veranschlagen, ebenso wie die Angst. Aber eigentlich sind das nicht die Dinge, die einer Mutter wichtig sein sollten, finde ich. Ganz und gar nicht!!!

    My 2 cents.

    Bärbel

  • Antje

    ich glaube nicht, daß dieses buch mehr leistet als angst und unsicherheit zu schüren. wenn sich aber eine frau entschließt, es zur geburtsvorbereitung zu lesen, so sollte sie UNBEDINGT auch den film „Orgasmic Birth“ (http://www.doulas-in-deutschland.de/index.php?page=doulas_in_deutschland_orgasmic_birth) anschauen und das buch „Luxus Privatgeburt“ (http://www.editionriedenburg.at/buecher/luxus_privatgeburt/) lesen. in film und buch kommen frauen zu wort, die ihre geburten ganz bewusst ohne schmerzmittel, ohne medizinische interventionen erlebt haben. meiner meinung nach sind diese gegenpunkte unabdingbar für eine meinungsbildung. wer den film gesehen und das buch gelesen hat, wird sicher anders über geburten denken.

    welchen sinn der geburtsschmerz hat und wie unser körper ausgeklügelt darauf reagiert (wenn man ihn lässt), darüber wurden schon etliche bücher und artikel geschrieben.
    die PDA zerstört dieses feine gefüge mit der methode holzhammer, weshalb die hälfte aller PDA-geburten im dadurch verursachten (not-)kaiserschnitt enden.
    zerschnittene frauen, herausoperierte kinder – ein viel zu hoher preis.

  • K. Krause

    Hallo,

    Zitat: „PS: Frau mag sagen, “naja, der is’n Mann, der hat keine Ahnung. Ok. Ich habe meine Frau gefragt, was sie von dieser Debatte hält. Ihre Meinung dazu war kurz und knapp: “Ja, die Geburt war eine Erfahrung – aber eine, die ich nicht noch mal machen möchte …“

    Sehen Sie? Und genau das unterscheidet sie von einem Großteil der Frauen.

    Ich habe 2 mal natürlich geboren. 1x mit PDA und 1x ohne. Die PDA hat mir damals nicht wirklich viel Linderung gebracht. Schließlich kann man sie nur so weit dosieren, wie die Frau noch in der Lage ist mitpressen zu können. Die 2. Geburt, ohne PDA, war von mir auch nicht so geplant. Ich wollte unbedingt eine PDA, aber es war schon zu spät. Erst hinterher habe ich gemerkt das es eben auch ohne gehen kann und wie toll das Gefühl ist, es alleine geschafft zu haben. Vor allem das Gefühl: „Die Schmerzen waren auch nicht viel stärker“.

    Und ohne das böse zu meinen (wirklich!) und mal ganz salopp gesagt, ich verstehe nach wie vor nicht, warum um das Thema Geburt immer solch ein „Geschiss“ gemacht wird. Geboren wird doch schon seit tausenden von Jahren, aber das „Geschiss“, was drum herum gemacht wird, wird immer schlimmer. Ja, es IST schmerzhaft, aber die Frau ist körperlich in der Lage das „wegzustecken“. Mein Gott, wann vertrauen die Frauen mal wieder mehr in sich selber und nehmen die Geburt als etwas natürliches hin und hören auf sich in PDA, Wunschkaiserschnitte, Hypnose oder anderen „Hokuspokus“ zu flüchten!

    Freundliche Grüße!

  • Na ja, ich persönlich glaube, ein Gutteil der Verunsicherung kommt tatsächlich von der Informationsüberflutung in jeglicher Hinsicht. Wenn, sagen wir vor 100 Jahren eine Frau schwanger war, hat sie vielleicht ihre Mutter oder Schwiegermutter gefragt – und die haben sehr wahrscheinlich geantwortet: „Nu lass ma, Mariechen, et wird schon werden, wirste sehen, wa?“ Und fertig. Und dann gingen die werdenden Mütter da durch. Das hat sich grundlegend geändert! Auch wenn der Vergleich hinkt, aber ein bisschen ist das wie mit richtigem Essen: Wer was lernen will, kauft sich ein Buch und liest. Wer sich ins Chaos stürzen will, kauft sich ein zweites …

    Andererseits wurde aus dieser Flut von Information und Austausch eine ebensolche Fülle von Angeboten: Angefangen bei einer normalen Hausgeburt, über eine Wassergeburt zu Hause im Kreise der ganzen Familie, bis hin zum Kaiserschnitt in der Klinik nach vorher geäußertem Terminwunsch. Man mag das skeptisch sehen, und tatsächlich ist ein gerüttelt Maß an Skepsis immer gut! Und doch führen eine Fülle an Informationen und Diskussionen zu sehr wünschenswerten Veränderungen. Wer hätte vor 20 Jahren in der Klinik eine Wassergeburt erfragen können? Oder wer hätte es wagen können, mitten in der Nacht die Frau im Wochenbett zu besuchen?

    Ich denke, es ist immer schwierig, eine vernünftige Balance zu finden, eine Balance zwischen Bewährtem und Neuem. Ich bin der letzte, der die Risiken einer PDA in Zweifel zieht, aber, seien wir ehrlich: Wer hätte vor zwanzig Jahren geglaubt, dass man irgendwann mal eine Linsenoperation am Auge im 30-Minuten-Takt abwickeln kann und trotzdem dabei erstklassige Ergebnisse erzielt? Und so wird auch im Bereich der Geburtshilfe in zwanzig Jahren vieles anders sein als heute … WEIL sich Frauen für ein entsprechendes Angebot entscheiden.

    rk-f

  • K. Krause

    Ja das ist schon verständlich. Aber wir vergessen dabei nur zu oft, dass es sich bei der Geburt um ein natürliches und sehr ursprüngliches Ereignis handelt.

    Gebären ist keine Krankheit, die man heilen muß!!!

    Viele Grüße!

  • Bettina

    Ich habe schon 2 Kinder und wünsche mir noch ein drittes, der ersten Geburt blickte ich etwas bang und verunsichert entgegen, der zweiten mit großer Freude und Erwartung und das werde ich auch wieder tun. Es war unvergesslich und insbesondere die zweite Geburt wunderwunderschön. Auch schmerzhaft und anstrengend, aber auf eine positive belebende Weise. Ansichten wie Ihre finde ich beängstigend. Frauen und werdende Mütter sind mit einem Buch wie Ina May Gaskins „Die selbstbestimmte Geburt“ sicherlich besser bedient.

  • May Gaskins „Die selbstbestimmte Geburt“ … ok, sie werden hier darüber in Kürze etwas zu diesem Buch finden … sehr gerne sogar …

    Dank für den Hinweis!

    rk-f

  • auch mein absolutes lieblingsbuch zum themagebären!

  • Michael Schmidt

    Ja Ja, alles verweichlichte Menschen. Warum brauche ich ein Pferd wenn ich doch auch laufen kann. Wieso brauche ich ein Auto wenn ich ein Pferd habe…

    Mein Gott, meine Frau und ich erfahren gerade dies ganze Bandbreite erdverbundenen BLUT SCHWEISS UND TRÄNEN Lobbby mit dem Hinweis das Oxytocin wird es schon richten…

    Anstatt den gebildeten Frauen die Entscheidung auf Basis von Fakten zu überlassen kommen uns Geburtshandwerker mit einfachen Parolen.
    Leider ist die Welt nicht schwarz oder weiss. Blöd
    Wir vertrauen uns dann doch echt lieber Jemandem an der via Studium wirklich was gelernt hat…

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